Theatergeschichte(n): Von der Mosel an den Rhein

Theatergeschichte(n) : Von der Mosel an den Rhein

Die Welt ist klein. Die Welt des Theaters, obwohl doch so viel größer, noch viel kleiner. Anders ausgedrückt: Man begegnet sich immer zwei Mal im Leben. Mindestens.

Wenn nicht öfter. Sollte es einen Trierer Theateraficionado in der nächsten Spielzeit nach Neuss, genauer gesagt, ans dortige Rheinische Landestheater (RLT) führen, wird er sich erstaunt die Augen reiben. Die kenn ich doch! Den Namen habe ich doch schon gelesen!

Stimmt. Dass Caroline Stolz und Alexander May, die in der vorvergangenen Spielzeit wie Kai aus der Kiste als Nothelfer ans Theater Trier gekommen sind und das (sinkende) Schiff quasi im Handstreich wieder in ruhige Wasser gesteuert haben, ans Rheinische Landestheater nach Neuss gewechselt sind, ist auch an dieser Stelle ausführlich berichtet worden. Stolz als Intendantin und May als ihr Stellvertreter und Chefdramaturg haben ihre erste rheinische Spielzeit unter das Motto „Was ist Familie?“ gestellt. Und es gleich beim Wort genommen, will sagen, eine Wahlfamilie zusammengestellt, deren Mitglieder sie teils bei der Arbeit an der Mosel kennengelernt, kurzentschlossen adoptiert und in den Norden gelockt haben.

Wenn sie ihnen nicht zuvorgekommen sind wie Niklas Maienschein, der ebenfalls ans RLT gewechselt ist und den Trierern noch als Nick in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ und in der Titelrolle der Kasino-Produktion „Der Spieler“ bekannt sein dürfte.

Der zweite Mann in dem Dreipersonenstück damals war Benjamin Schardt, der seinen Kollegen nun in Neuss wiedertreffen wird. Die Theaterbesucher dort werden ihn in der Eröffnungspremiere der neuen Saison, „Streichholzschachteltheater“, kennenlernen, für die die Hausherrin persönlich verantwortlich zeichnet.

Regisseure sind in der Regel ja noch größere Wandervögel als die Leute, die allabendlich auf der Bühne stehen. Und deshalb sei nur am Rande erwähnt, dass Philipp Moschitz, der in Trier „Patricks Trick“ vorgeführt hat, die Struwwelpeter-Bearbeitung „Shockheaded Peter“ an seiner neuen Wirkungsstätte inszenieren wird.

Hinter den Kulissen wirken ebenfalls Menschen mit, die auch in Trier aktiv waren. Der Luxemburger Olivier Garofalo, der das Studententheater „Bühne1“ geleitet hat, wird im RLT als Dramaturg arbeiten, und der Fotograf Marco Piecuch die besten Momente einer Inszenierung für die Nachwelt festhalten (was er allerdings auch noch hier in Trier gelegentlich macht).

Und damit das Ganze auch an die Öffentlichkeit gelangt, braucht es einen Pressesprecher. Das ist ebenfalls ein alter Bekannter aus Trier: Von hier aus hat es Frank Orbons über Kaiserslautern nach Neuss geschafft und ist damit wieder näher an seine Heimat Köln gerückt.

Wer am RLT Neuss engagiert ist, darf übrigens kein Reisemuffel sein. Das Haus nennt sich selbst  „das größte reisende Schauspieltheater in Nordrhein-Westfalen“ – und nicht nur dort. Gelegentlich überschreitet es Grenzen etwa nach Rheinland-Pfalz, gibt aber auch Gastspiele in Österreich, der Schweiz und Luxemburg – dort zuletzt im vergangenen Februar in Ettelbrück mit einer Aufführung von Dürrenmatts „Physikern“.

Rainer Nolden

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