Von unterhaltsam bis verführerisch

Mit einem Ensemble der Landesstiftung Villa musica war seltener musikalischer Besuch zu Gast in Prüm. Zwei Dozenten und insgesamt sieben Stipendiaten boten dem Publikum einen Konzert-Abend, der unter die Haut ging.

Prüm. (gkl) Großes Theater hatte die Villa musica zu ihrem Kammerkonzert im Regino-Gymnasium nach Prüm mitgebracht. Theater für ein Kammerkonzert? Ja, denn "L'historie du Soldat" von Igor Strawinsky ist ein Werk für Musiktheater, bei dem die Geschichte eines Soldaten erzählt wird, der seine Geige an den Teufel verkauft.

Als Gegenleistung bekommt er ein Zauberbuch, das ihn reich macht. Die Geige steht als Synonym für Glück, für die Seele des Soldaten, für sein Ich. Die Textgrundlage von Charles Ferdinand Ramuz ist auch heute noch brandaktuell.

Sieben Musiker und ein Sprecher reichten in Prüm aus, um die Eindringlichkeit, die Not und das Elend des Soldaten in einer Form darzustellen, die wahrlich unter die Haut ging. Es war gut, dass die Villa für die Erzählerrolle mit Boris Weber auf einen professionellen Schauspieler zurückgegriffen hatte, der seine verschiedenen Rollen mit Glaubwürdigkeit zu füllen wusste. So wurde die Erzählung zu einem adäquaten Part zur Musik, die durch das Septett einen großartigen Sachwalter fand.

Ausdrucksstarke Klangsprache



Angeführt wurde das Ensemble durch die Dozenten Nicolas Chumanchenco (Violine) und Diego Chenna (Fagott). Ihnen zur Seite standen Hannah Gröschl (Klarinette), Paul Hübner (Trompete), Michael Hufnagel (Posaune), Alexis Scharff am Kontrabass und der Schlagzeuger Michal Pawlowski.

Was dieses Ensemble zu bieten hatte, war ein Bild größtmöglicher Geschlossenheit, nahezu perfektes Zusammenspiel und beeindruckender Durchdringung des musikalischen Inhaltes. Beim "Triumphmarsch des Teufels" konnte man förmlich die hämische Fratze des Verführers im Raum stehen sehen, um nur ein Beispiel für die Ausdruckskraft der Musiker zu nennen.

Mit der Suite für Kammerorchester von Erwin Schulhoff hatten die Musiker ein Septett für den zweiten Teil des Abends vorbereitet. Dort herrschte natürlich, diesmal mit der Geigerin Laura Zarina und Evelin Böckling am Schlagzeug, eine ganz andere, unterhaltsame Klangsprache vor. Schon der eröffnende Ragtime ließ die Füße zucken, der Tango war verführerisch und der Jazz am Ende überbordend.

Einziger Wermutstropfen des Abends waren die wenigen Konzertbesucher, die das Programm anlocken konnte. Davon aber ließen sich die Musiker - und auch das ist Anerkennung wert - nicht beeinflussen. Sie haben trotzdem Großartiges geleistet.

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