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Kultur
Verein auf der teuren Suche nach sich selbst - Wohin fließen eigentlich die 80.000 Euro Steuergeld?

Hirsch
Hirsch FOTO: TV / Lambrecht, Jana
Trier. Was macht die Initiative Kulturraum Großregion jährlich mit über 80 000 Euro Steuergeld? Die TV-Recherche zeigt: Nicht allzu viel. Von Katharina De Mos

Nur wenige Städte Deutschlands sind noch höher verschuldet als Trier – da darf man schon mal etwas genauer hinschauen, wofür die Moselmetropole ihr Geld so ausgibt. 2018 fließen zum Beispiel 5000 Euro für den Verein Kulturraum Großregion. Das hat der Kulturausschuss kürzlich bewilligt. Weitere 15 000 Euro bekommt dieser Verein aus Mainz.

Kulturraum Großregion? Noch nie gehört? Also mal nachschauen, was mit dem Geld so passiert. Die Recherche-Allzweckwaffe Internet hilft allerdings nicht weiter, denn auf der zuständigen Homepage heißt es: „Der Verein Kulturraum Großregion befindet sich derzeit in einer Phase der Umstrukturierung. Aus diesem Grund ist das gemeinsame Sekretariat momentan nicht besetzt und eine Aktualisierung der Webseite ist nicht möglich.“

Das Geld fließt aber trotzdem. Insgesamt 86 500 Euro Steuermittel pro Jahr, die aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Luxemburg, aus der französischen Region Grand Est, der Fédération Wallonie-Bruxelles sowie der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens kommen. Die Ansprechpartner des Vereins sitzen in den jeweiligen Kulturverwaltungen. Was machen sie mit diesen 86 500 Euro?

Nach Auskunft des Mainzer Kulturministeriums und des Trierer Rathauses verfolgt die im Kulturhauptstadtjahr 2007 gegründete Kooperation das Ziel, den kulturellen Austausch zu fördern, Kulturschaffende zu vernetzen und Kulturprojekte in der Großregion umzusetzen. Die Präsidentschaft wechselt alle zwei Jahre. Aktuell haben die Luxemburger den Hut auf.

„Nach zehn Jahren hat sich der Verein entschlossen, die inhaltliche Ausrichtung zu evaluieren“, teilt Markus Nöhl, Pressesprecher des Mainzer Kulturministeriums, mit. Eine Neuausrichtung, die das Land unterstütze. Sie biete die Chance, die Arbeit „zu optimieren und effektiver zu gestalten. Zuletzt wurde es für den Verein zunehmend schwieriger, innovative Projekte aufzusetzen.“ Sätze, die nicht gerade nach großer Zufriedenheit klingen.

Eine Studie soll es richten: Eine externe Agentur wurde beauftragt zu analysieren, welche Schwerpunkte die Kooperation bisher hatte, um auf dieser Basis „Empfehlungen für die künftige Ausrichtung und Struktur der Vereinsarbeit“ zu geben. 35 000 Euro kostet diese Untersuchung.

Weitere 35 000 Euro flossen dieses Jahr für eine grenzüberschreitende Fachkonferenz im Schloss Bourglinster, bei der sich vor kurzem Experten über die Unesco-Welterbestätten der Großregion ausgetauscht haben. Die restlichen Zuschüsse werden nach Nöhls Auskunft für Betriebs- und Werbungskosten, Webseite und Übersetzungen benötigt.

Und welche Schwerpunkte hatte die Kooperation bisher?

Ein wesentlicher Bestandteil der bisherigen Arbeit ist laut Nöhl das Betreiben von „Plurio.net“ als zentrale Kulturdatenbank der Großregion. Diese Webseite vereine Informationen über die Kultureinrichtungen der Großregion mit Veranstaltungshinweisen, Jobangeboten und Projektfördermöglichkeiten. Wer dort nach Kulturveranstaltungen in der Region Trier sucht, findet allerdings vor allem Theatertermine. Hinweise auf überregional bedeutende Festivals wie das Eifel-Literatur- und das Mosel Musikfestival sowie auf die zahlreichen kleineren Kulturveranstaltungen der Region fehlen.

Ein weiteres erfolgreiches Projekt sei Grrrrr.eu, teilt das Ministerium mit – eine 2010 gegründete Internetplattform für und von jungen Menschen, die mit Beiträgen von ehrenamtlichen Autoren aus allen fünf Regionen über die Kultur in der Großregion informiert. Allerdings sei Grrrrr.eu „wegen der Neuorientierung des Vereins zur Zeit nur eingeschränkt aktiv“.

Der Trierer Kulturdezernent Thomas Schmitt verweist auf eine Reihe erfolgreich beendeter Projekte, darunter das grenzüberschreitende Lesefestival „Kultur macht Schule“ oder das Projekt iPop: 2016 hatte der bekannte Trierer Musiker Michael Kernbach (Gründungsmitglied von Guildo Horn und die orthopädischen Strümpfe) im Auftrag des Vereins eine Machbarkeitsstudie zu einer Popmusik-Akademie in der Großregion vorgelegt.

Eine solche Akademie wird es zwar nicht geben, doch verfolgt Kernbach weiter die Idee, Business-Kurse für Popmusiker in der gesamten Großregion anzubieten. Das Saarland habe bereits eine finanzielle Förderung zugesagt, nun wartet Kernbach noch auf Antwort der Kulturstiftung Rheinland-Pfalz. Mit dem Verein hat das allerdings nichts mehr zu tun.

Dass dieser derzeit offensichtlich „mehr verwaltet als gestaltet“ findet Kernbach schade. Denn die Großregion habe so viel kulturelles Potenzial.

Das Trierer Rathaus betont, dass es keine andere Wahl habe, als die 5000 Euro Zuschuss zu zahlen, weil die Stadt sonst gegen eine mit dem Land getroffene Vereinbarung verstoße. Der Fortbestand des Vereins könne von Trier aus nicht beeinflusst werden.

Eine Entscheidung über dessen Zukunft soll laut Tom Gantenbein vom luxemburgischen Kulturministerium Ende des Jahres bei einer Generalversammlung fallen.