Weihnachtsgeschichte mit Pannen: Theater Trier zeigt Patrick Barlows Komödie "Messias" in den Viehmarktthermen

Trier · Mit den göttlichen Erlösungsabsichten ist das so eine Sache. Auch Gottvater hat mit seinem Messias bekanntlich draufgezahlt. Marc Wortel hat die gleichnamige Weihnachtskomödie des Briten Patrick Barlow für das Trie-rer Theater jetzt in den Viehmarktthermen inszeniert. Zu lachen gibt es jede Menge.

 Tilman Rose (links) und Christian Peters mimen Bernhard und Theodor im „Messias“. Foto: Vincenzo Laera

Tilman Rose (links) und Christian Peters mimen Bernhard und Theodor im „Messias“. Foto: Vincenzo Laera

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Trier. Mal ehrlich: "Es ist ein Wunder" kann ja jede sagen, wenn sie schwanger ist und der Ehemann nicht als Kindsvater infrage kommt. Da muss Erzengel Gabriel schon viel Überzeugungsarbeit leisten, bis Josef den himmlischen Flügelschlag in der Geschichte hört - und sich damit den Heiligenschein redlich verdient. Der rutscht zwar, aber dafür ist es eine Einheitsgröße, die auch Maria passt. Und dass man ohnehin immer draufzahlt - nicht nur beim Baumarkt - hatte Handwerker Josef gleich zu Anfang klargestellt, als Marias Schemel den (Heiligen) Geist aufgab.
Zurück zur Einheitsgröße: Einheit in Vielfalt ist das dramaturgische Grundprinzip in Patrick Barlows Weihnachtskomödie "Messias". "All in two" ist angesagt in diesem herrlich schrägen britischen Krippenspiel. Soll heißen: Zwei machen alles.
Die zwei, das sind die beiden Wanderschauspieler Theodor und Bernhard, die mit der Geschichte von Christi Geburt durchs Land tingeln und dabei alle Rollen selbst mimen. Weil "Multitask" nie funktioniert, hakt es auch bei Theodor und Bernhard dauernd, wovon zum Teil die umwerfende Komik dieser durch und durch witzig inszenierten Geschichte aus dem Jahr "Null vor Christus" lebt.
Marc Wortel hat dazu das Auditorium der Viehmarktthermen in eine Kirche verwandelt, zwischen deren Mauerresten (manch einer mag da an das einsturzgefährdete Christentum denken) die Zuschauer in Kirchenbänken sitzen und auf die eingezogene Stirnwand wie auf den Hochaltar blicken. Oben aus dem himmlisch blau beleuchteten Altarbild aus Beton schaut Erzengel Gabriel aufs andächtige Volk, während über ihm Gott Vater seinen Endlosbart ausrollt, der sich als Zeichen der göttlichen Erlösungsabsicht anschließend in ein Kreuz verwandelt.
Unten nimmt derweil das Drama um den kommenden Messias mit Pannen und Publikumsbeteiligung seinen Lauf. Dass es ein herrlich komischer Abend wird, der nicht nur zügig das Stück vorantreibt, sondern auch die schrille britische Komik mit ein paar neuen Akzenten und genau dem richtigen Quäntchen Gemüt versieht, dafür sorgen die vorzüglichen Schauspieler.
Als Theodor ist Christian Beppo Peters ein hinreißender Komödiant, dessen wandelbare vielgestaltige Stimme das hölzerne Stakkato der neuen Deutschen Welle genauso beherrscht wie Josefs wohlmeinende Einfalt. Wenn er als Heiliger König mit seinen ramponierten Kollegen zur Anbetung erscheint, schwingt in der Lachnummer anrührend menschliche Hilflosigkeit.
Ihm ist der kraftvolle Tilman Rose als Bernhard exakt der richtige Gegenpart. Rose ist eine umwerfende Maria mit Bart und Gesichtsschleier (Kostüme: Roland Papst), die kleinlaut feststellt: "Ich bin doch erst vierzehn" - und Stress wegen ihres öden Hausfrauendaseins macht. Als flügelschlagender Batman erscheint er Josef als Erzengel Gabriel, bevor er später, angetan mit einem blaugestreiften Plastikvorhang, als beschränkter Herodes in die biblische Schatzkiste der Weissagungen abtaucht. Etwas arg hymnisch sorgen Vera Illieva und Emilia Yuan Schaaf zum Ende für Mariengefühl. Weihnachtsmarktmäßig wird es zum Schluss mit den Engeln von "Rasheedas Sterne".
Lange nicht mehr so gelacht! Aber Vorsicht: Der Trierer "Messias" ist ein Stück für Leute, die nicht gleich vom Glauben abfallen, wenn sie mal über etwas lachen, das ihnen wichtig ist, und für die Lachen auch Erkenntnis ist. Wie das langapplaudierende Publikum. er