Von mystisch bis kosmisch – das Opening 20 in Trier

Festival : Von mystisch bis kosmisch – das Opening 20 in Trier

Das Internationale Festival für Aktuelle Klangkunst ist beim Publikum in der Tuchfabrik auf großes Interesse gestoßen.

Einen absoluten Besucherrekord trotz Sturmtief Sabine erzielte das Opening 20. Eindrückliche 1100 Freunde Neuer Musik interessierten sich für die Jubiläumsausgabe des Internationalen Festivals für Aktuelle Klangkunst der Stadt Trier. Wobei in die Besucherzahl die 150 Schüler eingerechnet sind, für die das wegen des Sturms ausgefallene Konzert am Dienstag nachgeholt wird. Neben den regulären Konzertbesuchern hatten sich zudem 200 weitere Schüler im Klangbus eingefunden. Ausfallen musste lediglich witterungsbedingt eine Schulveranstaltung des japanischen Gagaku-Ensembles. Doch der Reihe nach.

Zwanzig Jahre wurde das Opening in diesem Jahr alt (der Volksfreund berichtete). Viel Lob für die geleistete Arbeit gab es gleich zur Eröffnung vom Schirmherrn: Kulturminister Konrad Wolf. „Das Internationale Festival für Aktuelle Klangkunst ist mit seinem nun schon 20 Jahre bestehenden Programm zu einer Visitenkarte für ein anspruchsvolles und hochinnovatives Kulturprogramm in Trier geworden“, erklärte der rheinland-pfälzische Minister. Der Mainzer Kulturpolitiker hob die Bandbreite des Programms hervor, die von Ausstellungen über Konzerte, Uraufführungen und Performance bis zu Schülerveranstaltungen reiche. „Neue Musik hat ihren Platz in Trier“, bestätigte der Trierer Kulturdezernent Thomas Schmitt.

Als ein freundliches wie freundschaftliches Festival abseits der Musikszene der Zentren und ihres Musikmarktes würdigte Festredner Georg Beck das Geburtstagskind. Freundlich (auch im Umgang mit den Ohren) und vielfältig ging es tatsächlich auch diesmal an dem durch den Donnerstagabend verlängerten Wochenende zu, dazu ausnehmend qualitätvoll. Innovation stand dagegen eher zurück.

Als Prolog machten die reinen, himmelwärts strebenden Stimmen des Ensembles Vox Nostra mit ihren mittelalterlichen Gesängen und dem geradezu mystischen Klang der Steinharfe den hohen Raum der Viehmarktthermen zu einem geradezu sakralen Ort. Kosmisch wurde es in Karlheinz Stockhausens berühmtem „Mantra“. Die 1970 in Donaueschingen uraufgeführte Komposition für zwei Klaviere, Radio und anderes geriet zum absoluten Höhepunkt des Festivals.

Hocheindrucksvoll machte der spannende Dialog der beiden Pianistinnen Itxaso Etxeberria und Xi Chen, unter der Klangregie von Emanuel Wittersheim, die aus der Formel des musikalischen Mantras abgeleitete Vielfalt in der nahezu geschlossenen Form des gewaltigen Stücks hörbar. Hochpoetisch verbanden sich Klang, Bild und Bewegung in der Performance „Zwei Halbmonde“ von Gerhard Stäbler und Kunsu Shim , an der auch koreanische Studenten der Duisburger Winterakademie beteiligt waren. Überhaupt war die Beteiligung asiatischer Künstler diesmal prägnant. Zur Mittlerin der Stimme, von Flüstern und Schreien, von Stille und lärmender Ekstase wurden die Klarinette und andere Instrumente der Koreanerin Heni Hyunjung Kim, die neben anderem eine feinsinnige Uraufführung einer kleinen Komposition von Bernd Bleffert präsentierte.

Auf dem Musiktheater lag der Schwerpunkt des Festivals. Gleich zur Eröffnung trat das japanische Gagaku-Ensemble mit einer historisch feudalen Huldigungsszene auf. Einmal mehr präsentierte es sich sonntags. Mehrfach waren die Festival-Gründer Katharina Bihler und Stefan Scheib vertreten. Als Liquid Penguin Ensemble reflektierten sie heiter lyrisch das Zahlensystem. „Das Gras wachsen“ hörte das Ensemble tags darauf zur Freude seiner großen und kleinen Besucher. Überdies wurde die Klanginstallation „Wer spricht“ der Open Expo Klangkunstausstellung von den beiden Künstlern gestaltet. Das Publikum habe Angst vor zeitgenössischer Musik klagte Walter Reiter.

Als letztes Konzert vor seinem Ruhestand war der Dirigent mit seinem JugendEnsembleNeueMusik zum Festival gekommen. Das spielte mit packender Spielfreude und technischer Brillanz. Mit den Kompositionen von Arvo Pärt, David Lang und anderen, präsentierten sie allerdings nichts Neues , sondern bestens Vertrautes. Überhaupt blieb das Opening 20 ein Festival ohne Risiken und Nebenwirkungen, so freundlich wie die ganze Atmosphäre.

„Ich finde es hier toll“, sagt eine Besucherin, die jährlich aus der Schweiz anreist. „Wenn man hier hereinkommt, ist man sofort entschleunigt“. Schon wahr. Allerdings fehlt es dem wohltemperierten Programm nicht erst seit diesem Jahr auch ein wenig an jener musikalischen Reibung, aus der sich neue Funken schlagen lassen.

Erstmal herrscht jedenfalls allerorts Freude angesichts des diesjährigen Zuspruchs. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt Teneka Beckers. Die Chefin der ausrichtenden Tufa hat vor allem das Musiktheater angesprochen. Über das gelungene Miteinander von Künstlern und Publikum freut sich Bernd Bleffert, der mit Thomas Rath die künstlerische Leitung hatte „Das Wichtigste für mich ist die Begegnung“.