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Weibliche Weltsichten im Haus Beda - Drei Künstlerinnen stellen gemeinsam aus

Die New Yorkerin Carole Feuerman stellt in Bitburg überlebensgroße Skulpturen aus der Badewelt aus. TV-Foto: Eva-Maria Reuther
Die New Yorkerin Carole Feuerman stellt in Bitburg überlebensgroße Skulpturen aus der Badewelt aus. TV-Foto: Eva-Maria Reuther FOTO: Eva-Maria Reuther (er) ("TV-Upload Reuther"
Bitburg. Die Kunst ist diesmal wirklich weiblich im Haus Beda. Werke von drei ganz unterschiedlichen und sehr spannenden Künstlerinnen zeigt die neue Schau im Haus Beda, die gleichermaßen Kopf und Sinne in Bewegung setzt. Eva-Maria Reuther

Was im Theater gängig ist, das Spiel im Spiel, ist derzeit auch in Bitburg zu erleben. Eine Galerie in der Galerie ist dort im Rahmen der neuen Ausstellung "Die Welt als Bühne" im Haus Beda eingerichtet. In ihr haben sich die unterlebensgroßen Figuren von Veronika Veit als Besucher eingefunden. Ein wenig erinnert die Szenerie an die Geschichte von Gulliver und den Liliputanern. Nur dass hier die Kunst der Riese ist, den das bunte kleine Völkchen aus der Froschperspektive betrachtet.

Die realistischen Figuren der 1968 geborenen Münchner Bildhauerin, die eine der Künstlerinnen des aktuellen Ausstellungstrios ist, entstammen der urbanen Alltagswelt. Vor allem aber haben sie eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem üblichen Vernissage-Personal und den Scharen täglicher Museumsbesucher. Dass man sie dennoch als scharfsinniges, ironisch gebrochenes Kunstwerk erkennt, dafür sorgt der genaue Blick der Künstlerin für Ausdruck und Geste.

Unversehens wird der leibhaftige Ausstellungsbesucher zum Teil dieser Kunstwirklichkeit und fragt sich angesichts der Zeitgenossen, die Monika Veit in Bitburg präsentiert, ob er nicht selbst das Produkt einer Kunstwelt ist, Mitspieler in einem Rollenspiel, in dem ihm Funktion und Einsatz vorgegeben sind. Die Verunsicherung der Wahrnehmung betreibt auf ihre Art auch die Fotokünstlerin Gudrun Kemsa. Die 1961 geborene Künstlerin, die heute eine Professur für Bewegte Bilder und Fotografie in Krefeld innehat, ist in Bitburg mit mehreren Werkgruppen vertreten, darunter ihre eindrucksvolle Videoinstallation "Manhattan" und ihre Straßenbilder aus New York und Berlin, die zum großen Projekt "Urban Stage" gehören.
Es ist eigentlich ein geradezu klassischer Ansatz, den Gudrun Kemsa praktiziert, wenn sie den Straßenraum als großen Zusammenhang aus Licht, Schatten, Form und Bewegung darstellt. Im Mittelpunkt der gezeigten Werkgruppen stehen in der sehr schön eingerichteten Schau Kemsas eindrucksvolle "Choreographien". Die großformatigen Farbfotos, deren Szenen wie eine Folge von Filmsequenzen angeordnet sind, zeigen Menschen in der Bewegung.Wahrnehmung und Erkenntnis

Wer die Fotos betrachtet, gerät selbst in Bewegung, visuell wie mit Geist und Sinnen. Einmal mehr zeigt sich hier, dass Sehen ein ganzheitlicher Prozess aus Wahrnehmung und Erkenntnis ist. Kemsas kühle Fotografien entrücken ihr Bildpersonal in eine ferne Welt, in der es gegenwärtig und wohl auch künftig allein oder als Gruppe unterwegs ist. Die einzelnen Personen, Paare oder Gruppen, sind voneinander abgewandt auf dem Weg in unterschiedliche Richtungen. Sie können geradezu für die Befindlichkeit des Menschen in einer kalten, orientierungslosen Welt stehen.

Wie andernorts beweist die Künstlerin auch hier ein sensibles Raum- und Formverständnis und einen planvollen Umgang mit dem Licht. Interessant sind auch Kemsas frühere Schwarz-Weiß-Arbeiten im Nebenraum.
Die am weitesten angereiste und prominenteste Künstlerin im Bitburger Trio ist die in New York beheimatete Carole Feuerman. Die 1945 geborene Bildhauerin ist im Haus Beda mit zum Teil überlebensgroßen Skulpturen aus der Badewelt vertreten. Auf den ersten Blick könnte man Feuermans Schwimmerinnen für Figuren der Pop Art halten. Tatsächlich stehen sie in der langen Tradition klassischer Bildhauerei von den antiken Bronzen bis zum Neoklassizismus und den Plastiken der Moderne.

Feuermans Wandplastiken erinnern sogar an die alte Bauplastik. Die New Yorkerin ist eine feinsinnige Psychologin, immer nah und interessiert am Menschen. In Geste und Ausdruck veräußert sie einfühlsam Seelenleben und Innenwelt ihrer Figuren. Sinnend, geradezu verträumt, wirken manche dieser ausdrucksstarken Schwimmerinnen, andere sind voll Energie.
Zuweilen wird der Schwimmring zum Ruhekissen, an das sich seine Besitzerin zärtlich anschmiegt. Eins ebenso reizvolle wie abwechslungsreiche Bühne hat sich im Haus Beda aufgetan. Mitspielen ist ausdrücklich zu empfehlen.

Die Schau ist bis 3. Juli zu sehen. Geöffnet ist sie dienstags bis freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags, sonn- und feiertags von 14 bis 18 Uhr. Kontakt: Telefon 06561/96450, www.beda-haus.de