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Vor lauter Verdi und Wagner fast vergessen

Vor lauter Verdi und Wagner fast vergessen

Zum ersten Mal hat Kapellmeister Joongbae Jee die Musik für ein Trierer Sinfoniekonzert selber zusammengestellt. Für das 2. Sinfoniekonzert (Donnerstag, 17. Oktober, 20 Uhr, Theater Trier) ist ihm dabei auf Anhieb ein spannendes Programm gelungen.

Trier. "Das Programm habe ich zusammengestellt". Joongbae Jee sagt es leise und ziemlich beiläufig. Dabei hat der Erste Kapellmeister am Trierer Theater für das zweite Sinfoniekonzert gleich mehrere Aspekte überzeugend zusammengefasst: ein Jubiläum, die unbekannte Fassung einer bekannten Sinfonie, dazu mit der "WAPS"-Ouvertüre von Vaughan Williams eine farbenreiche, illustrative Musik und all das mit deutlichem Bezug zu Großbritannien - "very British" eben.
Zum Beispiel das Violinkonzert op. 15 von Benjamin Britten, dessen 100. Geburtstag vor lauter Verdi- und Wagner-Feiern in der Öffentlichkeit fast vergessen wurde. In diesem frühen Werk von 1939 klingen Beethoven mit und auch Prokofjew. Aber Jee macht vor allem auf die abschließende Passacaglia aufmerksam - und dessen Nähe zur Brittens großem Vorbild, dem "Orpheus Britannicus" Henry Purcell. Solistin Ye-Eun Choi, gerade mal Mitte 20, könnte sich überdies noch als Shooting-Star der internationalen Geigerinnen-Szene erweisen. Immerhin wurde sie von Geigen-Königin Anne-Sophie Mutter entdeckt und entschieden gefördert. "Mutter ist meine zweite Mutter", sagte Choi - banal, aber zutreffend.
Und dann Mendelssohns 3. Sinfonie, der man später den Beinamen "Schottische" gab, und die in einer älteren, Londoner Fassung. Der Hinweis dazu kam von der Konzertmeisterin des Leipziger Gewandhausorchesters - wie Jee stammt sie aus Korea. Auch wenn die Unterschiede zur letzten, 1842 in Leipzig uraufgeführten Fassung eher unauffällig sind, die Aufführung lohnen sie allemal. "Es ist ein Glücksstück", sagt Jee zu dieser Sinfonie. Und kündigt an, Stellen, die normalerweise langsamer ausgeführt werden, streng im Grundtempo zu behalten. Dabei kann er sich auf den Komponisten berufen. "Der Meister hielt vor Allem auf strenge Tactobservanz. Kategorisch verbot er jedes nicht vorgeschriebene Ritardando" schrieb Mendelssohns Freund Robert Schumann in einer Rezension. mö
Extra

Zweites Sinfoniekonzert, Donnerstag, 17. Oktober, 20 Uhr im Trierer Theater. Werke von Vaughan Williams, Britten und Mendelssohn. Solistin: Ye-eun Choi, Violine. Philharmonisches Orchester Trier, Leitung Joongbae Jee. mö