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Vom Wesen des Lichts

Vom Wesen des Lichts

Bilder zum Philosophieren sind derzeit in der Europäischen Kunstakademie (EKA) in Trier zu sehen. Dort stellt die Malerin und Dozentin Bettina Wächter gemalte Überlegungen zum Wesen des Lichts und der Erhellung an.

Trier. Das Licht und seine bildgebende Wirkung ist eines der großen Themen der Kunst- und Fotografiegeschichte. "Es werde Licht" - die alte Forderung der Schöpfungsgeschichte entscheidet schließlich nicht nur über die Wahrnehmung unserer irdischen Wirklichkeit. Das Licht schafft auch die ganz eigene Realität und Symbolkraft der Bildwelten von Malern und Fotografen.
Spätestens seit den Impressionisten ist die sphärische Erscheinung des Lichts als Motiv selbst interessant. Allerdings machten die Maler, die mit ihren Staffeleien hinauszogen, um dem Wesen des Lichts näher zu kommen, die unterschiedlichen Lichterscheinungen noch an der fassbaren Realität von Landschaften und Menschen fest. Bettina Wächter geht in ihren Arbeiten in der EKA einen Schritt weiter.
Die Berliner Malerin hat ihr Licht von jeglicher materiellen Zuschreibung und Individualität befreit. Statt dessen widmen sich ihre Gemälde in der Kunsthalle dort sozusagen der ganz eigenen Identität des Lichts. Die meist großen Formate, deren Farbe Schicht über Schicht so glatt mit dem Spachtel aufgetragen ist, dass sie wie minimalistische Gemälde wirken, sind nichts anderes als Reflexionen über das Wesen des Lichts.
Man fühlt sich angesichts der von Lichtströmen durchzogenen abstrakten Bilder an Friedrich Hegels Philosophenwort erinnert, das Licht sei "das Selbst der Materie". Jedenfalls haben auch Bettina Wächters Lichtbilder jegliche Erdenhaftung und Anbindung an eine fassbare Wirklichkeit hinter sich gelassen. Ihr Licht ist Idee, ihr Bildraum der geistige Raum. Das wird auch darin deutlich, dass in den Bildern der Malerin die Lichtströme nicht als offene Formen fließen, sondern in ihrer strengen geometrischen Form Zeichen und Denkmodell sind.
Allerdings: Wie im wirklichen Leben brauchen auch Bettina Wächters Bild gewordene Überlegungen zum Licht etwas, woran sich dieses Licht bricht und wovon es reflektiert wird, um sichtbar zu werden. Das sind bei Bettina Wächter Raum und Farbe. Ihre Lichtströme werden über die Farbe und über die Räumlichkeit des Bildes sichtbar. Oder schaffen sie diese etwa erst? Genau das ist die Frage, die offenbleibt und die in ihrer schillernden Unentschiedenheit die Gemälde über ihren ästhetischen Reiz interessant macht.
Bis 12. November, montags bis freitags 8-16 Uhr, Samstag 9-14 Uhr; weitere Informationen auf <%LINK auto="true" href="http://www.eka-trier.de" class="more" text="www.eka-trier.de"%>