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Theater: Wenig Risiko, aber reichlich Abwechslung

Theater : Wenig Risiko, aber reichlich Abwechslung

Die neue Führungsriege des Theaters hat den Spielplan für die kommende Saison präsentiert.

Die Journalisten sitzen im Rampenlicht mitten auf der Theaterbühne. „Es geht besser, besser, immer besser“, singen vier Schauspieler. Und das schwungvolle Lied ist Programm.

„Wir haben alle den Eindruck, unserem Theater geht es schon wieder besser“, sagt der künftige Intendant Manfred Langner. Ein Mann, der laut Oberbürgermeister Wolfram Leibe ausgewählt wurde, weil Trier jemanden brauche, der Gespür für das Haus und die Stadt habe sowie Achtung vor dem Publikum. Der Spielplan, den die neue Führungsriege des Hauses präsentiert, bereite ihm viel Freude, sagt Leibe.

Er enthält keine losen Zettel, keine provokanten Sprüche, keine riskanten Experimente. Schon rein äußerlich bricht er auf 108 gebundenen, elegant gestalteten Seiten mit dezenten Farben und Illustrationen mit der turbulenten Vergangenheit. Auch inhaltlich ist er gefällig: große Namen, bekannte Stücke, berührende Geschichten, viele Klassiker, aber ebenso viel Zeitgenössisches. Zwei Uraufführungen wird es geben, darunter das von Langner bei dem bekannten Dramatiker Joshua Sobol beauftragte „Marx’ Bankett“ und ein von dem neuen Tanzchef Roberto Scafati inszeniertes Tanztheater über Flüchtlinge.

Nicht nur das neue Ensemble ist international, sondern auch das Gebotene, darunter Stücke auf Englisch und Französisch. Neu ist auch, dass fast bei jeder Produktion Künstler verschiedener Sparten miteinander arbeiten und dass in Trier bald wieder klassisches Ballett zu sehen ist. Folgende Premieren sind geplant, überwiegend im Großen Haus:

Musiktheater

Ganz Franzose vergleicht der neue Operndirektor Jean-Claude Berutti sein Programm mit einem Festmenü:

Die Hauptspeise sei „Don Giovanni“ von Mozart über den großen, skrupellosen Verführer. 29. September.

„Pariser Leben“, die Operette von Jaques Offenbach sei das Dessert. Es geht um Lebemänner, die in Paris beschließen, eine verheiratete Dame von Welt zu verführen. 1. Februar.

Ein italienisches Gericht mit japanischer Sauce: „Madama Butterfly“, von Giacomo Puccini über die tragische Geschichte einer Geisha, die in Nagasaki einen US-Marineoffizier heiratet. 2. Februar.

Was zum Lachen: „Die lustigen Weiber von Windsor“, komisch-fantastische Oper von Otto Nicolai, über die Rache an einem Draufgänger, der zwei Nachbarinnen gleichlautende Liebesbriefe schreibt. 6. April.

Salat und Käse: Ein Abend mit zwei Opern. „Dido und Aeneas“ von Henry Purcell und „Die menschliche Stimme“ von Francis Poulenc über Frauen, die verlassen wurden. 18. Mai 2019.

Konzerte

Der künftige Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach lobt, was sein Vorgänger Victor Puhl ihm übergibt: die große Vielfalt und das hohe Niveau des Orchesters. Vieles bleibt daher, wie es war.

Acht Sinfoniekonzerte (30. August, 18. Oktober, 13. Dezember, 7. Februar 2019, 14. März, 30. Mai, 18. April und 27. Juni 2019)

Mixed Zone (zuvor Weltmusik): „Metropolis“ am 8. November, „China Moses“ am 28. März, „Bossarenova Trio“ am 13. Juni 2019.

Familienkonzerte: „Das gestohlene Lied“ am 4. November, „Die Abenteuer des Pinocchio“ am 17. Februar, „Dornröschen“ am 14. April und „Große Musik für kleine Ohren“ am 5. Mai 2019.

Vier Konzerte im Rahmen der Reihe „Klassik um 11“: 20. Januar, 24. Februar, 24. März und 28. April 2019.

Neu ist die Concert Lounge: Hochstenbach präsentiert in lockerer Atmosphäre Stücke aus den Sinfoniekonzerten: 2. September, 15. Februar, 18. März, 25. April, 29. Juni.

„Scratch-Konzert“: Trierer Bürger erobern die Bühne.

