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Vom dumpfen Grollen bis zum hellen Zwitschern

Vom dumpfen Grollen bis zum hellen Zwitschern

Eine beeindruckende Klangvielfalt erzeugen die Stimmen der Sänger von Huun-Huur-Tu. Das Quartett aus der südsibirischen Republik Tuwa hat mit seinen traditionellen Melodien 150 Besucher in der ausverkauften Schweicher Synagoge begeistert.

Schweich. Ungläubiges Staunen, aufmerksames Lauschen - die Stimmen von Huun-Huur-Tu ziehen die Besucher in der ausverkauften Schweicher Synagoge mit den ersten Tönen in ihren Bann. Denn die Vielfalt der Klänge, die die vier Sänger aus Südsibirien produzieren, ist für westeuropäische Ohren ungewohnt.
Sie pflegen den traditionellen Gesang der zur Russischen Föderation gehörenden Republik Tuwa, die doppelt so groß ist wie Österreich, aber nur etwa 300 000 Einwohner zählt. Ethnisch sind die Tuwiner ein Turkvolk, ihre Sprache ist mit dem Türkischen verwandt, kulturell gibt es aber starke mongolische Einflüsse. Dazu gehören auch der Kehl- und Obertongesang.
Traditionelle Instrumente


Obertöne sind in jeder Stimme vorhanden, sie geben ihr die typische Klangfarbe. Ein reiner Grundton würde sich anhören wie das Piepsen eines Computers. Indem die Obertöne verstärkt werden (siehe Extra), entsteht jedoch der Eindruck einer Zwei- oder sogar Mehrstimmigkeit. Die Resultate sind beeindruckend: Je nach Stilart - und davon gibt es zahlreiche Varianten - lassen sich hohe Töne wie ein zwitscherndes Pfeifen erzeugen oder ein säuselnder Windhauch. Beim Kargyraa entstehen auch besonders tiefe Töne wie ein dumpfes Grollen.
Die Tuwiner sind traditionell ein Nomadenvolk, so handeln die Lieder auch von der Landschaft, von Bergen, Steppe oder Flüssen, von Pferden, aber auch von Freundschaft und Liebe. Über weite Strecken wird die Stimme jedoch dazu benutzt, Klänge ohne Worte zu erzeugen.
Zu ihrem Gesang spielen die Musiker ihre traditionellen Instrumente: Igil heißt eine Art Cello mit nur zwei Saiten, das Kaigal-ool Khovalyg in den Händen hält. Sayan Bapa spielt Doshpuluur, ein Zupfinstrument ähnlich einer Laute mit eckigem Holzkörper und Radik Tülüsh streicht eine Byzaanchy, eine viersaitige Spießgeige. Den Rhythmus schlägt Alexei Saryglar auf seiner Kengirge, einer großen Trommel, und den darauf befestigten Schellen, die Shyngyrash heißen. So fremd die Musik auch erscheinen mag, sie ist stark rhythmisch betont und melodisch, und daher auch für westliche Ohren eingängig.
Stürmischen Applaus haben die Künstler bereits bei ihren Solo-Einlagen erhalten, mit langem Beifall bedankt sich das Publikum nach zwei Stunden für ein außergewöhnliches und zutiefst beeindruckendes Hörerlebnis.
Voraussichtlich sind Huun-Huur-Tu im Sommer 2012 wieder in der Region: beim Sommer-Open-Air auf der Saarburger Burganlage. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.
Extra

Obertöne, die einer Stimme ihre Klangfarbe geben, können beim Gesang gezielt verstärkt werden. Beim tuwinischen Khöömej geschieht dies mit einer Verengung im Kehlkopf. Im Kargyraa-Stil erzeugen die Taschenfalten - die beim Räuspern benutzt werden - zusätzlich tiefe Untertöne, wodurch sich das Spektrum der Obertöne vergrößert. Beim Sygyt entsteht zwischen Zunge und Zähnen ein Zwischenraum, so dass ein Pfeifen austritt. daj