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Vorschau Sinfoniekonzerte Spielzeit 2018/19

Kultur : Zäsur bei den Trierer Philharmonikern

Erstmals hat Triers neuer Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach sein Konzertprogramm vorgestellt. Der Nachfolger des erfolgreichen Victor Puhl tritt in große Fußstapfen.

Ein erfolgreicher Vorgänger ist für einen Generalmusikdirektor stets eine Herausforderung. So jedenfalls dürften die Dinge beim künftigen Trierer GMD Jochem Hochstenbach stehen. Der Niederländer, der vom Theater Luzern kommt, tritt die Nachfolge von Victor Puhl an und wird zweifellos an dessen Verdiensten gemessen. Unter solchen Umständen für sich und das Orchester ein eigenständiges Profil zur erarbeiten und dabei die Trierer Konzertbesucher weder zu verärgern noch zu langweilen, ist zweifellos nicht einfach. Indessen lässt sich dem Konzertprogramm 2018/2019 ablesen: Hochstenbach nimmt die Herausforderung an.

Gleich im ersten Sinfoniekonzert erprobt er die heikle Balance zwischen eigener Profilierung und Anpassung ans Publikum. Haydns Pariser Sinfonie 86 und die Zweite von Brahms appellieren zweifelsohne ans konservative Gemüt. Aber dazwischen stellt Hochstenbach das Violinkonzert, das György Ligeti in den Jahren 1990/1992 für Saschko Gawriloff schrieb und das mit der Einbeziehung von Mikrotönen zu den intellektuell anspruchsvollen Kompositionen der Moderne gehört. Andere Akzente setzt das dritte Sinfoniekonzert. Mit Musik von Bach, Vivaldi und Telemann konzentriert sich das Programm auf die Barockzeit. Und mit Wolfgang Katschner steht ein Musiker am Dirigierpult, dessen Berliner „Lautten Compagney“ sich mit Alter Musik ein beachtliches Renommee erspielt hat.

Weitere Schwerpunkte im Programm sind die Zweite von Rachmaninow (fünftes Konzert), die dritte Sinfonie des schwedischen Klassikers Franz Berwald (siebtes Konzert), Beethovens „Eroica“ (sechstes Konzert),  Weberns Orchestervariationen op. 30 und Mahlers Erste (beide achtes Konzert). Im zweiten Sinfoniekonzert begibt sich der Opernchor mit Mozarts Requiem auf ein Terrain, das in den vergangenen Jahrzehnten den Trierer Konzertchören vorbehalten blieb.

Katschner ist übrigens nicht der einzige Gastdirigent der kommenden Saison. Im siebten Konzert (Jukka Linkola, Mozart, Franz Berwald) übernimmt die junge Chinesin Yi-Chen Lin den Dirigierstab. Außerdem steht im vierten Sinfoniekonzert (Fauré, Milhaud, Busoni und Strawinsky) erneut Triers Erster Kapellmeister Wouter Padberg am Pult. Dirigent in den Sinfoniekonzerten Nummer eins, zwei, fünf, sechs und acht ist indessen Jochem Hochstenbach.

Die erfolgreiche „Weltmusik“ heißt unter Hochstenbach jetzt modisch „Mixed Zone Konzerte“. Die Reihe lockt mit den Titeln „Metropolis“ „China Moses“ und „Bossarenova Trio“. Der GMD wird selber dirigieren, hat aber nach eigenem Bekunden schon Kontakt zu Victor Puhl aufgenommen, um ein Gastdirigat zu verabreden – vielleicht in der übernächsten Spielzeit. Die vier Familienkonzerte haben unter anderem „Pinocchio“ und „Dornröschen“ im Programm. Für „Klassik um 11“ wurde das stilistische Spektrum erweitert, und zwar um klein besetzte Romantik und Moderne, beispielweise Dvoraks d-Moll-Serenade oder das „Concertino Carintico“ von Gottfried von Einem. Neu bei den Sonderformaten ist das „Scratch-Konzert“, ein Mitmachkonzert (11. Mai 2019). Einen Tag lang werden große Opernchöre geprobt und abends aufgeführt. Mitmachen kann jeder, der Lust dazu hat. Im Übrigen wird ein Kinderchorkonzert unter der motivierenden Leitung von Martin Folz stattfinden (28. Oktober, 11 Uhr), und selbstverständlich sind Uni-Konzert (14. November) und Neujahrskonzert (1. Januar 2019, 15 Uhr und 19 Uhr) wieder im Programm. Neu in diesem Umfang ist die „Concert Lounge“. GMD Hochstenbach und Kapellmeister Wouter Padberg werden Kompositionen aus den Sinfoniekonzerten herausgreifen und in lockerer Atmosphäre vorstellen. Geplant sind unter anderem die Zweite von Brahms, Strawinskys „Pulcinella“, Beethovens „Eroica“ oder Mahlers erste Sinfonie. Einbahnstraßen sollen die Abende nicht werden, im Anschluss sind Treffen der Musiker mit dem Publikum vorgesehen.

Dass in unschöner Regelmäßigkeit potenzielle Zuhörer der Sinfoniekonzerte mangels Platz im Theater abgewiesen werden, ist ein Fall für sich. Auf die Frage, ob er sich bereits nach anderen Konzertforen umgesehen habe, antwortete Hochstenbach eher ausweichend. Wolfram Leibe wurde da deutlicher. Der Trierer OB war vom Rathaus zur Pressekonferenz im Theater herbeigeeilt und unterstrich mit seiner Präsenz das ausgeprägte Interesse am Theater im Trierer Rathaus. Zur Raumfrage erklärte er bündig,  dass sich nach dem letzten Sinfoniekonzert in der Europahalle „neue Optionen“ ergeben hätten. Jedenfalls erwies sich: Die Akustik dort ist für Sinfonik erstaunlich tragfähig. Und angesichts der gut 1000 Sitzplätze müsste niemand mehr die Abweisung an der Kasse befürchten.