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Kultur
Was Marx Journalisten von heute zu sagen hat

Diskussion Journalismus in Zeiten von Karl Marx in den Viehmarktthermen. Von links: Moderatorin Marion Barzen, Uwe Conradt, Frank Überall, Joachim Görgen, Stefan Brauburger, Thomas Roth und Rainer Auts.
Diskussion Journalismus in Zeiten von Karl Marx in den Viehmarktthermen. Von links: Moderatorin Marion Barzen, Uwe Conradt, Frank Überall, Joachim Görgen, Stefan Brauburger, Thomas Roth und Rainer Auts. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Wie war Karl Marx als Journalist? Wohin wird sich der Journalismus entwickeln? Diesen Fragen stellten sich Vertreter der Medien und der Wissenschaft. Von Patricia Prechtel
Patricia Fee Prechtel

Wenn Karl Marx an einem Artikel für die New York Tribune in den USA schrieb, dauerte es knapp zwei Wochen, bis sein Text in der Zeitung erschien, für die er als Europa-Korrespondent tätig war. Da eine Übertragung mit Unterwasserkabeln noch nicht möglich war, mussten die Informationen mit dem Schiff geliefert werden.

Historiker und Karl-Marx-Spezialist Rainer Auts führt die Zuhörer der Podiumsdiskussion „Journalismus: gestern. heute. morgen.“ des Deutschen Journalistenverbands (DJV), Bezirk Trier, damit am Dienstagabend in den Viehmarktthermen in die Zeit Karl Marx’ vor 200 Jahren ein.

Dass der Trierer Sozialreformer überhaupt als Journalist tätig wurde, entstand eher aus der Not heraus: Er machte es schlicht und einfach, um Geld zu verdienen. Immer wieder beschwerte sich Marx aber über die Bezahlung und wurde schließlich als Auslandskorrespondent der New York Tribune entlassen, da er der Zeitung zu teuer wurde.

Seine Texte, die äußerst gründlich recherchiert und meist sehr lang waren, blieben vielen Lesern unverständlich. Stefan Brauburger vom ZDF spricht von einem „deterministischen Wahrheitsanspruch“, der beinahe „etwas Religiöses“ hatte. Brauburger beschäftigt sich mit Karl Marx als historischer Person und hat einen Film über den berühmten Trierer gedreht, halb Spiel- und halb Dokumentarfilm. Sein Versuch, die schwere Materie vielen Zuschauern nahe zu bringen.

Medien waren zu Marx’ Zeit eher eine parteiliche Presse, dabei wurde nicht zwischen der Nachricht und Meinungen getrennt. Minister Konrad Wolf verweist dabei auf die Möglichkeiten der Presse, die schon zu Marx’ Zeiten bestand: „Marx erkannte die Macht der Medien in der freien Willensbildung.“

Dabei wird klar: Journalismus war damals ganz anders, als er es heute ist. Dauerte es zur Zeit Marx’ sehr lange, um Informationen zu verbreiten, geht es heute rasend schnell. Neben den Vorteilen, die die Digitalisierung und das Internet mit sich bringen, gibt es dabei auch Gefahren, wie Frank Überall, der Bundesvorsitzende des DJV und Philippe Leruth, Präsident der Internationale Journalisten Föderation (IJF), zu bedenken geben. Denn das Internet gebe vielen Nutzern die Illusion, sie seien Journalisten, wenn sie ihre Informationen großen Massen mitteilen. Dabei sei der Beruf des Journalisten an einen Wertekodex gebunden. Eine gute Ausbildung, Kompetenz, Verlässlichkeit und das verständliche Weitergeben von Informationen seien die wichtigen Komponenten, die den Beruf ausmachen.

Gerade in Zeiten, in denen Printmedien an Auflagen verlieren und Inhalte digital vermarktet werden, um Geld zu verdienen, müsse man den Lesern den Wert von „gutem Journalismus“ wieder verdeutlichen.

Thomas Roth, Chefredakteur des Trierischen Volksfreunds, sieht eine große Chance im digitalen Journalismus. Denn „unsere Zugriffszahlen sind gigantisch“. Rechne man die digitalen Nutzer mit ein, sei die Auflage der Zeitung heute oft größer als zuvor. Jetzt stelle sich nur die Frage, wie man damit Geld verdienen kann, um den freien Qualitätsjournalismus auch zu finanzieren. Neben dem journalistischen Handwerk sei daher Technik wichtig, um an die Nutzer heranzukommen und diesen das für sie passende Angebot zu machen.

Der digitalen Herausforderung muss sich auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk stellen. Joachim Görgen vom SWR betont die Relevanz der Nachrichten und dass veröffentlichte Informationen „Hand und Fuß“ haben müssen, um Fake News entgegenzuwirken.

Ein immer wieder aufgegriffenes Thema ist an diesem Abend die Verfolgung von Journalisten überall auf der Welt. Philippe Leruth, Präsident der IJF und Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) betonen die Wichtigkeit der im Grundgesetz verankerten Meinungs- und Pressefreiheit und landen damit wieder bei Karl Marx. Ihm ging es als Journalist nicht anders als manchem Journalisten heute, der wegen seiner kritischen Anschauung verfolgt wird: Marx musste aufgrund seiner Meinung Asyl suchen und fliehen.

Philippe Leruth.
Philippe Leruth. FOTO: Friedemann Vetter