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"Was ich geleistet habe, ist einfach egal": Drei Trierer Theaterkünstler sprechen nach Nichtverlängerung ihres Vertrags über ihre Gefühle und Sorgen

"Was ich geleistet habe, ist einfach egal": Drei Trierer Theaterkünstler sprechen nach Nichtverlängerung ihres Vertrags über ihre Gefühle und Sorgen

Die Kündigung hat sie hart getroffen. Wie reagieren Künstler am Trierer Theater, denen in der kommenden Spielzeit 2015/2016 der Arbeitsplatz entzogen wird? Der TV hat mit drei von ihnen gesprochen.

Trier. Die Stimmung ist gedämpft. Kein Wunder: Evelyn Czesla, Juliane Hlawati und Pawel Czekala gehören zu den Ensemble-Mitgliedern, denen mitgeteilt wurde, dass ihr Engagement am Trierer Theater zum Ende der aktuellen Spielzeit auslaufen wird. Selbstverständlich wurden bei der Maßnahme, die bürokratisch "Nichtverlängerung" und unter den Betroffenen einfach "Kündigung" heißt, alle juristischen Regeln beachtet. Sie ist legal. Ob sie legitim ist, steht für die drei auf einem anderen Blatt.Chefwechsel einziges Argument


Dabei steht nicht so sehr die Person des künftigen Trierer Intendanten Karl Sibelius im Fokus der Kritik, sondern die Maßnahme an sich - und was sie für die Betroffenen bedeutet. Begründet wurde sie gegenüber den Gekündigten nämlich nur mit einem Argument: dem Intendantenwechsel. "Es wird nicht einmal der Versuch unternommen, mich im Ensemble zu halten", sagt der Sänger (Bass) Pawel Czekala. Und Sopranistin Evelyn Czesla ergänzt: "Ich werde gekündigt, egal, was ich geleistet habe."
Ihnen und überhaupt allen Gekündigten sei demonstriert worden, dass sie als Arbeitnehmer über keinerlei Autonomie verfügen, dass sie die Maßnahme, wenn sie denn juristisch korrekt erfolgte, nicht beeinflussen können. Nicht durch Leistung, nicht durch Anpassung und auch nicht durch Protest. Und dass sie vielleicht auf Wiedereinstellung hoffen können, beruhigt sie wenig - dafür sind die Aussichten zu vage. Bei den Chefs gelten solche unverbindlichen Versprechungen zudem als probates Mittel, die Gekündigten ruhigzustellen.
Es gibt einen weiteren Anlass, nachdenklich zu werden. "Noch vor einem Jahr haben wir alle gemeinsam und zunächst erfolgreich für die Zukunft des Trierer Theaters gekämpft, nun müssen trotzdem alle die gehen, die auflösbare Verträge haben. Das ist eine schmerzliche Erfahrung", sagt Evelyn Czesla.
Die faktische Rechtlosigkeit von Solosängern (beim Chor besteht Kündigungsschutz), von Tänzern und Schauspielern und vielen weiteren Mitarbeitern aus Betriebsbüro, Dramaturgie und Korrepetition wird auch intern diskutiert. "Durch diese neue Praxis der umfassenden Kündigungen bei Intendantenwechsel werden die Künstler wieder zu dem ,fahrenden Volk\' der Tänzer und Gaukler aus dem Mittelalter", sagt Pawel Czekala.
Für Juliane Hlawati (seit 2008 am Trierer Theater) ist klar: "Wenn du als Tänzerin 30 wirst, musst du dich nach Alternativen umsehen."
Aber wahr ist auch: Künstler, die längere Zeit an einem Theater bleiben, etablieren sich am Ort. Evelyn Czesla (seit 2002 am Theater Trier engagiert) hat mit ihrem Mann eine Wohnung gekauft. Pawel Czekala (seit 2008 in Trier) lebt hier mit seiner Familie, seine Frau arbeitet als Ärztin, die Tochter geht in Trier zur Schule. Sie fühlen sich mit der Stadt persönlich verbunden - und mit dem Theater ohnehin.
"Ich möchte in Trier bleiben. Und ich werde immer Sängerin sein", sagt Evelyn Czesla. Juliane Hlawati plant ebenfalls keinen Ortswechsel. Pawel Czekala kann sich indes nicht unbedingt an Trier binden. "Ich werde gezwungen, Optimist zu sein, und muss neue Wege versuchen." Dies heißt erneut Umzug und Neuanfang für die ganze Familie.
Dann kommen in der Runde Alternativen zur Sprache. Noch wirken sie vage und unsystematisch, aber sie sind da: Aufbau einer freien Kunstszene, gesangs- und tanzpädagogische Tätigkeit, vielleicht auswärtige Gastspiele. Hlawati: "Ein bisschen Ideen habe ich schon." Das Ende des Trie-rer Engagements ist nicht das Ende der Welt - aber die Luft wird dünn für die Künstler.
Und Karl Sibelius? Keine Animositäten, trotz der Kündigung. "Wir würden gerne mit ihm arbeiten."