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Was im geheimen Theater-Gutachten steht

Was im geheimen Theater-Gutachten steht

Das Walzwerk im Trierer Stadtteil Kürenz ist als zweite Spielstätte des Theaters offenbar vom Tisch. Nach TV-Informationen steht dafür das Eisenbahnausbesserungswerk im Westen der Stadt hoch im Kurs. Mit Spannung erwartet die Theaterszene Details des geheimen Gutachtens einer Ingenieurgruppe aus Karlsruhe. Kulturdezernent Thomas Egger nimmt Stellung.

Trier. Die Zukunft ist plötzlich klarer, die Perspektive besser, die Freude größer. Schuld daran ist ein Papier aus Karlsruhe. Die Ingenieurgruppe Bauen plant, prüft und betreut seit 1965 Großprojekte in aller Welt und hat auch analysiert, ob eine Generalsanierung des 50 Jahre alten Theaterwürfels am Trierer Augustinerhof machbar und realistisch ist.
Die Ingenieure aus Karlsruhe haben gute Nachrichten im Gepäck. Eine Sanierung ist möglich, sagen sie (der TV berichtete). Doch das war es dann auch schon. Die Stadtverwaltung hält das Gutachten sicher unter Verschluss - aus Sicht der Behörde ein normaler Vorgang und reine Routine. Ein derart wichtiges Papier muss lange Wege gehen, bevor die Öffentlichkeit davon erfahren darf.Stadtrat entscheidet


Zuerst kommen die internen Analysen und Abstimmungen zwischen allen beteiligten Ämtern und Dezernaten. Danach folgen Präsentationen und Debatten in den Ausschüssen und dem Stadtrat, der zum Jahresende entscheiden will, wie es mit dem Theater weitergeht. Bis dahin ist das Gutachten streng geheim. Doch ein aus der Trierer Politikszene kommender Informant des TV, der anonym bleiben will, hat Informationen. Einige davon sind purer Sprengstoff.
Die erste dieser Informationen wäre ein ruckartiger Kurswechsel: Intendant Karl Sibelius wollte das alte Trierer Walzwerk im Stadtteil Kürenz zu einem Kulturzentrum und einer zweiten Spielstätte für das Theater machen. Der Plan ist offenbar passé.

"Dieser Standort ist aus dem Spiel", sagt der Informant. "Der Widerstand der Anwohner in Kürenz war offenbar zu groß und die Verkehrsanbindung generell zu schlecht."
Das 44 000 Quadratmeter große Walzwerkgelände gehörte einem indischen Stahlmagnaten, bis der Trierer Projektentwickler Triwo es im April gekauft hat. Werkstätten, Büros und Hallen sind in hervorragendem Zustand. Mit derart starkem Material will ein Projektentwickler natürlich richtig Geld verdienen - ein öffentliches Gebäude wie eine Theaterspielstätte ist hier mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht die Traumlösung des Eigentümers.
Doch Plan B ist offenbar schon in Arbeit: das Eisenbahnausbesserungswerk in Trier-West, das der Trierer Entwicklungsgesellschaft EGP gehört, einer hundertprozentigen Tochter der Stadt Trier. Die 100 000 Quadratmeter große Fläche ist in drei Gebiete unterteilt.

Wie teuer wird die Sanierung des Theatergebäudes? Der Informant nennt eine konkrete Zahl. "Eine erste vorsichtige Schätzung sind 20 Millionen Euro. Die Kosten für einen Neubau sind dagegen mittlerweile auf weit über 100 Millionen Euro gestiegen." Die Statik des Hauses am Augustinerhof sei in Ordnung, doch "ans Mauerwerk müssen sie ran". Das Haus soll "fit gemacht" werden: "In einem fensterlosen Büro sitzen drei Leute auf zehn Quadratmetern. Das muss sich ändern. Dazu kommen Erweiterungen wie ein Orchesterraum, den es bisher noch nicht gibt."
Der TV konfrontiert Kulturdezernent Thomas Egger mit diesen Informationen. Er bestätigt keine davon eindeutig, dementiert aber auch nicht konsequent.

"Über die Zweitspielstätte ist noch gar nicht entschieden worden", sagt Egger. Es gebe bisher "keine Bewertungsmatrix" der beiden Alternativen Walzwerk oder Eisenbahnausbesserungshalle.
Die Antwort des Dezernenten auf die Kostenfrage klingt ähnlich. "Wir sind noch lange nicht so weit, konkrete Zahlen nennen zu können." An den Kosten einer Neubauvariante habe die Verwaltung "nicht weiter gearbeitet".Funktionalität ist ein Problem


Diese Informationen "stimmen teilweise", räumt Egger ein. "Wir wollen so wenig wie möglich in die Bausubstanz eingreifen, dabei aber die Funktionalität der Räume optimieren." Gerade diese Funktionalität sei ein großes Problem.
Fazit: Die Zukunft des Theaters ist am Horizont sichtbar. Sicher ist sie noch nicht.Meinung

Das Walzwerk ist ideal
Das Walzwerk in Kürenz ist die ideale zweite Spielstätte für das Theater Trier. Die Qualität der Infrastruktur ist hervorragend, außerdem wäre die Schaffung eines bunten und vor Leben sprühenden Kulturzentrums eine wichtige Aufwertung des Stadtteils Kürenz. Probleme wie der Lärmschutz und die Verkehrsanbindung sind völlig normale Begleiterscheinungen eines solchen Projekts, mit denen man fertig werden kann. Es lastet ein gewaltiger Druck auf der Stadtverwaltung und auch auf dem Stadtrat als Entscheider. Das finale Votum zur Zukunft des Theaters Trier wird die Stadt für die kommenden Jahrzehnte prägen. Wenn dabei mit einem Handstreich auch das Bild eines oft unterschätzten Stadtteils geprägt werden kann - umso besser. j.pistorius@volksfreund.de