UNTERM STRICH – Die Kulturwoche: Vom Müll zum Mond

UNTERM STRICH – Die Kulturwoche : Vom Müll zum Mond

Wer die Umwelt liebt, hasst sie: die Alufolie für den Kebab, den Einmalbecher für den Coffee-to-go, die Aludose für das Bier, die PET-Flasche für das Wasser. All das sind für uns heute alltägliche Verpackungen und Behältnisse, die nach ihrer kurzen Nutzungsphase sofort wieder im Müll landen.

Also politically und vor allem ecologically völlig unkorrekt. Denn bereits die Gewinnung und Verarbeitung der dafür nötigen Rohstoffe sind eine Herausforderung für die Ressourcen unseres Planeten.

Von der unsachgemäßen Entsorgung ganz zu schweigen. Manch ein Fisch weiß ein Lied davon zu singen. Da er das aber unter Wasser tut, hören wir es kaum. „Take away“ heißt auch „fortschaffen“, aber daran denkt wohl kein Kunde, wenn er Speisen und Getränke mitnimmt für den Hunger und Durst zwischendurch.

Wobei – diese Take-away-Mode ist keine Erfindung der letzten Jahrzehnte. Essen wurde auch vorher schon mitgenommen – allerdings umweltfreundlicher. Hat vielleicht noch jemand einen Henkelmann im Geschirrschrank stehen – jenes blecherne Oval mit Verschlussbügel, in dem, von der sorgenden Hausfrau für den werktätigen Ehemann vorgekocht, das Essen warm blieb bis zur Mittagspause in der Fabrik (nix Kantine!)? Diese Büchse hatte den unschätzbaren Vorteil, jahrzehntelang benutzbar zu sein.

Das Österreichische Museum für Volkskunde in Wien erinnert an diese und andere Gefäße, die von unseren Vorfahren für den umweltfreundlichen Essenstransport benutzt wurden. Die Ausstellung „Take away. Genuss ohne Müll“ (bis 29. September), übrigens kostenlos anzuschauen, lässt den Besucher (hoffentlich) auch über den ausufernden Abfallwahnsinn nachdenken und auf den Coffe-to-go auf dem Nachhauseweg (nochmal hoffentlich) verzichten.

Bleiben wir noch eine Ausstellung lang in Österreich. Das Salzburger Museum der Moderne erinnert an ein uramerikanisches Ereignis, das die ganze Welt in Atem hielt. „Fly me to the Moon“ ist nicht nur ein Hit von Frank Sinatra, sondern auch der Titel der Schau über 50 Jahre Mondlandung. Der erste Teil der Ausstellung führt weit zurück in die Historie, genauer gesagt, bis zu Galileo Galilei.

Ausgehend vom 16. Jahrhundert bis in die Moderne werden die Versuche und Träume von Menschen gezeigt, den wechselhaften Mond, bei dem man laut Shakespeare nicht schwören soll („Romeo und Julia“, II/2/109), zu verstehen, erfassen und – Gipfel der Hybris – zu betreten. Die Erfindung des Teleskops 1608 – von eben jenem bereits erwähnten Galileo – war ein erster wesentlicher Schritt, den 384 000 Kilometer fernen Satelliten erstmals genauer in Augenschein zu nehmen. Und dann dauerte es noch mal 361 Jahre bis zu jenem „kleinen Schritt für einen Menschen, aber gewaltigem Sprung für die Menschheit“ (O-Ton Mr. Armstrong, live durchs All übertragen. Ob ihm dieser historische Satz selbst eingefallen ist, darüber streiten bis heute die Gelehrten, zumal der Astronaut kein Meister der Wörter war. Als Urheber wurden wahlweise Arthur Miller oder Norman Mailer genannt, aber keiner der beiden hat sich jemals dazu bekannt).

Ein Teil der Ausstellung befasst sich auch mit den Folgen der Mondlandung und bemerkt nebenbei, dass die Frauen im Weltall beschämend unterrepräsentiert seien. Das dürfte sich auch in Zukunft eher nicht ändern, selbst wenn der derzeitige Amtsmissbraucher im Weißen Haus davon schwadroniert, dass bis 2024 wieder Menschen den Mond betreten sollen. Bleibt nur zu hoffen, dass der GAUDAG (größte anzunehmende Unfall der amerikanischen Geschichte) bis dahin dem süßen Vergessen anheimgegeben sein wird. Rainer Nolden/dpa

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