Was die Sex Pistols mit U2 verbindet

Was die Sex Pistols mit U2 verbindet

Er hat nicht nur U2 inspiriert: Als Gründungsmitglied von Joy Division und New Order hat Bassist Peter Hook Musikgeschichte geschrieben. Im TV erinnert sich der 55-Jährige an die Jahre mit Joy Division, deren abruptes Ende, und das Vermächtnis des mit 23 Jahren verstorbenen legendären Frontmanns Ian Curtis.

Luxemburg. Die Geschichte beginnt am 21. Juli 1976 in einem Musikladen in Manchester. Dort kauft sich Peter Hook, 20, seinen ersten Bass. Er ist noch beseelt von der Show der Sex Pistols am Abend zuvor. Das gleiche Konzert sollte auch für Hooks künftigen Bandkollegen Bernard Sumner zum Wendepunkt werden. "Ohne das Sex-Pistols-Konzert wäre alles komplett anders gelaufen", sagt Hook heute. "Und den Bass habe ich immer noch. Das waren die besten 35 Pfund, die ich je ausgegeben habe." Der Punk zerstörte sich schnell selbst, der Post-Punk übernahm.Tragisches Ende in der Küche

Die Geschichte hat kein Happy End. Sie endet am 18. Mai 1980 in einer Küche in Macclesfield. Dort erhängt sich Ian Curtis, 23, Sänger von Joy Division. Es ist ein tragisches Ende nach privaten Problemen, Depressionen und immer häufiger auftretenden epileptischen Anfällen. Wenige Wochen zuvor war "Love will tear us apart" zum ersten Mal veröffentlicht worden, das bekannteste Lied der Band. Mit Ian Curtis starb auch der Name Joy Division. Hook und die anderen Bandkollegen machten als New Order weiter, mit Erfolg und Sicherheitsabstand zum Vorgänger. So wurde Joy Division zur ewigen Vergangenheit, zum guten, alten Drama, zwar stilbildend für ganze Probenraum-Siedlungen, aber tot, vorbei und heilig. U2 ließen sich kräftig inspirieren, viele Stilrichtungen des Düsteren wie Dark Wave oder Gothic-Rock finden Wurzeln bei Joy Division. Vielleicht gab es deshalb einen Aufschrei im Internet, als Hook das Joy-Division-Werk aus dem Gestern zerren wollte. Seit eineinhalb Jahren tourt er mit seiner neu formierten Band The Light und einer Joy-Division-Show durch die Welt. Rund 80 Mal wurde bereits das "Unknown Pleasures"-Album (1979) komplett gespielt, das auch am 7. Februar im Luxemburger "Atelier" zu hören sein wird. Rund 30 Auftritte gab es mit dem zweiten, intimeren Werk "Closer", das ebenfalls traditionell in keiner popjournalistischen "Müssen-Sie-hören"-Liste fehlt. Für Hook ist es das erste Gastspiel in Luxemburg. Schwierige Suche nach Sänger

"Es war nur eine Show geplant. Und zwar in Ians Heimatstadt Macclesfield zum 30. Todestag von Ian. Wir hatten nie ein Jubiläum von Joy Division gefeiert, da war es absolut an der Zeit", sagt Hook. "Die Tatsache, dass wir 18 Monate später immer noch auf Tour sind, spricht wohl für sich. Ich bin sehr zufrieden, wie es läuft - und die Band wird auch immer besser." Nur die Sängersuche war schwierig. Es habe sich keiner getraut, den markanten Bass-Bariton von Curtis zu übernehmen. Also übernahm Hook selbst den Job am Mikro. Für die markant-melodischen Bassläufe sorgt sein Sohn. "Er ist 21, so alt wie ich damals bei den Aufnahmen war."Hook ist längst in einer anderen Zeit und einer anderen Welt. Er sitzt beim Telefonat mit dem TV im Hotelzimmer in Tokio. Dort ist er für eine DJ-Show gebucht, etwa alle drei Monate legt er dort auf. Der Clubbesitzer und Buch-Autor war bisher auch nicht dafür bekannt, bevorzugt in der Vergangenheit zu leben. Aber er sieht sich auch als Chronist. "Ich kann mich einfach sehr gut an Details erinnern." Das habe ihm beim Schreiben seines aktuellen Buchs über Joy Division, das im Herbst erscheinen soll, mehr als einmal eisige Schauer den Rücken runtergejagt. "Ich erinnere mich unheimlich gut an Ian Curtis. Er war ein großartiger Musiker, ein harter Arbeiter und einfach ein extrem netter, sensibler Mensch. Vielleicht war er manchmal zu nett."Schuldfragen

Bei der Aufarbeitung gehe es auch um Schuldfragen. "Hätte ich mir damals die Texte genauer angeschaut, hätte ich sehen können, dass da ein Mensch in höchster Not ist. Aber ich war jung und wusste nicht so recht, wie ich ihm hätte helfen können." Damals habe er Curtis für einen guten Texter gehalten: "Heute weiß ich, dass er fantastisch war. Ich habe Ian und ‚Unknown Pleasures\' praktisch alles zu verdanken, was ich im Leben erreicht habe."Peter Hook & The Light, Dienstag, 7. Februar, 20 Uhr, Den Atelier, Luxemburg. Karten: TV-Service-Center Trier, Bitburg und Wittlich, Tickethotline 0651/7199-996, www.volksfreund.de/ticketsExtra

Der britische Bassist, Sänger und Autor Peter Hook (55) spielte unter anderem bei Joy Division und später bei New Order. 2007 verließ er im Streit die Band (O-Ton Hook: "Sie wollten mich über den Tisch ziehen, aber das ist ihnen vor Gericht nicht gelungen."). Hook ist auch eine wichtige Figur in den Filmen "Control" (Anton Corbijn, 2007) und "24 Hour Party People" (Michael Winterbottom, 2002). AF

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