Welche Songs sind die Besten? Der TV lädt ein zur Diskussion

Welche Songs sind die Besten? Der TV lädt ein zur Diskussion

Das Gesprächsthema hat schon zahllose Festivals, Konzertabende und Kneipenrunden geprägt: Welche Rocksongs stehen auf der ewigen Bestenliste ganz oben? Drei TV-Redakteure haben ihre Wahl getroffen. Diskutieren Sie mit!

Rockmusik - gitarrenlastig, bassverstärkt, laut, provokant. Die konsequente Intensivierung des Rock 'n' Roll mit treibenden Rhythmen, hohem Tempo und enormer Lebensfreude. Doch welcher Sänger, welcher Gitarrist, Bassist, Songschreiber oder Schlagzeuger ist der Beste seines Stils? Welche Band steht an der Spitze? Die in dieser Fragestellung enthaltene absolute Subjektivität macht jede Diskussionsrunde zum Erlebnis. Der TV wagt ein Experiment: Drei überzeugte Rocker der Redaktion nennen die aus ihrer Sicht drei besten Rocksongs aller Zeiten und begründen ihre Entscheidung.

Dabei spielt natürlich auch die Frage mit, wo genau die Abgrenzung des Rock zu anderen Stilen liegt. Auch diese Definition ist subjektiver Natur. In unserem Experiment ist sie denkbar einfach: druckvolle und virtuos geführte Gitarren, grollende oder donnernde Bässe, Adrenalin freisetzende Rhythmen. Und vor allem: Originalität und Glaubwürdigkeit statt Massentauglichkeit und Konformität.

Drei Anhänger des Rock trafen ihre Wahl. Einer brauchte keine zwei Minuten, ein anderer eher drei Wochen. Das Ergebnis ist weder repräsentativ noch erhebt es Anspruch auf Alleinherrschaft. Im Gegenteil: Schreiben Sie uns hier, welche Rocksongs an der Spitze Ihrer ewigen Hitliste stehen.

Das sind die Beurteilungen unserer Redakteure

Jörg Pistorius
Ace of Spades (Motörhead, 1980): Schon die ersten acht Töne dieses Jahrhundertsongs definieren den wilden Steptanzrhythmus, der sofort in die Beine fährt. Ian "Lemmy" Kilmister und seine Jungs können mit "Ace of Spades" live Zehntausende aus dem Stand heraus in eine rasend begeisterte tanzende Meute verwandeln. Spiel dein Blatt und lass die Würfel rollen, auch wenn du am Ende verlieren wirst - diese Mischung aus dem Fatalismus des Spielers und enormer musikalischer Energie gibt es kein zweites Mal.

Hells Bells (AC/DC, 1980): Tief und unheilverkündend ertönt der Glockenschlag. Getragen von Angus und Malcolm Youngs Gitarren rollt der Song an. Brian Johnsons schneidende Stimme macht den Zuhörer zu einem Faust, einem Verdammten, nach dem die Unterwelt greift. "Hells Bells" ist eine der ewigen Hymnen des Hardrock und eine akustische Höllenfahrt, während der man die Flammen schon knistern hört.

The Trooper (Iron Maiden, 1982): Ein unfähiger Offizier befiehlt der britischen leichten Brigade während des Krimkrieges 1854, die russischen Kanonen anzugreifen. Die absurde Reiterattacke gegen schwere Artillerie ging in die Geschichte ein. Steve Harris machte daraus einen Song, in dessen Rhythmus man das Donnern der Hufe und Krachen der Kanonen spürt. Der Hörer ist mittendrin in der Schlacht. Der Refrain ist ein einziger langer Kampfschrei und eine vergebliche Klage gegen falsche Befehle und das sinnlose Opfern von Leben.

David Zapp
Killing in the Name (Rage against the Machine, 1992): Ein Song wie ein Sprengsatz. Wut und Aggressivität gehen Hand in Hand mit rhythmischer Wucht und textlicher Intelligenz. Metalriffs, Funk-Grooves und Rap-Gesang verschmelzen zu etwas Unerhörtem. Der Frust über Konformität und Opportunismus entlädt sich in Zack de la Rochas finalem Gebrüll: "Fuck you, I won't do what you tell me." Wer "Killing in the Name" hört, muss einfach hüpfen und toben. Ein zeitloser wie genialer Protestsong.

Paranoid (Black Sabbath, 1970): "Iron Man" gilt als Keimzelle des Heavy Metal. Trotzdem ist Paranoid der Über-Rocksong, der mit seinem hypnotisierenden Rhythmus den Hörer unaufhaltsam mitreißt. Tony Iommis Gitarren-Riff kennt jedes Kind und Ozzy Osbournes Stimme prägt den nicht mal dreiminütigen Rausch. Paranoid eroberte sogar den Schlager mit Cindy & Berts Coverversion "Der Hund von Baskerville".

Master of Puppets (Metallica, 1986): Der perfekte Metal-Song. Metallicas frühreifes Meisterwerk um die Macht von Drogen ist ein Thrash-Metal-Opus. Die Kombination aus zynischen Texten, messerscharfen Gitarrenriffs und dichtem Sound ist auch nach 25 Jahren unübertroffen. Der Instrumental-Part in der Mitte drosselt das Tempo, bevor die Gitarristen James Hetfield und Kirk Hammet die Fäden wieder übernehmen und die Master!-Rufe durch Mark und Bein gehen. "Master of Puppets" gräbt sich sofort ins Ohr und trifft mitten in die Magengrube.

Christian Kremer
Lithium (Nirvana, 1991): Nirvana hat die Rockmusik der 90er Jahre entscheidend mitgeprägt. Gerade das Album "Nevermind" war stilbildend - der größte Hit ist "Smells Like Teen Spirit". Aber "Lithium" ist ein Song, der stellvertretend für das gesamte Werk der Grunge-Rocker steht. Einfache Gitarrenriffs, klares Songwriting und ein schizophrener Text mit dunklem Humor. Dazu die prägnante Stimme von Kurt Cobain - fertig ist einer der besten Songs aller Zeiten.

Ashes to Ashes (Faith no More, 1997): Mike Patton ist einer der charismatischsten Sänger der Rockgeschichte. Seine Stimme ist eine der facettenreichsten überhaupt - von den tiefsten Knurr-Lauten bis hin zum Kreischen. Zarte Melodien für Balladen singt er genauso problemlos, wie er bei härteren Stücken brüllen kann. "Ashes to Ashes" ist einer der eingängigeren Songs, in dem sich die Klasse von Faith No More widerspiegelt. Stakkato-Gitarren treffen auf getragenen Keyboard-Sound und Mike Pattons wunderbaren Gesang. Einfach klasse!

All Along the Watchtower (Jimi Hendrix, 1967): Eigentlich stammt der Song "All Along the Watchtower" von Bob Dylan. Doch egal, hier ist die Kopie besser als das Original! Jimi Hendrix zeigt, wie dieses Stück von Anfang an hätte sein müssen. Eine psychedelisch-virtuose Melodie-Gitarre, unvergleichlich rhythmischer Gesang und ein bedeutungsschwangerer Text von Bob Dylan, den jeder Hörer anders interpretiert - eine Mischung, die diesen Top-Song auszeichnet.