Von Dublin ins Sauertal - Die ungewöhnliche Karriere der Grand-Prix-Sängerin Meike Garden

Von Dublin ins Sauertal - Die ungewöhnliche Karriere der Grand-Prix-Sängerin Meike Garden

Sie war 14, als sie Deutschland beim Grand Prix Eurovision vertreten durfte. Jetzt ist sie 39, lebt in der Nähe von Trier, hat gerade eine neue CD veröffentlicht - und viele Pläne. Solo am Klavier: So will Meike "Maxi" Garden die Musikwelt noch einmal erobern.

Trier. Hexennacht 1988 im altehrwürdigen Pavillon der Royal Society zu Dublin. An diesem Abend gewinnt Celine Dion den Grand Prix Eurovision und startet eine Weltkarriere. Mehr als 30 Prozent der Fernsehzuschauer im westlichen Teil Deutschlands schauen via Bildschirm auf die in blaues Neonlicht getauchte Bühne. Zwei weiße Flügel, ein großer und ein kleiner, daran zwei Frauen, denen man erst bei der Nahaufnahme ansieht, dass es sich nicht um Schwestern, sondern um Mutter und Tochter handelt.
Chris und Maxi Garden aus Hessen singen als deutsche Vertreter ihr "Lied für einen Freund", typische Ralph-Siegel-Ware, gehobene Schnulze, routiniert arrangiert. Am Ende steht Platz 14, aber auch eine mehrjährige Karriere in deutschen Hitparaden und Fernsehshows. Besonders die 14-jährige Maxi, die eigentlich Meike heißt, wird mit Liedern wie "Frieden für die Teddybären" oder "Jungs sind doof" ein kleiner Publikumsliebling.
Zeitsprung ins Jahr 2013. Ein komfortables Wohnzimmer mit Riesen-Kamin, Beethoven-Büste, kuschligem Sessel und einem Flügel, der ein paar Nummern größer ist als seinerzeit in Dublin. Wer Meike Garden in dem kleinen deutschen Grenzort an der Sauer besuchen will, braucht gute Ortskenntnisse oder ein Navi. Dabei rauscht nebenan die Autobahn Trier-Luxemburg über die Sauertalbrücke. Die Sängerin ist gerade in einer Kreativ-Phase, will heißen: Sie bastelt an neuen Liedern. "Das lässt sich nicht konstruieren, die Töne müssen fließen", sagt sie und spielt eine gerade entstandene Melodie an.Leichtigkeit und Melancholie


Meike Garden mag auch gepflegte Cover von Sängerinnen, die auf ihrer Wellenlänge liegen, Katie Melua etwa, Edith Piaf oder Ulla Meinecke. Aber das Herzstück ihrer CD sind eigene Lieder, echte Songwriter-Perlen mit einer hauchzarten Mischung aus Leichtigkeit und Melancholie. Ohne Band, ohne große Arrangements, so pur wie packend.
Es waren lange Lehr- und Wanderjahre, bis sie lernte, auf ihre eigene Kraft zu vertrauen. Nach der Zeit als Kinderstar ("Ich bin bis heute dankbar für alles, was ich da erleben durfte") machte sie Abi, dann eine Ausbildung als Malerin und Wandgestalterin. Als sie merkte, dass es ohne Musik nicht ging, studierte sie Musicalgesang, trat in Wien neben Rainhard Fendrich in dessen Musical "Wake up" auf. Sänger-Jobs aller Art, eine Girls-Band in Österreich, Kreuzfahrten über alle Weltmeere: kein schlechtes Leben für einen echten Wandervogel. "Ich bin 15-mal umgezogen", erzählt Meike Garden, "ich habe es nie lange an einem Ort ausgehalten". Was sie brauche, sei "ein Klavier, ein Bett, ein Zimmer".
Dass ihre verschlungenen Pfade auch nach Trier führten, war eher Zufall. Im Chat noir am Kornmarkt suchte man im Frühjahr 2010 eine Entertainerin für eine Variété-Show. Die Show blieb nicht lange, Meike Garden schon. Einerseits wegen der künstlerischen Kontakte zur Trie rer Musikszene, die in einem denkwürdigen, vom OK 54 dokumentierten Konzert in der Tufa gipfelten. Andererseits aber auch aus Liebesgründen. In Sachen Beziehungen hat sich seither einiges geändert, beim Standort in der Region aber nicht. Sie lebt inzwischen in der Sauer-Idylle mit einem Kollegen aus dem Unterhaltungsgeschäft zusammen.Tufa-Konzert am Samstag


Vielleicht war das auch die Basis dafür, nach einem Vierteljahrhundert im Künstlerleben klar Schiff zu machen. Keine Band mehr, hinter der man sich verstecken kann. Keine einträglichen Brot-Jobs für ein desinteressiertes Publikum. "Ich habe keine Lust, für Leute zu spielen, die nicht zuhören", sagt sie entschieden, "ich verkaufe mich nicht". Dass es ein schwieriger Job wird, als Songwriterin einen Platz am umkämpften Musikmarkt zu erobern, ist ihr durchaus klar.
Und wenn nicht? "Na und", entgegnet Meike Garden, "dann kommt halt etwas anderes". Musical vielleicht, oder Theater. Oder die Malerei, die derzeit noch ein Dasein als Hobby fristet. Aber schade wäre das schon.
Meike Garden solo, Tufa Trier, großer Saal. Samstag, 30. November, 20 Uhr. Karten an der Abendkasse.

Mehr von Volksfreund