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Wellness für die Seele

Wellness für die Seele

Das kulturelle Flaggschiff des Sommers zieht unbeeindruckt von der Wirtschaftskrise seine Bahn: Mehr als doppelt so viele Karten wie im Vorjahr sind für das 22. Mosel Musikfestival, das älteste und bedeutendste klassische Musikfestival im Land, im Vorverkauf abgesetzt worden.

Mainz. (fcg) Erfolgreichen Menschen wird die Eigenschaft zugeschrieben, andere in ihren Bann zu ziehen. Demzufolge muss Hermann Lewen, Intendant des Mosel Musikfestivals, ein besonders erfolgreicher Mann sein. Der Erfinder des Premium-Kultur-Produktes erfährt im Mainzer Kultusministerium bei der Präsentation des Programms eine Wertschätzung, die fast aus jedem Satz von Ministerin Doris Ahnen herauszuhören ist. Sie bezeichnet das Festival als "einzigartig" oder "herausragend" und betont dessen "immense Bedeutung für den Kulturtourismus". Ahnen lobt Lewen und bedankt sich für die "einzige Erfolgsgeschichte" des 1985 ins Leben gerufenen Festivals. Selbst Konkurrenz "mit den ganz Großen bundesweit", befindet die Ministerin, müsse man nicht scheuen.

Verwunderlich ist es deshalb nicht, dass ihr Haus rund ein Viertel des Etats von 750 000 Euro beisteuert (zum Vergleich: Der Etat lag 1985 bei 40 000 Mark). Weitere Mittel fließen aus dem Wirtschaftsministerium für überregionale Werbung in Köln, Frankfurt oder Luxemburg.

Das Festival und seine Macher bestechen mit einer großen Professionalität. Die 97-seitige Broschüre, in der alle 58 Konzerte aufgelistet sind, die vom 1. Juni bis zum 3. Oktober an 28 Orten im Moselraum von Luxemburg über Trier und Bernkastel-Kues bis Cochem und Ochtendung über die Bühne gehen, darf man getrost als Augenweide bezeichnen. Das Marketing startete kurz vor Weihnachten. "Bei uns kann jeder eine Karte im Internet kaufen", verrät Lewen stolz.

Die Veranstalter rechnen trotz der Wirtschaftskrise mit einer Zuschauerauslastung zwischen 85 und 95 Prozent. Bis zu 15 000 Besucher werden erwartet. Die Sponsoren wie die Bitburger Brauerei, Lotto Rheinland-Pfalz, RWE und die Sparkassen haben keinesfalls geknausert, sondern ihre Zahlungen sogar erhöht. Hermann Lewen findet dafür eine einleuchtende Erklärung: "Die Nachfrage nach emotionalen Erlebnissen boomt - und wir bieten Wellness für die Seele."

Noch sind die Höhepunkte des Programms - etwa das Projekt "Halleluja, Mr. Händel - Messiah im großen Stil" am 4. Juli in der Konstantin-Basilika in Trier mit 500 Sängern aus aller Welt - nicht zu Gehör gekommen, da plant der Intendant schon die Zukunft. "Wir werden das Mosel Musikfestival europäisch weiterentwickeln", kündigt Hermann Lewen an. Wobei er nicht verhehlt, dass er dabei auch auf EU-Fördertöpfe schielt.