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Von der Lust zum Fieber

Legende als Trier-Gast: Elisabeth Wiedemann in "Ein Herz und eine Seele".
Legende als Trier-Gast: Elisabeth Wiedemann in "Ein Herz und eine Seele". FOTO: WDR (obs)
TRIER. Nach der "Theater-Lust" in seiner Premieren-Spielzeit will Intendant Gerhard Weber in der Saison 2005/2006 das "Theater-Fieber" entfachen. Für hohe Temperaturen sollen illustre Gäste und spannende Regisseure sorgen. ARRAY(0x15bc3c768)

Gleich zum Start am 2. Oktober setzt Weber auf eine solche Kombination. Elisabeth Wiedemann, seit "Ekel Alfred" eine Fernseh-Legende, gastiert in der Titelrolle von Dürrenmatts "Besuch der alten Dame". Regie führt Horst Ruprecht, der zuletzt das überzeugende "Schiller-Projekt" realisierte. Verena Rhyn hätte man sich als Claire Zachanassian auch gut vorstellen können, aber sie verkörpert zeitgleich Hildegard Knef in der Revue "Für mich soll's rote Rosen regnen", mit der das Theater erstmals das Casino am Kornmarkt als neue Spielstätte entdeckt. Goldonis "Diener zweier Herren", eine Dramatisierung von Flauberts "Madame Bovary" und Tankred Dorsts "Merlin" runden das Sprechtheater ab. Bei letzterem stellt sich die Choreographin Birgit Scherzer dem Trierer Publikum erstmals als Schauspiel-Regisseurin vor. Im Musiktheater setzt man auf Bekanntes und Bewährtes und spart dabei aktuelle Komponisten ebenso aus wie das komplette 20. Jahrhundert. Die Operette gibt's dafür gleich doppelt, mit der "Czardasfürstin" und einem Gala-Abend. Da führt der Intendant höchstpersönlich Regie, wie auch bei "Carmen". Donizettis fröhlicher "Liebestrank" fehlt ebenso wenig wie Wagners "Fliegender Holländer", für den Regisseur Matthias Kaiser aus Saarbrücken kommt, dessen "Otello" ein Glanzstück der letzten Theater-Jahre war. Franz Grundheber wird bei zwei Vorstellungen gastieren. Trotzdem ein unübersehbarer Trend zur Verflachung? Da widerspricht Gerhard Weber und verweist auf die Händel-Oper "Alcina", die den "Risiko-Platz" belege. Nicht ohne Risiko auch die erste Spielzeit des neuen Ballett-Chefs Sven Grützmacher. Er eröffnet mit einem Tanzstück über den Chansonnier Jacques Brel und legt mit "Judas" zu Bach-Musik nach. Aktuell wird es im Studio: Jugendgewalt steht im Mittelpunkt von Lars Noréns "Kälte", um gnadenlosen Job-Konkurrenzkampf geht es in Jordi Galcerans "Grönholm-Methode", die mit dem Luxemburger Kapuzinertheater koproduziert wird. Zwei aktuelle Jugend-Stücke sollen mit der Theaterpädagogik durch die Schulen der Landkreise touren. Unbeschwertes dagegen für die Kinder: Der "Kleine König Kalle Wirsch" tobt durchs "Weihnachtsmärchen"."Paradise of Pain" als höllisches Musical

Das "unverzichtbare" (Weber) Musical kommt diesmal aus Saarbrücken. Frank Nimsgerns höllisches Pop-Rock-Funk-Spektakel "Paradise of Pain" wird von Regisseur Holger Hauer für Trier neu zugeschnitten, unterstützt von Gast Guildo Horn. Und im Szene-Club "Forum" erlebt die Tango-Oper "Azrael" ihre deutsche Erstaufführung. Ein Knaller dürfte die erste Zusammenarbeit des Theaters mit dem Festival "Tatort Eifel" werden: Ein Eifelkrimi von Jacques Berndorf wird für die Bühne eingerichtet. Premiere wird dann nicht in Trier sein, sondern im Forum Daun. "Ein ganz klares Signal an unsere Partner in der Region", sagt Intendant Weber.