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Welterbetag am 7. Juni erstmals digital

Kultur : Virtuelle Reise durchs deutsche Welterbe

Eine neue Webseite zum Welterbetag macht Lust, die Trierer Römerbauten und viele andere außergewöhnliche Stätten des Landes zu erkunden. Überraschungen sind dabei garantiert.

Mal ein paar Quizfragen zum Einstieg. Wie viele Weltkulturerbestätten hat Deutschland? a: 18, b: 46 oder c: 117? Welches für die Weltgemeinschaft bedeutende Gebäude hat den Grundriss einer zwölfblättrigen Rose? Wie viele Tier- und Pflanzenarten leben im Wattenmeer? Und wie um Himmels Willen kommt all das Wasser, das für die verrückten Wasserspiele auf der Kasseler Wilhelmshöhe benötigt wird, ohne Pumpen auf den Berg?

Fragen, auf die es nicht nur im Laufe dieses Textes Antworten gibt, sondern auch auf der neuen Webseite  www.unesco-welterbetag.de

Wegen der Corona-Pandemie präsentieren sich die deutschen Welterbestätten zum Unesco-Welterbetag am Sonntag, 7. Juni, erstmals im digitalen Format. Und das hat einen großen Vorteil: Man kann sie alle 46 auf einen Schlag erkunden – und dabei manche Überraschung erleben. So vielfältig ist das Kultur- und Naturerbe Deutschlands.

Wer glaubt, bei Welterbestätten handele es sich immer um Kirchen, Schlösser und Altstädte voller Fachwerkhäuschen liegt gründlich daneben. Klar, da wären der Aachener oder Kölner Dom, die Schlösser von Potsdam und Berlin, die Altstädte von Bamberg, Regensburg, Lübeck oder Stralsund. Da ist aber noch viel mehr.

Zum Beispiel die Buchenwälder der Karpaten. Hä? Seit wann liegen die Karpaten in Deutschland, könnte man sich fragen, ehe man das Kleingedruckte entdeckt. Denn auch alte Buchenwälder anderer Regionen Europas sind in diesem Fall von der Weltgemeinschaft mitgeschützt, darunter die Nationalparke Hainich, Jasmund oder Müritz. Stimmungsvolle Filme über weite Wälder und stille Seen machen Lust aufs Reisen. Und eine Rangerin schwärmt von den außergewöhnlich vielen schönen Frühjahrsblühern auf den Kalkböden des Hainich.

Mit Klöstern wie Maulbronn oder Lorsch war auf der Liste ja zu rechnen. Für Überraschung könnte bei manchem hingegen sorgen, dass Wassermanagementsysteme aus Augsburg oder dem Oberharz auf der Liste stehen, eine Gropius-Fabrik in Alfeld, ein philosophisch-politisches Gartenkunstwerk oder das Wattenmeer mit seinen mehr als 10 000 Arten.

Auch Triers römische Baudenkmäler, Dom und Liebfrauenkirche präsentieren sich mit zahlreichen Videos. Eine junge Frau hüpft zu fröhlicher Musik von einem zum nächsten, Pfarrer Hans Wilhelm Ehlen führt durch die älteste gotische Kirche in Deutschland, die Liebfrauenkirche mit ihrem außergewöhnlichen rosenförmigen Grundriss. Andrea Riesbeck, Leiterin der Dominformation zeigt ihre Lieblingsplätze im Trierer Dom, der alle (europäischen) Baustile seit der Antike auf engstem Raum vereint. Direktor Marcus Reuter spricht begeistert von den außergewöhnlichen Alltagsszenen, die auf den römischen Grabmälern in seinem Landesmuseum zu bestaunen sind und auch die Trierer Thermen oder der Egbert-Codex kommen nicht zu kurz.

Für Kinder gibt es bei fast jeder Weltwerbestätte was zu entdecken, zu basteln oder auszumalen: So bietet Trier zum Download eine Unesco-Ralley an, bei der es viel über die einzigartigen Gebäude zu lernen gibt sowie ein Memoryspiel. Nicht alle präsentieren sich so vielfältig und ausführlich wie die Römerstadt.

Dafür womöglich innovativer. So bietet die Völklinger Hütte virtuelle Spaziergänge in rostigen Höhen an, der Naumburger Dom Podcast-Rundgänge für Kinder und Jugendliche und der Kasseler Bergpark einen aufwendig animierten Film, der erklärt, dass das Wasser für die riesigen Wasserspiele aus einem Teich stammt, der auf einem anderen Berg noch höher liegt – sodass das Nass durch die kommunizierenden Röhren ganz ohne Pumpen bergauf fließt.

Bei der Fotoaktion #WelterbeVerbindet können Porta-Liebhaber und andere sich mit ihrem Lieblings-Welterbe ablichten. Alle eingereichten Fotos werden ab 7. Juni 2020 in einer digitalen Ausstellung sichtbar.

Kurz: Reinschauen lohnt sich. So lernt man gemütlich auf der Couch zumindest 46 der weltweit aktuell 1121 Unesco-Welterbestätten in 167 Ländern kennen – Zeugnisse vergangener Kulturen, künstlerische Meisterwerke oder einzigartige Naturlandschaften.

Gemeinsam ist ihnen ihr außergewöhnlicher universeller Wert – ihre Bedeutung für die gesamte Menschheit.

Von Bedeutung für die ganze Welt: die Porta Nigra. Foto: GDKE/Thomas Zuehmer

Infos unter www.unesco-welterbetag.de