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"Wasser, Wasser, Wasser überall"

"Wasser, Wasser, Wasser überall"

Sie singen von Rum, Seemännern und der Liebe und begeistern seit drei Jahren damit vom Grundschüler bis zum Greis die Musikfreunde der Republik. Auch in Trier gelingt es Santiano, die Zuhörer von den Sitzen zu reißen.

Trier. Von der Decke fällt das riesige weiße Tuch, das die Sicht auf die Bühne verdeckt hat, und die Männer am Rand holen es ein - gleich einem Segel auf einem Schiff und der Blick auf die Bühne wird frei. Dort stehen die fünf Mitglieder der Gruppe Santiano, verstärkt durch einen Drummer und einen Keyboarder/Akkordeonspieler. Hinter ihnen eine Reling und eine Leinwand, auf der man durch ein riesiges Bullauge das tosende Meer sehen kann.
Das Boot ist noch lange nicht voll


In den nächsten beiden Stunden dreht sich in Triers Norden alles um den hohen Norden mit allen gängigen Klischees: das Meer, Seemänner, Sehnsucht und Rum - verpackt in leichte Reime und rockige Gute-Laune-Melodien, deren Rhythmus sich keiner der 3800 Besucher entziehen kann.
Frontmann Björn Both hat eine klare Ansage: "Das Boot ist noch lange nicht voll, und wir werden in Zukunft noch viele gute Männer, Frauen und Kinder brauchen, die helfen, dass es nicht untergeht!" Dass er damit nicht nur die Arena meint, dürfte allen klar sein - der Applaus zeigt, dass die Bot(h)schaft angekommen ist.
Als Anspielung auf den Nikolaustag, an dem das Konzert in Trier stattfindet, erklärt er: "Ein liebenswerter Mensch zu sein ist ein Ganzjahresjob." Und dann legen die Männer von Santiano richtig los. Pete Sage, der Mann aus Yorkshire, ist "the fiddler on the deck" und spielt Geige wie der Teufel.
Bei "Whiskey in the Jar", das vor allem in der Version von Thin Lizzy bekannt wurde, zeigen die Jungs von Santiano, dass es sich dabei ursprünglich um ein irisches Volkslied handelt. Besinnlicher wird es, als Gaststar Oonagh zusammen mit Björn Both "Weit übers Meer" ("Davids Song") singt - ein Titel, der seinerzeit durch die Kelly Family bekannt wurde.
In der ausschließlich bestuhlten Arena ist es für das Publikum schwer, in Fahrt zu kommen. Der Aufenthalt direkt vor der Bühne ist nicht erlaubt - darauf achten Sicherheitskräfte. Ein Pärchen tanzt im Gang. Das Wacken-T-Shirt und die langen Haare des jungen Mannes lassen darauf schließen, dass sie Santiano aus Wacken kennen, dem größten Heavy-Metal-Festival der Welt, wo die Band es auch im nächsten Jahr wieder mit jüngeren und wilderen Besuchern zu tun bekommt.
Schnee und Glitzerschlangen


Aber auch in Trier hält es am Ende die meisten nicht mehr auf den Stühlen, und bei "Wasser, Wasser, Wasser überall" herrscht in der Arena heftiger Seegang. Mit aufwendiger Pyro-Show, herabfallendem Schnee und goldenen Glitzerschlangen endet der Santiano-Nikolausabend in bester Stimmung.