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Weltstars der Klassik in großer Form

Weltstars der Klassik in großer Form

Unter der Leitung von Zubin Mehta haben die Wiener Philharmoniker am Mittwoch in Luxemburg eine feierliche und kraftvolle Version der 8. Sinfonie von Anton Bruckner abgeliefert. Über 1500 Zuschauer in der ausverkauften Philharmonie erlebten eine musikalische Sternstunde.

Luxemburg. Ein Orchester von Weltgeltung, die Wiener Philharmoniker, unter dem Dirigat des vielleicht prominentesten Vertreters seiner Zunft, Zubin Mehta, das elektrisiert die Klassikfreunde. Fast unmöglich war es, auf dem freien Markt noch Karten zu ergattern, erzählt ein glücklicher Fan aus Trier, der am Mittwoch zu den gut 1500 Auserwählten zählte, die in der Philharmonie auf dem Kirchberg dabei sein durften.
Dabei stand keine leichte Kost auf dem Programm: Die 8. Sinfonie von Anton Bruckner (1824-1896) hatte nach ihrer Uraufführung 1892 durch eben diese Wiener Symphoniker den Weltruhm des Komponisten begründet. Monumental - sowohl klanglich als auch vom Umfang - kommt sie daher.
Zubin Mehta steht mit unglaublicher Kontrolle am Pult, er scheint gereift, aber auch mit 76 Jahren noch nicht gealtert - ein Phänomen. Er hält den Laden zusammen, über hundert Musiker wollen geführt werden, und das gelingt eindrucksvoll, Mehta dirigiert komplett ohne Noten. Mit sparsamer Gestik - frei von Pathos oder Eitelkeit - strahlt er seine Souveränität auf das gesamte Orchester aus. Seit über fünfzig Jahren arbeitet der gebürtige Inder nun schon mit den Wiener Philharmonikern.
Musikalisches Wechselspiel


Das sinfonische Kraftwerk der 8. Sinfonie geizt nicht mit Ansprüchen an die Interpreten. Diese werden über achtzig Minuten ohne Pause an ihre Grenzen getrieben. Dabei genügt ein Blick in die Gesichter der Musiker, um zu erfahren, welche Freude und Leidenschaft hinter all` der musikalischen Virtuosität steckt.
Die Musik kennzeichnet ein Wechselspiel von Anspannung und Entladung, Themen von wechselnder Stimmung - Zweifel, Trauer und Trost - sind dicht ineinander verwoben. Die Streicher dominieren, teils im dynamischen Crescendo, dann wieder malerisch, flaumig. Die tiefen Blechbläser, Hörner, Posaunen und Tuba, glänzen, ihr Spiel erscheint nicht düster, sondern wärmend. Insgesamt eine Sinfonie, die trotz ihrer Opulenz und Länge wie im Fluge vergeht - allein die Lautstärke ist nichts für empfindliche Ohren.
Als der letzte Ton des triumphalen Finales verklingt, reibt sich die Dame im Nachbarsitz verwundert die Augen: "Das ging aber jetzt schnell vorbei, toll, ein gutes Zeichen."
Tosender Applaus und verdiente stehende Ovationen belohnen Mehta und "seine" Philharmoniker.