Weg von der Straße, hinein in die Galerien

Völklingen · Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte macht sich einen Namen als Zentrum für Graffitikunst. Mit Werken von mehr als 80 Künstlern von sechs Kontinenten werde die am Sonntag, 29. März, beginnende "UrbanArt Biennale" doppelt so groß wie die vor zwei Jahren, sagt Generaldirektor Meinrad Maria Grewenig. Zur Eröffnung gibt es auch ein Hip-Hop-Konzert.

Völklingen. "Wir haben uns als eines der wichtigsten Zentren urbaner Kunst international etabliert", sagt Meinrad Maria Grewenig. Der Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte neigt zu Superlativen. In diesem Fall liegt ein solcher tatsächlich auf der Hand, liest man die Liste der mehr als 80 Künstler aus 21 Ländern, die bei der "UrbanArt Biennale 2015" vertreten sind: Viele - wie Jef Aérosol, Shepard Fairey oder Swoon - gehören zu den Stars der internationalen Szene, deren Sprühkunst mittlerweile Einzug in Museen weltweit gefunden hat.

Einige Künstler waren schon bei den "UrbanArt"-Schauen 2011 und 2013 dabei, darunter die Saarländer Raks und Reso alias Patrick Jungfleisch. Letzterer ist in der Sprayerszene bestens bekannt und vernetzt. Er hat Grewenig und dessen Team bei der Künstlerauswahl beraten. In Völklingen ist man sicher: ,,Wir sind am Puls der Zeit."

Tatsächlich greift die Kunst von der Straße brandaktuelle Themen wie den islamistischen Terrorismus und die Anschläge auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris auf. Diesmal wird die Ausstellung noch größer. Man habe neben der 10 000 Quadratmeter großen Möllerhalle neue Räume für großformatige Graffiti erschlossen, und im Industriekulturgarten sollen bis Ende April 30 "Murals" (mit Lack gesprühte Wandgemälde) und Installationen entstehen. Einige dieser temporären Kunstwerke sollen dauerhaft in der Hütte bleiben.Triebfeder für Revolutionen


Mit Straßenkunst aus dem arabischen Raum und speziell Ägypten setzt die Biennale erstmals einen geografischen Schwerpunkt. "Dort zeigt sich die Urban Art als Triebfeder einer Revolution", nimmt Grewenig Bezug auf die politische Bewegung des Arabischen Frühlings. "Diese Kunst, die in den Stadtraum eingreift, ist extrem aussagekräftig und erfordert eine Stellungnahme."

Auch Künstler aus Polen und Russland werden vertreten sein - als Referenz zum diesjährigen Motto der Musikfestspiele Saar, denn Grewenig hat immer auch kulturelle Vernetzung und Vermarktung im Blick. Auch deshalb setzt er auf die Jugendkultur, auf Graffiti und Hip-Hop - und will die "UrbanArt Biennale" langfristig zu einem Event mit einer ganzen Reihe von Angeboten ausbauen, die auf ein jüngeres, mobiles, gut vernetztes Publikum zugeschnitten sind, das auch über die Musik zur Kunst kommt - oder umgekehrt. Deshalb wird es am 17. Juli erstmals ein Hip-Hop-Festival auf dem Hüttenareal geben, zu dem sich einige der angesagtesten Rapper Deutschlands angekündigt haben (siehe Extra). Zwei Tage später startet die dritte Ausgabe des Electro Magnetic Festivals für elektronische Musik und Lichtinstallation - mit bekannten DJs aus aller Welt. Jeweils 10 000 Besucher erwartet man pro Festival - doch die Zielgruppen seien ganz verschieden, sagt Grewenig.

Überhaupt denkt der Kulturmanager ganzheitlich. "Wir wollen mehr als nur eine Regionalversorgung mit Kultur. Die Fördertöpfe werden immer kleiner, deshalb geht es auch um touristische Fragestellungen und kulturwirtschaftliche Effekte."

Mit der "UrbanArt" treffe man einen Nerv. Sie sei eine maßgebliche Kunstrichtung des 21. Jahrhunderts und gehöre ins Zentrum, nicht an die Peripherie.Extra

Die "UrbanArt Biennale 2015" läuft bis 1. November, täglich 10 bis 19 Uhr, Telefon 06898/9100100, E-Mail: visit@voelklinger-huette.org Eröffnung ist am Sonntag, 29. März, 17 Uhr, mit einer Hip-Hop-Party mit Toni-L und Aphroe.
Ein Hip-Hop-Festival ( www.urbanart-festival.de ) mit deutschsprachigen Rappern wie Genetikk, Kollegah, Haftbefehl, Antilopen Gang und Drehmoment startet am 17. Juli.
Zu den Ausstellungen "Ägypten - Götter. Menschen. Pharaonen." (bis 12. April), "Die Röchlings und die Völklinger Hütte" (bis 1. November) und "UrbanArt" gibt es am Sonntag stündlich Führungen. Der Eintritt ist frei. red

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