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Was ist gute Architektur? Ausstellungen in den Trierer Viehmarktthermen

Was ist gute Architektur? Ausstellungen in den Trierer Viehmarktthermen

Noch bis zum 3. Juli dauern die Woche(n) der Baukultur in den Trie rer Viehmarktthermen. Sie wird gemeinsam von der Architektenkammer Rheinland-Pfalz (Kammergruppe Trier), dem Bund Deutscher Architekten (BDA), der Hochschule Trier, der Generaldirektion kulturelles Erbe sowie der Stadt Trier und dem Landkreis Trier-Saarburg unterstützt. Mehrere Ausstellungen zum Thema begleiten das Projekt - auch über den Juli hinaus.

Trier. "Qualität ist im gebauten Umfeld der Alltagskultur nicht mehr vorhanden." Matthias Sieveke geht mit dem gebauten Lebensraum hart ins Gericht.
Auch sonst hält der Leiter des Studiengangs Architektur an der Hochschule Trier zur Eröffnung der Woche der Baukultur in den Viehmarktthermen mit seiner Kritik nicht hinterm Berg. Viel sorgfältiger gelte es mit dem verletzlichen Potential des Organismus Stadt bei der Planung und Gestaltung von Bauprojekten und Stadtraum umzugehen, mahnt der Hochschullehrer. Unerlässliche Voraussetzung seien dabei gründliche Kenntnisse der strukturellen wie kulturellen Zusammenhänge, fordert der Architekturprofessor.Investoren in der Kritik


Kritisch sieht Sieveke die Rolle der Investoren als Bauherrn. Denen gehe es schließlich nicht um städtebauliche und gestalterische Qualität, sondern einzig um Gewinne.
So etwas wie eine Öffentlichkeitskampagne für gute Architektur ist die baukulturelle Woche, die von gleich vier Ausstellungen nebeneinander im Thermenmuseum begleitet wird, deren Tafeln und Modelle beispielhafte Architektur demonstrieren. Bereits an derselben Stelle zu sehen war die hier neuerlich gezeigte Schau zum BDA Studienpreis Rheinland-Pfalz 2011 (der TV berichtete).
Erstmals gezeigt wird dagegen die Wanderausstellung zum BDA Architekturpreis Rheinland-Pfalz 2012. Einige der Anerkennungen, die neben dem Preis im Rahmen des Wettbewerbs ausgesprochen werden, sind in die Region gegangen. Unter den regionalen belobigten Bauprojekten finden sich das Ensemble "Leben an der Schmiedestraße" des Architekten Rainer Roth aus Meckel und der Erweiterungsbau eines Wohnhauses in Trier-Pallien durch die Architekten Stein, Hemmes, Wirtz in Kasel.
Vielfältig und reizvoll sind die Bauaufgaben, deren Gestaltung die Ausstellung präsentiert. Sie reichen vom gelungenen Haus für die Dorfgemeinschaft in Hillesheim (Architektin Marion Prowald-Dapprich), das sich mit seinem Satteldach und seiner schlichten Gestalt auf traditionelle Hausformen bezieht und dennoch mit seiner großzügigen Verglasung licht und weltoffen wirkt, bis zur Flachdachbautenreihe am Wasserband auf dem Petrisberg (Architekt Christian Bauer und Partner).
An regionaltypische Kapellen erinnert das Wohnhaus der Familie Theisen in Dockendorf der Architekten Johannes Götz und Guido Lohmann aus Köln. Als wohltuend stiller sakraler Raum kommt die Evangelische Kirche Baumholder nach der Neugestaltung daher (Architekt Heinrich Lessing, Mainz).
Ein Wiedersehen gibt es bei der BDA-Ausstellung zudem mit dem Energiesparhaus Farschweiler und dem Energiehaus Kasel (beide Architekten Stein, Hemmes, Wirtz, Kasel). Eine regionale Auswahl aus dem Angebot der "Architektouren" der letzten Jahre offeriert die Schau der "Initiative Baukultur". Interessant ist die Schau mit Studienprojekten der Hochschule Trier, darunter die Ortskern-Verdichtung von Trierweiler. Leider bietet das Ausstellungsangebot wenig Neues und nicht immer Überzeugendes. Sehenswert sind die Schauen dennoch. er
Bis 9. Dezember, täglich von 9 bis 17 Uhr; montags geschlossen. Weitere Infos unter Telefon 0651/9941057.