Tanz

„Das Publikum verneigt sich vor Roberto Scafati“, schrieb die Augsburger Allgemeine nach dessen letzter Choreographie „Dornröschen“ in  Ulm. Scafati habe dort wahre Tanzbegeisterung ausgelöst, sagt Langner. Bald inszeniert der gebürtige Römer, der einen Teil seines Ensembles mitbringt, das Stück in Trier. Eine Stadt, die er mag, „weil ich das Gefühl habe, in Rom zu sein und es vier bis fünf Grad wärmer ist als Ulm.“ Zu sehen ist:

„Zorbas“, Ballett von Mikis Theodorakis, mit dem berühmten Ohrwurm Sirtaki, den im Film Anthony Quinn am Strand tanzte. 13. Oktober.

„Die Reise in die Hoffnung“, Tanztheater von Scafati über Flüchtlinge und die Hoffnung auf ein besseres Leben. 22. Februar.

„Dornröschen“, Ballett von Tschaikowsky.

Schauspiel

„Den neuen Schauspieldirektor sparen wir uns“, sagt Langner. Denn den Job übernimmt der Noch-Intendant der Stuttgarter Schauspielbühnen selbst. Er zeigt:

„Marx’ Bankett“ von Joshua Sobol: Der Zuschauer wird Augenzeuge eines revolutionären Banketts, im Laufe dessen der junge und der alte Marx mit ihrer Philosophie und deren Wirkung bis heute konfrontiert werden. 15. September.

„Piaf“, Schauspiel mit Musik von Pam Gems über das Leben der großen Sängerin. 27. Oktober.

„Blue Jeans“, Schauspiel mit Musik von Jürg Burth und Ulf Dietrich über eine deutsche Kleinstadt in den 50ern und ein Mädchen, das mit Rock’n’ Roll rebelliert. 19. Januar.

„Macbeth“, Tragödie von William Skakespeare in englischer Sprache, Gastspiel der American Drama Group Europe. 12. März sowie „Romeo und Julia“ von Skakespeare, 23. März.

Monty Pythons „Spamalot“, Musical frei nach „Die Ritter der Kokosnuss“, eine Parodie der Artussage, Freilichtaufführung.

„Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“, Schauspiel von Richard Alfieri über zwei schwierige Charaktere, die beim Tanzen aufeinanderprallen und ihre wunderbare Freundschaft. September 2018, Studio.

„Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ von Eric-Emmanuel Schmitt über einen 13-Jährigen, der in Paris bei seinem depressiven Vater aufwächst und sich mit Monsieur Ibrahim vom Kolonialwarenladen anfreundet. Frühjahr 2019, Studio.

„P’tit Albert“ von Jean-Marie Frin nach einer Erzählung von Jack London. Solostück über Tom, den Patienten einer psychiatrischen Anstalt, der mit dem kleinen Albert flüchten will.

„Politisch korrekt!“ von Salomé Lelouch, deutsche Erstaufführung über die linke Mado und den rechtsextremen Alexandre, die sich verlieben. Frühjahr 2019. Spielstätte steht noch nicht fest.

Kinder- und Jugendtheater

Das Weihnachtsmärchen ist „Der Zauberer von Oz“, eine Theaterreise ab fünf Jahren, 7. November.

„Cats for Kids“, Musical von Andrew Lloyd Webber  mit dem Kinder- und Jugendchor, 3. Mai.

„Patricks Trick“, Wiederaufnahme des Schauspiels von Kristo Šagor über den elfjährigen Patrick und seinen ungeborenen, behinderten Bruder.

Sonstiges

 Szenen aus Stücken, die in der kommenden Spielzeit am Theater zu sehen sein werden: „Blue Jeans“ ...
Szenen aus Stücken, die in der kommenden Spielzeit am Theater zu sehen sein werden: „Blue Jeans“ ... Foto: TV/Theater Trier
 Das ist in der kommenden Spielzeit am Theater zu sehen.
Das ist in der kommenden Spielzeit am Theater zu sehen. Foto: TV/Theater Trier
 Spielzeit Theater Trier 18/19
Spielzeit Theater Trier 18/19 Foto: TV/Theater Trier

Neben Bürgertheater gibt es Workshops für Kinder und Jugendliche, eine Tanzwerkstatt,Theater-Feste, Tanzkurs und -abende, Matinées und Künstlergespräche sowie „Eier und Tomaten“, ein Format, bei dem das Publikum dem Intendanten die Meinung sagen kann. Zudem gibt es diverse neue Abonnement-Möglichkeiten.