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Warum die Trierer Handschriften europäisches Kulturerbe sind - neues Buch

Kulturgeschichte : Warum die Trierer Handschriften europäisches Kulturerbe sind

Neuer Band mit vielen Bildern fasst Ergebnisse einer internationalen Tagung in der Stadtbibliothek über die Hofschule unter Karl dem Großen zusammen.

(red) Wer sich mit Kunst und Kultur Kaiser Karls des Großen beschäftigt, kann künftig auf eine Neuerscheinung zurückgreifen, die den Stand des Wissens aktuell und präzise zusammenfasst. Der Berichtsband einer internationalen Tagung in Trier aus dem Jahr 2018 ist erschienen. Er enthält 20 Beiträge renommierter Fachleute zu den Prachthandschriften der karolingischen Hofschule. Tagung und der Berichtsband bilden die Frucht einer engen Zusammenarbeit zwischen der Stadtbibliothek Trier und den Universitäten von Bonn und Trier. Die Trierer Stadtbibliothek als Ausrichterin der Tagung ist im Besitz des berühmten „Ada-Evangeliars“. Die Handschrift gilt als Hauptwerk der kaiserlichen Hofschule. Ziel der Trierer Tagung war es, die Handschriften der karolingischen Hofschule als individuelle Kunstwerke und als europäisches Kulturerbe zu würdigen.

Die verschiedenen Beiträge lassen einen Sachverhalt sehr klar vor Augen treten: Das Bild Kaiser Karls des Großen bliebe unvollständig, wollte man es nur auf den Aspekt des bedeutenden Politikers und Feldherrn beschränken. Auch auf den Gebieten des Rechts, der Bildung und der Kultur hat Karl der Große Maßgebliches geleistet. Der kaiserliche Hof in Aachen war ein Sammelbecken bedeutender Gelehrter und Künstler. Sie beschäftigten sich mit Fragen des Rechts, der Kirche, der Verwaltung, der Bildung und der Kunst. Ein wichtiger Wirkungsbereich der Hofschule bestand in der Herstellung prunkvoller Handschriften. Karl der Große verfolgte mit diesen Werken zunächst politische Ambitionen. Trotzdem waren die Handschriften noch ganz dem Bereich von Kirche und Liturgie verhaftet. Die weitaus meisten Handschriften enthielten die vier Evangelien. Werke profanen Inhalts fehlen völlig. Sämtliche Handschriften der Hofschule gingen als Widmungsgeschenke an hohe Würdenträger von Kirche und Reich. Ihre Aufgabe war es, die Verbindungen zum kaiserlichen Hof zu stärken, um auf diese Weise die weltliche und kirchliche Elite mit in die Verwaltung des Reiches einzubinden. In ihrer majestätischen Ausstattung und ihrem anspruchsvollen Bildprogramm bezeugen die Handschriften den Stand der Kunst und Kultur um 800. Zugleich geben sie das Herrschaftsideal Karls der Großen zu erkennen, der sich ganz bewusst in die Tradition der römischen Kaiser stellte. Auch die römischen Kaiser kannten die Praxis der Widmungsgabe, auch sie benutzten hierzu Werke der Kunst. Ganz folgerichtig ließ Karl der Große sich auf den Einbänden des „Ada-Evangeliars“ und des „Lorscher Evangeliars“ als Nachfolger des römischen Kaisers Konstantin feiern.

Die erhalten gebliebenen Handschriften aus der Hofschule Karls des Großen sind heute über die großen Häuser ganz Europas verteilt. Sie liegen in den Nationalbibliotheken von Frankreich, Österreich, England und Rumänien sowie im Victoria and Albert Museum London. Aber auch kleinere Institutionen wie die Stadtbibliotheken von Abbeville (Picardie) und Trier sind im Besitz von Handschriften der Hofschule. Um die gesamteuropäische Bedeutung des Korpus zu verdeutlichen, wurde 2019 ein Antrag auf Erhebung in das Weltdokumentenerbe der UNESCO gestellt. Eine Entscheidung der Internationalen Kommission wird für 2021 erwartet.

Der Berichtsband der Trierer Tagung gliedert sich in vier Teile. Der erste Teil stellt berühmte Handschriften der Hofschule vor. Der zweite Teil widmet sich Fragen der Kunstgeschichte. Teil drei enthält Aufsätze zum historischen Umfeld der Hofschule, Teil vier behandelt die Bedeutung von Musik und Liturgie für die Handschriften.

Neuerscheinung Handschriften der Hofschule Karls des Großen Foto: Verlag

Der Trierer Tagungsband ist im Buchhandel erhältlich. Die Handschriften der Hofschule Kaiser Karls des Großen. Individuelle Gestalt und europäisches Kulturerbe; herausgegeben von Michael Embach, Claudine Moulin und Harald Wolter von dem Knesebeck, Verlag für Geschichte und Kultur, Trier 2019, 539 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, 56 Euro.