Literatur: Von der Einsamkeit des Schriftstellers und mütterlichen Ängsten

Literatur : Von der Einsamkeit des Schriftstellers und mütterlichen Ängsten

Bei der 23. Veranstaltung des Eifel Literatur Festivals war Krimi Autorin Charlotte Link in Bitburg zu Gast.

„Ja“, nickt sie. „Ich kenne auch einsame Momente und Schreibblockaden“. Kaum zu glauben, bei einer Frau, die mittlerweile über 28 Millionen Bücher allein in Deutschland verkauft hat und jedes Jahr einen Bestseller herausbringt. Charlotte Link ist so etwas wie die deutsche Elizabeth George. Nur dass ihre Krimis zwar ebenso umfangreich, aber kurzweiliger sind als die der amerikanischen Kollegin. Beide „Crime Ladies“ gehen das Morden eher psychologisch hintergründig als blutrüstig gewalttätigan – vorzugsweise an britischen Tatorten. Zur Lesung aus ihrem neuen Buch „Die Suche“ ist die deutsche „Krimi Queen“ zum Eifel Literatur Festival nach Bitburg gekommen. Mitgebracht hat sie eine andere Majestät. Bärbel Schäfer, die unerschrockene Talkshow Queen der 90iger Jahre, die derzeit laut Presseberichten ihr Comeback plant. Wie beliebt die 55jährige Krimiautorin ist, demonstrieren auch die über 800, zum Teil von weither angereisten Besucher in der Stadthalle ( über 400 weitere Interessenten stehen auf der Warteliste). Einige von ihnen haben ganze Stapel an Link Krimis dabei, um sie signieren zu lassen. Als verlässliche Stütze des über massive Umsatzeinbrüche klagenden Verlagswesens würdigt Festival Chef Josef Zierden die Erfolgsautorin zur Begrüßung. Locker vom Hocker plaudert Bärbel Schäfer in den Lesepausen mit der Schriftstellerin. Es geht um das zuweilen einsame Leben in der Schreibwerkstatt. Um Konzepte im Kopf , deren Personal sich beim Schreiben selbständig machen muss, um authentisch zu werden. Um die Frage, wieviel Befindlichkeiten der Autorin in ihren Figuren stecken. Und es geht um Angst und Verunsicherung. Denn davon gibt es auch im neuen Krimi jede Menge. „Die Suche“ ist ein typischer Link Roman. Die Handlung führt in das englische Seebad Scarborough. Im nahen Hochmoor wird eine lang vermisste Mädchenleiche gefunden. Kurz darauf verschwinden weitere Mädchen. Chief Inspector Caleb Hale gerät als Ermittler gewaltig unter Druck. Nicht unbedingt willkommene Hilfe bekommt er von seiner Kollegin Detective Sergeant Kate Linville von Scotland Yard, die zufällig vor Ort ist. Link hat für ihre spannende Geschichte, die nicht nur in den Sumpf des nahen Moors sondern auch in den menschlicher Abgründe führt, auf bewährte Muster gesetzt. Am Set sind: Der Ermittler mit dem Alkoholproblem und dem Riss in der Seele, die einsame Sergeantin ohne Selbstvertrauen, aber mit umso mehr kriminalistischem Instinkt, die bürgerliche Familie als Scheinidylle und Gegenentwurf zur disfunktionalen und nicht zuletzt die überraschende Auflösung. Einmal mehr wird bei den Leseproben und im Gespräch mit Schäfer deutlich, was Links Krimis so beliebt macht.

Die Wiesbadener Autorin schreibt nicht nur spannend und psychologisch einfühlsam. Mit ihren Themen ist sie ganz nah am Alltag und den Problemen von jedermann und bringt persönliche Erfahrungen ein. Die eigenen Sorgen klingen mit, wenn die Mutter einer 17jährigen Tochter von den Ängsten um die sich abnabelnden Kinder spricht, von der rechten Balance zwischen behüten und loslassen. „Ich habe auch manchmal Angst“, gesteht die Schriftstellerin, „aber ich versuche, keine Ängstlichkeit zu vermitteln“. Diesen Abend ist ihre Tochter jedenfalls gut versorgt. Eben hat sie via Handy eine Nachricht geschickt, dass sie mit Papa bei einem Bier sitzt (natürlich einem Bit). Wie viele Eltern ist auch die Erfinderin so vieler Toter und Misshandelter beunruhigt wegen des allgegenwärtigen Internets und seinen virtuellen Welten mit ihren sozialen Netzwerken und inflationären Freundschaften. Wenn sie für ihre Krimis recherchiert, geht Link aufs Ganze. Um die Partnersuche von Sergeantin Kate in einem Online Portal überzeugend darzustellen,  hatte sie sich im Selbstversuch beim Portal Parship angemeldet. Die Resonanz sei gewaltig gewesen, ihre Identität allerdings fiktiv. Apropos Schreibblockade: Da helfe nur, das Thema erstmal loszulassen und sich anderen Aufgaben zuzuwenden. „Wenn der Rasen gemäht, das Haus gesaugt und der Hund gefüttert ist, geht es beim Schreiben nicht weiter“, lacht die Autorin. Zum Schluss: Begeisterter Beifall beim Publikum für die beiden Damen, eine endlose Schlange am Signiertisch, und von Festivalchef Zierden augenzwinkernd den bewährten Eifler Obstler als Nothelfer auch bei Schreibblockaden.

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