Von Lust und Leid der Liebe

Von Lust und Leid der Liebe

PRÜM. Vernarbende Wunden, zarte Liebesbande und Leidenschaft über den Tod hinaus: Ulla Hahn hat am Freitagabend im Prümer Haus der Kultur vor 250 Besuchern aus ihrem neuen Erzählband "Liebesarten" gelesen.

Ein Griff in die Tasche. Ulla Hahn zieht ein Arzneimittelfläschchen hervor, schluckt ein paar Tropfen ihres Erkältungsmittels, um ihre Halsschmerzen vor der Lesung in Prüm zu bekämpfen. Währenddessen berichtet Initiator Josef Zierden stolz, dass das Fachmagazin "Buchreport" sein Eifel Literaturfestival zu den 20 wichtigsten in der deutschen Kulturszene zählt. Kurz bevor Ulla Hahn von Lust und Leid der Liebe liest, aus männlicher oder weiblicher Perspektive, selbst aus der Sicht einer liebenden Motte, verschwindet sie noch einmal, um ihre Stimmbänder für die Lesung zu präparieren. Mit knallroten Pumps, die ebenso rot sind wie die auf dem Einband ihres neuen Erzählbands "Liebesarten" schreitet die zierliche Frau auf die Bühne. Ihre zarten Hände mit feingliedrigen Fingern umgreifen das Buch, das die knallroten Schuhe zeigt. Hin und wieder greift sie mit der Hand auch nach ihrem Hals, der offensichtlich trotz der Tropfen schmerzt. Mit zarter, aber dennoch gut vernehmbarer Stimme beginnt sie, die Erzählung "Zugspitze" zu lesen. Diese widmet sie "zwei lieben Freunden", die in der ersten Reihe sitzen, ihr Bruder und dessen Frau, die an der einen oder anderen Stelle verschmitzt lächeln. Die 250 Zuschauer lauschen der Erzählung in andächtiger Stille. Die Protagonistin, die ein Häuschen im Norden Deutschlands bezogen hat, verarbeitet ihre Scheidung, die Wunden der Trennung vernarben gerade. Die Übersetzerin befindet sich noch in dem Stadium, in dem sie bei allen Paaren, die auf den ersten Blick glücklich scheinen, Wunden und Verletzungen wittert. Dann lernt sie "ihr Paar" von gegenüber kennen, das ihr durch die innige Verbundenheit Stück für Stück das Gefühl zurückzugeben vermag, dass es auch Beziehungen ohne Wunden und Narben gibt. Das Ende des schönen Scheins

Als sie ein gutes Jobangebot bekommt, verlässt sie ihr Häuschen. Um ihre "innere Genesung" durch eine "Runderneuerung der Fassade" auch nach außen hin sichtbar zu machen, gönnt sie sich ein paar Tage in einem Wellness-Hotel. Dort trifft sie zufällig die Putzfrau der Siedlung. Mit den Worten "Wenn Sie wüssten..." kündigt sie die Neuigkeiten vom Tode des Mannes an. Durch diesen kam heraus, dass die harmonische, nahezu perfekte Verbindung nur Schein war. Wenn Ulla Hahn auch ihre Stimme bei der rund einstündigen Lesung mit Witz und Tiefe schont, beansprucht sie doch andere Körperteile anschließend um so mehr: Geduldig beantwortet sie bei der Autogrammstunde Fragen und befriedigte alle Autogrammwünsche der Leser, die die zu signierenden Bücher teilweise in prall gefüllten Taschen anschleppen und vor ihr auftürmen. Es gibt noch Karten für die Lesungen von: Friedrich Christian Delius, Freitag, 13. Oktober, 20 Uhr, im Kloster Himmerod, Alte Mühle, für Peter Hahne, Dienstag, 24. Oktober, 19 Uhr, in Prüm, Aula der Hauptschule und Alice Schwarzer, Freitag, 10. November, 20 Uhr, Prüm, in der Aula der Wandalbert-Hauptschule. Kartenreservierung unter Tel.: 06551/2489 oder online www.eifel-literaturfestival.de

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