Vom Spiel mit dem Raku-Feuer

Vom Spiel mit dem Raku-Feuer

TRIER. Vom gekonnten Umgang mit dem Feuer handelt eine außergewöhnliche Schau in der Europäischen Kunstakademie Trier. Dort zeigt Ingrid Schmitt-Fassbinder ihre eindrucksvollen Raku-Arbeiten.

Ein schmaler Weg aus runden Steinen windet sich durch den hellen Raum. Links und rechts davon ragen schlanke Keramik-Stelen in die Höhe, von denen manche an zierliche Schwertlilien erinnern. Drüben an der Wand lassen duftiges Weiß und eine anmutige Wolkenlinie im schwarzen Schweigen der Keramikplatten den Himmel ahnen. Keine Frage: Eine Ausstellung besonderer Art, in der sich fernöstliche Kultur mit europäischer Bildsprache verbindet, zeigt in diesen Tagen die Kunsthalle der Europäischen Kunstakademie in Trier. Einen Zen-Garten der abstrakten Raku-Kunst hat Ingrid Schmitt-Fassbinder dort geschaffen. Ein lichter Meditationsraum ist dabei entstanden, der den Blick nach innen lenkt, und in dem die Kunstwerke als Wegzeichen und Grenzmarkierungen dienen. Seit sie Ende der 80er-Jahre bei einer Tagung in Budapest war, beschäftigt sich die Trierer Keramikerin (geboren 1950) mit der Raku-Kultur. Tatsächlich ist die alte japanische Methode des reduzierten Brandes weit mehr als eine keramische Technik, sie ist eine Geisteshaltung. Vor gut 450 Jahren entstanden als Ausdrucksform des Zen-Buddhismus die ersten Raku- Gefäße für die traditionelle japanische Teezeremonie. Raku-Keramik als abstrakte Kunst ist das zentrale Thema der Künstlerin. Viel Erfahrung gehört dazu, eine genaue Kenntnis des Materials und eine innere Vorstellung von Form und Bild. All das hat Ingrid Schmitt-Fassbinder. Ihre Ausbildung erhielt sie an Deutschlands erster Keramik-Adresse, der Fachhochschule in Höhr-Grenzhausen. Fassbinder spielt gekonnt mit dem Raku-Feuer. Dabei gelingen ihr nuancenreiche Bildtafeln. Zuweilen durchzieht ein leuchtender Silberstreif das zurückhaltende, wohl temperierte Leben dieser Keramikfelder. Ebenso überzeugend nutzt die Keramikerin zur Gestaltung die grobe Struktur des traditionellen Raku-Tons. Noch immer freut sie sich auf überraschende Entwicklungen beim Brand der Keramik. Worüber sie sich neben all ihren Preisen freut: Seit einigen Jahren hängen ihre Raku-Arbeiten im Museum der Schönen Künste in Taiwans Hauptstadt Taipeh. Bis 26. März. Europäische Kunstakademie Trier, Aachener Straße 63, Öffnungszeiten di bis so 11-17 Uhr, Tel.: 0651-99846-0.

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