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Von Fußballzicken und Kickerbräuten

Von Fußballzicken und Kickerbräuten

Im Rahmen des Event- und Kunstprojekts der Europäischen Kunstakademie zur Frauenfußball-WM zeigt der Trierer Künstler Bernd Sauerborn eine Ausstellung mit dem Titel "Ballkünstlerinnen". In ironischen Überzeichnungen von Frauen- und Fußballklischees beleuchtet er darin das immer noch krankende Image des Frauenfußballs.

Trier. Bunte, aus Sammelstücken wie alten Kickerspielen, historischen und aktuellen Fanartikeln, Trikots, Kirchengewändern und Kinderwagen gefügte Arrangements empfangen Besucher der Ausstellung "Ballkünstlerinnen". Und die sind teilweise so skurril, dass sie erst einmal zum Schmunzeln reizen: Hier hockt eine Frauenfigur in Fußballkluft mit Wurzelbürste auf dem Boden vor einem Trikot, auf dem zu lesen ist "Männer, die putzen mer weg".
Topflappen in Fußballoptik


Dort lehnt eine in Nationaltrikot Gekleidete auf dem Sofa und häkelt Topflappen in Fußballoptik. Bewusst setzt Bernd Sauerborn auf ironischen Humor, schließlich taugt der gut als Brücke zu eigentlich ernsten Fragen. Welche Rolle spielen Frauen im Fußball sowohl als Aktive wie auch als Fans? Wie wird das Frauenfußballimage von Männern, aber auch den Frauen selbst geprägt? Krankt es nicht zuletzt daran, dass in männlichen wie weiblichen Hirnen immer noch Klischees aus der - übrigens am Anfang der Ausstellung platzierten - Mottenkiste verankert sind? Solche wie: Was sollen Frauen mit einem so unweiblichen Sport, ihre Domänen sind doch Kinder, Küche und Kirche. Bernd Sauerborn schlachtet sie genüsslich und symbolbeladen aus. Kein Detail, das dem Zufall überlassen wäre, keins, das keine Aussage hätte.
Ob sich Spießigkeit als Kopfschmuck aus Rehwild-Gehörnen zeigt, ein Kicker-Schuh sich nur einem Fuß der jungen Mutter als Option anbietet oder Bunny-Ohren und Strumpfbänder im Sportlerinnen-Outfit auf fragwürdiges Sexappeal verweisen - klar wird, es gibt noch viele Hemmschuhe auf dem weiblichen Weg zu einem ebenbürtigen Platz im Fußballhimmel.
Aber dabei geht es ja schließlich um nichts weniger als den gleichberechtigten Stand im diesbezüglich schwierigen Feld einer Religion - auch das zeigt die Ausstellung augenzwinkernd.
Immerhin hat eine von "Heiligenbildern" mit männlichen Fußballspielern umgebene Frauenfigur schon mal das Priestergewand an, auf dem Altar liegt jedoch der WM-Ball von 1954. Wann dort der Platz findet, der den deutschen Frauen 2003 erstmals zum Weltmeistertitel verholfen hat?
Die Ausstellung "Ballkünstlerinnen" ist bis zum 17. Juli in der Kunsthalle der Europäischen Kunstakademie Trier dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr und je eine Stunde vor dem Public-Viewing der Spiele mit deutscher Beteiligung zu sehen. Zusätzlich bietet die Akademie im Rahmen des Kunstprojekts eine Panini-Tauschbörse am Samstag, 9. Juli, um 16 Uhr, einen Kinder-Kunstworkshop "Wie kommt der Fußball auf den Kopf" vom 11. bis 15. Juli, Anmeldung unter www.pink-painter.de, sowie eine Kinder-Fußball-Modenschau am Freitag, 15. Juli, um 14 Uhr.