1. Region
  2. Kultur

Warmherzig und charaktervoll

Warmherzig und charaktervoll

Mit einer großartigen, charaktervollen Stimme, Temperament und Lebensfreude hat die kubanische Sängerin Addys Mercedes in der Tufa Trier knapp 200 Besucher verzaubert. Ihr abwechslungsreiches Konzert mit Songs des aktuellen Albums und früheren Erfolgen zündete durch den Mix kubanischer Tradition und moderner Einflüsse.

Trier. Wärme ist wohl der Begriff, der die Ausstrahlung von Addys Mercedes\' Musik am Treffend-sten beschreibt. Sie umfängt den Zuhörer schon gleich am Anfang des Konzerts, als eine melancholisch zarte Geigenmelodie und die volle dunkle Stimme der Sängerin die Ballade "Negrito Congo" anstimmen.
Es ist eins der mehreren intimen und eher leisen Stücke aus dem neuen Album "Locomotora a Cuba", das Addys Mercedes an diesem Abend vorstellt. Sie erzählt darin Geschichten aus der Kolonialzeit Kubas und ihrer Kindheit, dazwischen aber auch mal eine Tierparabel.
So klingt eine Seifenkiste


Nicht spanisch sprechende Zuhörer können sie zwar nicht wörtlich, dafür aber über Gefühl und Herz verstehen. Denn Addys Mercedes interpretiert sinnlich. Sie moduliert ihre große Stimme je nach Gefühlslage freudig kräftig oder poetisch sanft. Die Laute und die Eigenmelodie der Sprache nutzt sie, um Rhythmus oder Atmosphäre zu betonen. Schalkhaft malt sie Lautbilder, zum Beispiel, wenn sie in ihrem Lied über die Lokomotive nach Kuba ein Dampfloktuten imitiert, oder die Seifenkiste aus ihrer Kindheit mit rhythmisch gesungenem "Brrruuummm, brrruuummm" starten lässt.
Die instrumentale Begleitung von Gitarren, Bass, Percussion, Geige und gelegentlich E-Piano vermittelt einen intimen Unplugged-Eindruck und ist erstaunlich wandelbar im Ausdruck. Addys Mercedes\' Band aus Gitarrist Pomez di Lorenzo, ihrem Ehemann Cae Davis und ihrer erst 14-jährigen Tochter Lia schlägt damit einen stilistisch großen Bogen. Er fängt beim authentisch kubanischen Flair von "No me abandones" an, das Addys Mercedes einst mit Raul Planas von den Afro Cuban All Stars aufgenommen hat, und reicht über Reggae, Pop und Rock bis zur mit Rap-Anklängen gewürzten Nummer "Oye Colombia".
Hier erreicht die Verschmelzung von kubanischer Musik mit westlichen Einflüssen einen Höhepunkt, auch durch Soli der einzelnen Musiker. Dabei beweist vor allem Lia, was in ihr steckt. Virtuos spielt sie ihr Gefühl für spannende Akzente aus, streift dabei den Jazz und beeindruckt so, dass der Applaus kaum enden will.
Überhaupt gehen die Zuhörer bei der so temperamentvollen wie lebensfrohen und charmanten Show kräftig mit. Sie singen die zahlreichen Ohrwurm-Refrains, klatschen im Takt oder tanzen. Zum Schluss spenden sie stehende Ovationen. ae