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Trier
Trauerklang im Frühlingserwachen

 Viel Applaus für das Trio in Trier.
Viel Applaus für das Trio in Trier. FOTO: Dirk Tenbrock
Trier. Welche hohen Hürden junge Musiker im Kurfürstlichen Palais meistern.

Was für ein Wagnis! Drei junge Kammermusiker nehmen sich am Freitag beim SWR2-Frühlingskonzert der Villa Musica Rheinland-Pfalz die beiden wohl anspruchsvollsten Trios in der Besetzung Klavier, Cello und Geige vor: Das Klaviertrio in Es-Dur Opus 100 von Franz Schubert (von 1827) und Tschaikowskys Klaviertrio in a-Moll Opus 50. Beide Werke sind von Trauer geprägt, deswegen wird es nicht viel mit Frühlingsstimmung an diesem lauen Märzabend in Trier.

Die drei Künstler, die das angehen: Aurelia Shimkus (Klavier) wurde 1997 in Riga geboren, ist schon sehr konzerterfahren und seit 2016 Preisträgerin des Echo Klassik in der Kategorie „Nachwuchskünstlerin“. Elin Kolev an der Geige (Jahrgang 1996, geboren in Zwickau) spielte schon mit zwölf Jahren in der New Yorker Carnegie Hall und ist seit 2017 „SWR2 New Talent“. Er spielt eine Violine von Lorenzo Carcassi aus Florenz von 1749. Der erfahrenste im Bunde ist Benedict Kloeckner (Jahrgang 1989). Der Koblenzer führt eine rege und weltweite Konzerttätigkeit und gründete und leitet das Internationale Musikfestival Koblenz.

So balanciert denn auch ihr Spielstil zwischen jugendlichem Ungestüm und kontrollierter Verve, virtuos sind sie alle zu nennen, Kloeckners inniges, fast schon furchterregend entspannt wirkendes Spiel auf seinem Rugeri-Cello von 1680 (Deutsche Stiftung Musikleben) verdient einen Extra-Applaus. Bei Schuberts Werk – das dieser kurz vor seinem Tod 1828 schrieb und in dem er die restriktiven, politischen Verhältnisse seiner Zeit verarbeitete – wechselt der Ton des Trios zwischen Trauer und Verspieltheit. Die jungen Musiker gehen mit großer Intensität zur Sache, manche Passagen geraten da etwas zu intensiv, sicher ist die leichte Schärfe aber auch der problematischen Akustik des Rokoko-Saales geschuldet. Die über 160 Zuschauer sitzen hautnah davor, das mag die Künstler noch zusätzlich befeuern. Diese Hitze tut Tschaikowskys a-Moll-Trio sehr gut. Das verlangt geradezu nach herzerwärmendem Spiel und Pathetik. Das Stück widmete der Komponist seinem kurz zuvor verstorbenen Freund und Mentor Nikolaj Rubinstein, hörbar bewegt verarbeitet er hier seine große Trauer. Jetzt zeigt das Trio, was es draufhat, die Violine darf glänzen, das Piano ebenfalls. Spielerisch umschiffen die Künstler alle Klippen, die Musik klingt wie aus einem Guss, verdiente Bravo-Rufe und großer Applaus sind der Lohn.