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Was auch gewesen ist - "trotzdem"

Was auch gewesen ist - "trotzdem"

Erika Pluhar ist Schauspielerin, Sängerin und Autorin. Als Liedermacherin hat sie, präsentiert vom Trierischen Volksfreund, für einen bemerkenswerten Abend im Kurfürstlichen Palais gesorgt.

 Vor ausverkauftem Haus singt Erika Pluhar aus ihrem Leben. TV-Foto: Gerhard W. Kluth
Vor ausverkauftem Haus singt Erika Pluhar aus ihrem Leben. TV-Foto: Gerhard W. Kluth

Trier. Ein ausverkauftes Haus hat ein schlichter Liederabend des Österreich Forums und des Mosel Musikfestivals dem Publikum im Festsaal des Kurfürstlichen Palais beschert.

Es ist kein Liederabend mit den berühmten Werken eines Franz Schubert oder eines Hugo Wolf. Es geht um Titel wie "Eine Frau von heute", "Lass` mi allan" oder auch um das "Lied von der falschen Leiter". Protagonisten des Abends sind der Gitarrist Klaus Trabitsch und eine der vielseitigsten Künstlerinnen Europas, Erika Pluhar. Eine Frau, deren Biografie alles aufzuweisen hat, was das Leben lebenswert macht, und vieles von dem, was man seinem ärgsten Feind nicht wünscht. Eine Frau, die austeilen kann und auch austeilen darf, weil sie so vieles hat einstecken müssen.

Das Erste, was verblüfft, als die Pluhar die Bühne betritt, ist ihr Aussehen. Ganz ohne Koketterie bekennt die Wienerin sich zu ihrem Alter - und doch mag man ihr, auch aus der Nähe, die 71 Jahre nicht wirklich glauben. Agil und auch ein wenig quirlig sitzt sie neben Trabitsch auf ihrem Stuhl und kann, wenn die Musik lebhaft wird, ihre Hüften nicht ruhig halten. Gleich im ersten Titel verrät sie ihrem Publikum das Geheimnis ihres Lebens.

Er heißt ganz schlicht "trotzdem", und wer ein klein wenig Pluhars Lebensgeschichte kennt, weiß, dass dieser Titel schon recht alt und mehrfach von ihr umgetextet worden ist. Auch die Pluhar ist im Laufe der Zeit versöhnlicher geworden, hat gelernt, mit ihrem Leben umzugehen. Unversöhnlich zeigt sie sich aber gegenüber der Dummheit, bekennt: "Na, i mag's net", rechnet mit Dummschwätzern, Großtuern und Besserwissern aller Couleur ab.

Die Sängerin bietet in Trier die alte Schule der Liedermacher, die aus ihrem Leben erzählen. Richtig verorten, in einer Schublade ablegen, kann man die Pluhar dabei nicht. Manchmal erinnert sie an Hannes Wader, manchmal an Reinhard Mey, hier an Konstantin Wecker, dort an Wolf Biermann. Es ist ehrlich und persönlich, wenn sie bekennt: "I geb net auf" - und wenn sie von den "unerfüllbaren Wünschen" erzählt.

Trabitsch als ihr Partner weiß jede kleine Nuance ihrer Stimmung und ihrer Aussage auf sensibelste Art in Klänge umzusetzen. Er erweist sich als präsenter und zurückhaltender Begleiter.

Nach diesem Abend mit "Liedern vom Himmel und der Erde?" gibt es stürmischen Applaus für Erika Pluhar und Trabitsch, Trauben von Menschen, die sich nach dem Konzert noch ein Autogramm holen - und manchen nachdenklichen Besucher, der still nach Hause geht.