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Von der Opposition ins feste Lager

Von der Opposition ins feste Lager

Ursprünglich Protest gegen die beherrschende Kunstszene in Trier, heute etablierte Größe im zeitgenössischen Kunstangebot der Stadt: Diesen Bogen hat der Kunstverein Junge Kunst geschlagen - in einer im Kunstsektor beachtlichen Überlebenszeit von 25 Jahren. Am Wochenende wird gefeiert.

Trier. (ae) Wie blickt man auf 25 Jahre Bestehen eines Konstrukts zurück, das Züge eines Kunstvereins, einer Künstlervereinigung sowie einer Produzentengalerie vereint und sich noch nicht etablierten jungen Positionen und Ausdrucksformen verschrieben hat? Als die 60 aktiven Mitglieder des Kunstvereins Junge Kunst über eine Aktion zu ihrem Jubiläum berieten, war schnell klar, dass es nicht auf die naheliegende Schau "25 Künstler aus 25 Jahren" hinauslaufen würde.

"Wir haben uns stattdessen für `Rückspiegel, so etwas wie ein Bildnis entschieden", sagt Stefan Philipps, der dem Verein zusammen mit Britta Deutsch seit 2009 vorsteht. Dazu ist der Galerie-Raum mit den großen Schaufenstern in der Karl-Marx-Straße 90 vollständig verspiegelt und mit Lesestoff, Bildern und Videosequenzen aus dem letzten Vierteljahrhundert gefüllt worden.

"Man kriegt den Spiegel vorgehalten, das kann man in Erwartung einer klassischen Ausstellung als Provokation verstehen". Es sei aber eine kleine, räumt Philipps im Vergleich mit Spektakulärem aus früheren Jahren ein, als zum Beispiel Manuel Scholango ein Klavier vor der Galerie zertrümmerte. Provokationen kennzeichneten die Anfänge, waren sie doch auch aus Protest entstanden. 1985 hatte die Gesellschaft für Bildende Kunst bei ihrer Jahresausstellung noch nicht etablierte junge Künstler größtenteils ausjuriert. Gegen diese Ausgrenzung zogen Rainer Czech, Werner Müller, Sigi Feid, Bernd Sauerborn und Hartmut Weber mit der Gründung der Produzenten-Galerie "Kaleidoskop" zu Felde.

1991 wurde daraus der Förderverein Junge Kunst, 1995 der Kunstverein Junge Kunst. Er begründete die Trierer Kunsttage mit, initiierte den gemeinsamen Saisonstart Trierer Galerien und organisierte rund 200 eigene Ausstellungen im bis heute genutzten ehemaligen Kaleidoskop-Galerieraum. Das alles, wie Philipps betont, in gleichberechtigtem menschlichem Miteinander der Aktiven. Wichtiges Anliegen heute sei neben einem Bildungsauftrag die Öffnung nach außen, sagt er. Besonders pflege man regionale und überregionale Kontakte mit gleichgesinnten Institutionen. Auf diese Weise seien Kooperationen, wie aktuell eine mit einer Hamburger Galerie, und Ausstellungen von Künstlern der Großregion bis nach New York entstanden.

"Aber wir spielen nicht in der internationalen Großkunstliga, unser Radius ist schon durch das knappe Budget sehr begrenzt". Weitere kalte Brisen seien fehlender Nachwuchs von Künstlern, die wegziehen, um anderswo erfolgversprechend zu arbeiten, und eine Position in der Öffentlichkeit, die zwischen Nichtwahrnehmung und Kritik pendele. "Aber das ist uns wurscht", resümiert Philipps, " wir sind da und machen was, aus ernsthaftem Interesse an Kunst und Kunstvermittlung - 25 Jahre sprechen für sich".

Extra

Die Jubiläumsausstellung wird heute (27. August) mit einer Feier um 19 Uhr in der Galerie Junge Kunst, Karl-Marx-Straße 90 in Trier, eröffnet und ist am Samstag, 28., und Sonntag, 29. August, jeweils von 11 bis 17 Uhr zu sehen. (ae)