Was ist Kunst?

Dudeldorf . Seit zwei Jahren etablieren sich in Dudeldorf in der nähe von Bitburg Kulturveranstaltungen, die durchaus eine größere Beachtung verdienen. Einen eher provokanten Abend gestaltete Frank Köllges in der Scheune der alten Burg.

Dudeldorf - ein kleines Örtchen in der Eifel, nahe Bitburg gelegen, abseits der großen Straßen. Wenn man einen Städter fragt, wo Dudeldorf zu finden ist, wird er wahrscheinlich auf die sieben Berge und die dazugehörigen Zwerge verweisen. Für jemanden, der das pralle Leben erwartet, vielleicht eine richtige Beschreibung. Aber: Vorsicht. Zu all den Reizen, die den kleinen Ort schon immer eine Reise wert sein ließen, kommt seit nunmehr zwei Jahren eine Attraktion hinzu, die sich anschickt, eine größere Beachtung zu finden. Seit August 2001 finden auf der Burg in bisher noch unregelmäßigen Abständen kulturelle Veranstaltungen statt. Freilich lag der Schwerpunkt bisher eher auf Freiluftveranstaltungen, so sei etwa an das sehr erfolgreiche "Fest der Sinne" erinnert, bei dem auf dem Burghof vor lauter Publikum fast kein Durchkommen mehr war (der TV berichtete). Es gibt aber auch noch eine große Scheune, die sich für Kultur in der dunklen Jahreszeit anbietet. Mit Gasstrahlern und Glühwein stellen dabei auch niedrige Temperaturen kein Problem dar. "Urig" ist wohl die beste Vokabel, um die Atmosphäre auf Burg Dudeldorf zu beschreiben, bis hin zum stillen Örtchen, das man derzeit nur, wie in alten Zeiten, über den Hof erreichen kann. Urige Atmosphäre in der Scheune

Zu der letzten Veranstaltung kamen offensichtlich mehr Zuhörer als man erwartet hatte, denn es mussten doch noch einige Stühle heran geschafft werden. Protagonist des Abends war Frank Köllges, in Düsseldorf geborener und in Usch in der Südeifel lebender Musiker, Komponist und Performer. Die Überschrift seines Programms lautete "Kling's Wolkenstein & Köllges' Brotmaschine". Im ersten Teil widmete sich Köllges ganz den Gedichten von Thomas Kling, der in seinem Band "wolkenstein.mobilisierung" das Leben des Südtiroler Ritters nacherzählt. Köllges unterlegte das Ganze mit Klängen seines Keyboards, wobei ihm manches Mal die Bedienung des eingebauten Computers doch etwas Schwierigkeiten bereitete. Der zweite Teil bestand aus so genannten HÖR.stücken, in denen er unter Beweis stellte, wie groß die Bandbreite der Geräusche ist, die er produzieren kann. Es wurde dabei nicht so ganz deutlich, ob Köllges provozieren, ob er ausprobieren wollte, wie weit er sein Publikum auf den Arm nehmen kann. Das Programm von Köllges muss einem nicht gefallen haben, aber es warf die Frage auf: Was ist Kunst? Ist es Kunst, wenn jemand Märchen so erzählt, als ob sein Sprachzentrum von einer schweren Krankheit befallen ist? Was hat es zu bedeuten, wenn, trotz dieser zweifelhaften Aktionen das Publikum lacht, und Zugaben fordert? Karl Kraus hat einmal gesagt: "Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen Schatten." Ist Köllges ein Zwerg oder weist er nur auf die untergehende Sonne hin? Nein - lustig war der Abend nicht, aber nachdenkenswert, was längst nicht jede Kulturveranstaltung von sich behaupten kann. Am 7. November gibt es um 20 Uhr auf Burg Dudeldorf noch einmal die Gelegenheit, die Frage nach der Kunst zu stellen.