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Was bleibt, ist die Hoffnung

Was bleibt, ist die Hoffnung

TRIER. Das Theater Trier plant für die Spielzeit 2003/2004 vorwiegend Populäres. Die Vorstellung des Spielplans stand im Zeichen der aktuellen Finanznöte.

Es wurde mehr über Geld geredet als über Kunst bei der traditionellen Spielplan-Pressekonferenz. Wie denn das aktuelle Haushaltsloch von 200 000 Euro entstanden sei, wollten die Journalisten von Kulturdezernent Ulrich Holkenbrink wissen. Es handele sich um "Probleme, die im Bereich des Haushaltsaufstellens so fixiert worden sind", lautete die wenig aussagekräftige Antwort. Man sei "fleißig dabei, zu versuchen, das Problem zu lösen". "Ich schließe im Moment gar nichts aus"

Ob denn ausgeschlossen werden könne, dass Opern konzertant aufgeführt werden müssten? "Ich schließe im Moment gar nichts aus", sagte Holkenbrink, wurde dann aber überraschend konkret: Im städtischen Haushalt würden die üblichen Tariferhöhungen auch beim Theater künftig einkalkuliert, versprach der Dezernent. Heinz Lukas-Kindermanns Nachfolger wird es also besser haben - wenn es so kommt. Der scheidende Intendant setzt zum Abschied mit seinem Angebot voll auf Theater der Marke "Kassenfüller". Der neue Spielplan ist der wohl populärste, den er seit seinem Amtsantritt vorgelegt hat, und nach eigenen Aussagen mit "sehr vielen Highlights" gespickt. So bietet er beim Musiktheater mit Beethovens Oper "Fidelio" - Originalton Lukas-Kindermann - einen "richtig großen Auftakt". Und völlig sicher ist er sich, dass diese Aufgabe sowohl vom Trierer Orchester als auch vom Ensemble her machbar ist - da hat der Wiener "gar keine Bedenken". Für Franz Lehárs Operette "Die lustige Witwe", die zuletzt 1994/95 auf dem Trierer Spielplan stand, hat er unter anderem Tenor Thomas Kießling und "Meister" Guildo Horn um Gastrollen gebeten. Doch in "trockenen Tüchern", also gesichert, ist da noch nichts. Und wenn das mit den beiden Stars tatsächlich klappen sollte, dann ist eventuell auch eine ganz andere Produktion möglich. Neben Mozarts Oper "Così fan tutte" steht 2004 das geplatzte Glanzstück des jetzigen Jubeljahres auf dem Programm: die Oper "Die unendliche Geschichte" von Siegfried Matthus nach Michael Endes bekanntem Roman. Die Auftragsarbeit, mit der der Komponist zum 200-jährigen Bestehen des Theaters nicht rechtzeitig fertig wurde, geht hier als so genannte Ring-Uraufführung an den Start. Neben Trier wird sie mit einem abgeänderten Schluss gleichzeitig an einem anderen Theater präsentiert. Als Spielort für das Trierer Theater werden die Thermen am Viehmarkt reaktiviert. Hier kommt Udo Zimmermanns "Weiße Rose" nach Aufzeichnungen der Geschwister Scholl und Dietrich Bonhoeffers auf die Bühne - die "erfolgreichste deutsche Kammeroper überhaupt," so Lukas-Kindermann. Für Puccinis Oper "Tosca" hofft der Intendant, Bariton Franz Grundheber als Baron Scarpia für die Premiere gewinnen zu können. Die Reihe erfolgreicher Musical-Aufführungen wie "Rocky Horror Show", "West Side Story", oder "Evita" soll mit Andrew Lloyd Webbers "Jesus Christ Superstar" nicht nur fortgesetzt, sondern womöglich getoppt werden. Wie das Musiktheater, so startet auch das Schauspiel mit einem Kassenknüller: Shakespeares Klassiker "Hamlet" wird das große zumeist auch zu einem vollen Haus machen. Doch der "Renner der Saison" soll nach Kindermanns Wunsch "Komödie im Dunkeln" von Peter Shaffer werden. Das Stück des Autors, aus dessen Feder auch der Kassen-Hit "Amadeus" stammt, gilt als intelligenter Spaß voll Slapstick und Situationskomik. Kontrastprogramme wie das groteske Musical "Shockheaded Peter" (Struwwelpeter) und Goethes Klassiker "Götz von Berlichingen" komplettieren das Angebot im Großen Haus. "Lysistrata" von Aristophanes, eine der ältesten überlieferten Komödien überhaupt, wird der Beitrag des Schauspiel-Ensembles zu den Trierer Antikenfestspielen 2004 sein. Mit dem "Eingroschengrusel" "Das Geheimnis der Irma Vep" eröffnet das Studio in der Tradition seiner Comedy-Produktionen das neue Programm. Die Reihe "Persönlichkeiten der Stadt Trier" widmet sich dem ersten Trierer Karnevalsprinzen Andreas Tont (1816-1859). Der Karneval mit seiner Aufhebung bürgerlicher Zwänge und der Freiheit zur satirischen Äußerung wurde zur Plattform revolutionärer Gedanken in den Zeiten des deutschen Vormärz. Autor des Stücks ist der Trierer Chefdramaturg Alexander Etzel-Ragusa. "Bei größerer Nachfrage im Stadion möglich"

Als "Theater für Jugendliche" wird im Studio das Schauspiel "Elling" des Norwegers Axel Hellstenius angeboten, während in Kooperation mit Eintracht Trier der "fußball-beseelte Einakter" "Leben bis Männer" von Thomas Brussig ("Sonnenallee") das Publikum - wie bei den Spielen der Eintracht - von den Sitzen reißen soll. "Bei größerer Nachfrage kann das Stück selbstverständlich auch im Stadion aufgeführt werden." Heinz Lukas-Kindermann hat seinen Humor trotz der rigorosen Sparzwänge nicht verloren. Das verdeutlicht auch die Pressemappe zum vorgestellten Spielplan. In großen Lettern prangen dort die Zeilen aus "Fidelio": "Die Hoffnung schon erfüllt die Brust mit unaussprechlich süßer Lust ".