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Von leeren Kassen und engagierten Bürgern

Von leeren Kassen und engagierten Bürgern

Auch wenn er das Trierer Theater nicht kannte, Goethe hat mal wieder recht: "Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles", auch in der Wirtschaftsgeschichte des Trierer Theaters.

Trier. Das waren noch Zeiten, als die Trierer Stadtoberhäupter angesichts der leeren Stadtkasse das benötigte Geld fürs Theater aus der eigenen Tasche vorlegten, so wie 1816 Oberbürgermeister Anton Joseph Recking. Zugegeben: die Aktion des spendablen Stadtchefs dürfte ein Einzelfall gewesen sein. An der Tagesordnung blieb dagegen bis heute der ewige Ärger mit dem lieben Geld und der Bestandssicherung.
"Von Anfang an war Kampf um Triers Theater", klagte Intendant Hellmuth Götze 1927 in einer Festschrift. Tatsächlich ist die Geschichte des Trierer Theaters von Anfang an eine endlose Folge von Mangelverwaltung, unaufhörlichen Auseinandersetzungen um benötigte Mittel und einem erbittertem Kampf ums Überleben. Und ein wenig unfreiwillige Komik ist auch dabei. Manch ein Prinzipal machte sich klammheimlich mit der Kasse aus dem Staub. Aus Angst vor Diebstahl durfte - laut Vorschrift - zuzeiten das fahrende Volk der Schauspieler seine Habe nur unter Aufsicht zusammenpacken.
Erfolglos blieb auch das Bemühen der Stadt um einen staatlichen Zuschuss ihres inzwischen preußischen Landesherrn. Als Gegenleistung sollte Friedrich Wilhelm III. eine eigene Königsloge bekommen. Das königliche Haupt war auch mit Exklusivität nicht zu ködern und winkte ab. Allerdings ist die Geschichte des Theaters nicht nur eine Geschichte wirtschaftlichen Mangels. Es ist auch die eindrucksvolle Geschichte tatkräftigen bürgerlichen Engagements, das immer wieder bereit war, aus eigener Initiative Kapital bereitzustellen, um das Theater zu retten.
Ein Geschenk an die Stadt


Schon 1816 wurde für das Theater eine erste Betreibergesellschaft als Aktiengesellschaft gegründet. Das Kapital der Gesellschaft für die Verwaltung des Theaters Trier brachten die bürgerlichen Aktionäre auf. Trotz Kapitalerhöhung musste die Gesellschaft bereits 1826 wegen Geldnot abgewickelt werden. Wenig später wurde das Theater geschlossen, das Inventar versteigert, der Theatersaal als Ballsaal oder für Gastspiele vermietet. Die Misere hatte übrigens gleich mit dem ersten Pächter Theodor Schaack angefangen (siehe Text oben). Wegen nicht erfüllter Verpflichtungen war er 1804 per Zwangsräumung vor die Tür gesetzt worden. Kaum hatte die Stadt das Haus als Pächterin übernommen, folgten jahrelange Streitereien mit der Domänenverwaltung der französischen Besatzungmacht. Zudem machte das Theater gleich im ersten Halbjahr gewaltige Defizite.
1811 wurde der Stadt schließlich das Gebäude geschenkt. Künftig musste unterhalten werden, was vorher lediglich zu bespielen war. Die Zeiten blieben hart. 1853/54 musste das Theater wegen seines heruntergekommenen Zustandes ganz geschlossen werden. Da konnte auch die Kunst nicht mehr wärmen, wie ein verschnupfter Kritiker berichtet: "Die Oper ließ uns so kalt wie das ungeheizte Lokal." Und wieder machten sich die Bürger für ihr Theater stark. 1863 gründeten sie eine Theaterbaugesellschaft, die der Stadt gegen einen Zinssatz von vier Prozent das benötigte Kapital für einen großzügigen Umbau zur Verfügung stellte. 1865 konnte wieder gespielt werden.
Seit 1919 führt die Stadt das Theater in eigener Regie. Die vertrackten Geldprobleme blieben die alten, auch als längst ein stattlicher staatlicher Zuschuss positiv zu Buche schlug. Konnte zum letzten Mal 1951 die drohende Schließung abgewendet werden, so ging kurz nach der Eröffnung des Neubaus am Augustinerhof schon wieder die Angst um: "Können wir das Drei-SpartenHaus erhalten?" Vorerst scheint der Bestand gesichert. Der Aufruf von 1951 gilt trotzdem weiter: "Bürger Triers rettet euer Theater!"