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Trier: Von der Macht der Musik

Trier : Von der Macht der Musik

Das Kinderkonzert im Trierer Theater hat die Fantasie und Vorstellungskraft von über 500 Kindern und ihren Eltern auf das Schönste strapaziert.

Elena aus Konz ist sechs Jahre alt und mit ihren Eltern Johannes und Marie zum ersten Mal bei einem Konzert im Großen Haus des Trierer Theaters; entsprechend überwiegt die Skepsis ihre Vorfreude: „Ich weiß nicht, ob ich die ganze Zeit still sein kann“, sagt sie am Sonntagvormittag vor dem Konzert des Philharmonischen Orchesters in der Reihe „Family Classics“. Es gibt das russische Märchen „Iwan und der Feuervogel“, und Elena weiß noch nicht, dass es bei diesen Konzerten meistens ziemlich lebhaft zugeht. Es ist jedoch erstaunlich, wie sehr die (klassische) Musik – kindgerecht präsentiert – die Kinder immer wieder in ihren Bann zu ziehen vermag. Manchmal könnte man auch an diesem 1. Mai die sprichwörtliche Nadel fallen hören. Wouter Padberg ist der wahre Kinder-Mann des Hauses (Ex-Intendant Heinz-Lukas Kindermann – der gerade hier die Zauberflöte inszeniert – steht am Eingang und verteilt Flyer). Der erste Kapellmeister ist selbst Vater und schafft es mit seiner einfühlsamen und witzigen Art, die Kinder in solchen Konzerten zu begeistern. Diesmal gibt es zu der großartigen Musik von Igor Strawinsky und Claude Debussy ein getanztes Märchen. Luiza Braz Batista, Paul Hess, Robert Przybyl vom Ballettensemble und Opernsänger Bonko Karadjov erzählen die Geschichte um verschmähte und erfüllte Liebe mit wenigen Worten, dafür mit einem Ausdruck und spielerischer Leichtigkeit, dass es Erwachsenen wie Kindern den Atem raubt. Dass die Kunst im Allgemeinen und die Musik im Speziellen eine solche Wirk-Macht hat und so unmittelbar die Herzen erreicht, ist zwar eine Binsenweisheit, aber den geführten Beweis zu sehen, gilt vielen als Bestätigung und Glück. Dabei gibt es einiges an Stille, an Unsicherheit, an Dramatik und Schmerz der Märchenfiguren auszuhalten. Das junge Publikum meistert diese Momente in andächtiger Stille.

Das Orchester spielt in großer Form und Formation, hauchzart im Pianissimo und pompös in den Tutti. Meist ist es zurückhaltende Begleitung, selten selbst Hauptdarsteller. Ein Höhepunkt ist der Auftritt von 17 Kindern der Keune-Grundschule als Tiere des Waldes, die zu Prinz Iwan sprechen. Insgesamt eine sehr aufwendige Produktion mit ausgefeilter Choreographie, Lichtregie, 3D-Animation und Video, für die das Ensemble selbst verantwortlich ist. Nach einer knappen Stunde strahlt dann auch Elena: „Das war toll!“ Jubelnder Applaus als Belohnung. Chapeau!

Nächster Termin: Sonntag, 27. Mai, 11 Uhr, „Beethoven: Große Musik für kleine Ohren“