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Vom kargen Grau zum bunten Chaos

Vom kargen Grau zum bunten Chaos

Kann man eine fast 200 Jahre alte Oper in die Moderne übertragen - und gleichzeitig ihre ursprüngliche Form bewahren? Regisseur Nils Cooper kann es: Am Samstag hat seine Inszenierung der bekannten Komödie "Der Barbier von Sevilla" im Theater Trier Premiere gefeiert.

Trier. Am Anfang herrscht Rätselraten. Wo ist die Kulisse? Wo das Orchester? Statt der üblichen Verdächtigen ist auf der nackten Bühne nur ein Hausmeister zu sehen, der gelangweilt den Fußboden wischt.
Dessen Arbeitsalltag wird alsbald ordentlich durchgewirbelt. Flugs wird er - und mit ihm die rund 500 Zuschauer - entführt: In die Welt der heiteren Oper, mit grellen Kostümen, starker Schminke und einer weiteren, kleinen Bühne, die mit wenigen Requisiten auskommt und das ganze Geschehen der Komödie Gioachino Rossinis auf sich komprimiert.
Beide Welten, die der Oper und die des Hausmeisters, vermischen sich nun in der Inszenierung des Regisseurs Nils Cooper. Immer passiert irgendwo irgendwas - im Vordergrund, oft genug aber auch hinter und neben der eigentlichen Bühne.
Ausschweifend, chaotisch


Passend dazu ist das Spiel auf der Bühne oftmals ausschweifend, augenscheinlich chaotisch. Bemerkenswert ist dabei die Körperlichkeit in der Darstellung der Akteure: Es wird gehüpft, gesprungen, geklettert und gekrochen was das Zeug hält.
Und doch vermeidet es die Inszenierung, allzu sehr ins Alberne abzudriften. Mit dafür verantwortlich ist sicherlich die Qualität der Darbietungen, die durch die Bank überzeugen. So zieht Carlos Aguirre mit seinem warmen Bariton das Publikum schon mit der ersten Arie "Largo al factotum" auf seine Seite. Svetislav Stojanovics Tenor ist klar und strahlend, sein Graf Almaviva voller Tatendrang. Evelyn Czesla überzeugt als gewiefte Rosina und brilliert vor allem in den Höhen. Besonders im Gedächtnis bleibt allerdings Alexander Trauth in der Rolle des Doktors Bartolo.
Nicht nur singt der Bariton auch knifflige Passagen konzentriert und sicher; auch sein Spiel ragt heraus, indem er komödiantische Einlagen des alten Doktors mit Spuren des Wahnsinns paart. Die größtenteils deutschen zungenbrecherischen Texte sind wohl der Grund, wieso manchmal der Rhythmus des Gesangs etwas danebengeht - ein kleiner Wermutstropfen allerdings, der das Gesamterlebnis nicht zu trüben vermag.
Denn die Emotionen, die Komik und die Tragik werden für den Zuschauer im Trierer Theater greifbar -unter anderem durch den Hausmeister, gespielt von Hans-Peter Leu, der mit den Figuren leidet, sich mit ihnen freut und ihnen hilft, wo er nur kann.
Am Ende ist der Spuk genauso schnell vorbei wie er begann; die karge "Realität" des Hausmeisters ist wieder die alte. Doch das rauschende Fest, was auf der Bühne veranstaltet wurde, klingt weiter.
Die nächsten Termine für die Aufführungen des Barbier von Sevilla: Dienstag, 28. Juni, 20 Uhr, Freitag, 1. Juli, 19.30 Uhr, jeweils Großes Haus