Vom Pflichtprogramm zur Kür

Vom Pflichtprogramm zur Kür

In der Philharmonie fängt die Saison Mitte September ganz traditionell-großorchestral an - mit Diana Damrau und dem Bayerischen Staatsorchester unter Kyrill Petrenko. Dann allerdings wird rasch deutlich: Das Konzerthaus setzt nicht nur auf Repräsentation, sondern auf Vielfalt.

Luxemburg. Der repräsentative Einstieg gehört bei der Luxemburger Philharmonie eindeutig zum Pflichtprogramm. Kein Wunder, dass das Konzerthaus auf dem Kirchberg seinen Monatsflyer mit einem Zusatzblatt ergänzt. Das hat alle Infos parat, die zur Eröffnung am 13. September wichtig sind - Star-Sopranistin Diana Damrau (die übrigens vor Jahren in Trier gastierte), Kyrill Petrenko, designierter Chef der Berliner Philharmoniker, ein eher konventionelles Richard-Strauss-Programm und als modernen Klassiker György Ligetis Orchesterstück "Lontano".
Nur drei Tage ändert sich die Szenerie. Mit Pianist Stefano Bollani hat die Philharmonie dieses Mal einen Jazzmusiker als "Artist in Residence" aufgenommen. Der präsentiert schon im September seine Allround-Fähigkeiten: mit seinem "Stefano Bollani Danish Trio" (16. September).
Der "musikalische Freigeist" (Philharmonie) steht außerdem im Januar 2017 auf der Bühne. Und nach seinem Erfolg mit Gershwins "Concerto in F" im Jahr 2012 wird Bollani im Juni 2017 Maurice Ravels feinsinnig-klangvolles G-Dur-Konzert spielen. Auch Residence-Artist Nummer zwei bleibt aktiv. Jean-Francois Zygel wird in der "Dating"-Reihe des Orchestre Philharmonique (OPL) Debussys "La Mer" kommentieren (21. September, 19 Uhr) - leider auf Französisch, was den deutschen Teilnehmerkreis deutlich begrenzt. Außerdem improvisiert er über Themen von Debussy (27. September, 19 Uhr).
Auch das OPL beschränkt sich nicht aufs brave Konzertieren, sondern setzt sich selber in Szene. Am familienfreundlichen Samstag (24. September, ab 14.30 Uhr) besetzen die knapp 100 Musiker des Luxemburgischen Staatsorchesters mit ihrer "Orchestramania" das Konzerthaus. Da finden dann Konzerte, Workshops, Begegnungen mit den Musikern statt, bei freiem Eintritt und für alle Altersgruppen.
Natürlich stellt sich das OPL auch aufs Konzertpodium. Beim ersten Saisonauftritt (23. September) mit Chefdirigent Gustavo Gimeno steht Mahler mit Bariton Thomas Hampson auf dem Programm, außerdem als Uraufführung das Auftragswerk "Mural" von Francisco Coll und Debussys "La Mer". Ende des Monats (30. September) hat das OPL unter Nikolai Znaider dann das 1. Klavierkonzert des 22-jährigen Mendelssohn (Solist: Saleem Ashkar) und Edward Elgars 2. Sinfonie im Visier.
Gustavo Gimeno führt zudem eine Reihe der letzten Saison weiter und bietet eine öffentliche Probe an (20. September, 12.30 Uhr). Auch die Solistes Europeens sind wieder aktiv und präsentieren unter Christoph König eine Auftragskomposition des Luxemburgers Luc Grethen und danach mit der 9. Sinfonie von Schostakowitsch und der Fünften von Jean Sibelius zwei sinfonische Schwergewichte (19. September).
Als zweites Orchester von auswärts reist übrigens die Filarmonia della Scala aus Mailand an (26. September) und überrascht mit einem Schumann-Programm - der Manfred-Ouvertüre, dem Klavierkonzert (Solist: Daniil Trifonow) und der 2. Sinfonie. Bei den "Rising Stars" der Europäischen Konzerthaus-Assoziation stellt sich Pianist Christopher Park mit Bach, Strawinsky, Neuwirth und Schumann vor (30. September). Und wer die leichtere Muse vorzieht, ist beim Pop-Konzert der "Philharmonics" (18. September) oder bei Flamenco-Sängerin Rocio Márquez (22. September) zweifellos gut aufgehoben.
Mit dem "European Workshop for contemporary music" hat die Philharmonie ein ambitioniertes Neue-Musik-Projekt ins Haus geholt. Rund 20 junge Musikerinnen und Musiker aus ganz Europa absolvieren eine gemeinsame Probenwoche in Polen und geben dann in ganz Europa Konzerte. Ein Kennenlern-Projekt - nicht nur musikalisch, sondern ganz allgemein-kulturell und dabei sehr persönlich. In Zeiten, in den die europäischen Aktien sinken, ist das von enormer Bedeutung. mö
Beginn ist, wenn nicht anders angegeben, um 20 Uhr. Karten gibt es unter Telefon (00352) 2632 2632. Weitere Informationen unter <%LINK auto="true" href="http://www.philharmonie.lu" text="www.philharmonie.lu" class="more"%>

Mehr von Volksfreund