Weniger Bürokratie, mehr Sicherheit: Das wünscht sich die freie Kulturszene

Freie Kulturszene : Weniger Bürokratie, mehr Sicherheit: Das wünscht sich die freie Kulturszene

Der Kultursommer Rheinland-Pfalz richtet sich neu aus und sammelt Ideen für die Zukunft.

Die freie Kulturszene in der Region Trier musste das Land nicht lange zum Gespräch bitten. Auf Einladung von Kulturstaatssekretär Denis Alt (SPD) zum „Zukunftsworkshop“ in der Trierer Tufa kamen rund 60 Leute zusammen – neben Künstlern und Veranstaltern vieler Sparten auch etwa ein Dutzend Akteure von Kultursommer, Landeskulturstiftung und Ministerium. Die Ausgangsfragen: Was wünschen sich Kulturschaffende im und vom Land? Welche Ideen für die Zukunft haben sie?

Zum 30. Geburtstag 2021, das stellte Alt eingangs klar, will das Land den Kultursommer neu ausrichten und auf gewandelte demografische Gegebenheiten eingehen. Zur Weiterentwicklung seiner Dachmarke mit jährlich mehr als 200 Projekten vom Konzert bis zum Literatur- oder Filmfestival befragt das Ministerium Kulturschaffende im ganzen Land: „Was müssen wir tun, damit das Land in fünf oder zehn Jahren noch interessante Angebote macht?“, so Alt, „auch auf dem Land“. Dazu sollen bis zum Frühjahr 2020 zehn „Zukunftsworkshops“ stattfinden, der dreistündige Austausch am Dienstag in Trier war der fünfte.

Die Ideen sprudelten aus den Teilnehmern heraus: Christoph Engels aus Kröv brachte den konkretesten Vorschlag mit. Der Comedy-Künstler mit den knallroten Haaren und Augenbrauen möchte im Land eine Messe etablieren, die Künstler aus Straßentheater und -musik, Varieté und Zirkus mit Veranstaltern zusammenbringt. Karsten Müller, freier Regisseur, schlägt eine bessere Vernetzung der Szene vor, damit die Projekte von Kulturschaffenden öffentlich stärker wahrgenommen werden. Und Josef Zierden, seit 25 Jahren der Motor des Eifel-Literaturfestivals, will dem „Monster Bürokratie“ zu Leibe rücken.

Das Land habe mit der Kulturförderrichtlinie die Förderpraxis bereits vereinfacht, finden Vertreter der Kulturkarawane, die sich für ihre Projekte aber mehr Planungssicherheit über einen längeren Zeitraum wünschen, um auch leichter Sponsoren zu gewinnen. Monika Wenders vom Tufavorstand in Trier nannte die nachhaltige Weiterführung von Projekten wie Theaterinszenierungen ein dringendes Anliegen.

Erfolgreichen Stücken wie „Tussy“ oder „Meine liebe Scholle“ fehle die Anschlussfinanzierung. Der Verein Kulturwerkstatt nimmt Inklusion und Barrierefreiheit bei Kulturevents in den Blick. Und ein Deutschlehrer wirbt für mehr – auch grenzüberschreitende – Vernetzung von Kulturschaffenden und für einen stärkeren Fokus auf Kinder- und Jugendliteratur im Rahmen des Kultursommers. Konkret kam der Wunsch ans Ministerium, eine elektronische Pinnwand für die Kulturszene zu schaffen.

Das Motto des Kultursommers 2019 „Heimaten“ begrüßt die Workshop-Teilnehmer in der Tufa. Foto: TV/Foto: Anne Heucher

Vernetzung ist auch Christiane Harmann von der Künstlersiedlung Weißenseifen in der Eifel ein zentrales Anliegen. All das jedoch entbindet die freie Szene nicht davon, sich selbst zu organisieren, wie Tufa-Vorsitzender Klaus Reeh in seinem klaren Statement bemerkt. „Was uns fehlt, ist eine Institution, die Dauerhaftigkeit gewährleistet.“ Sein Tipp gegen „die riesengroße Raumnot“ vieler Künstler: ein Landesdialog mit den Kirchen.