Wenn die Sprache zählt

Wenn die Sprache zählt

Kaya sucht Frau. Um die richtige Frau Yanar zu finden, reist der anspruchsvolle Comedian in seiner "All inclusive"-Show um die ganze Welt und deckt die Eigenheiten der Nationalitäten auf. Sein weibliches Pendant hat er in Trier nicht gefunden, wohl aber ein enthusiastisches Publikum.

Trier. "SMRT" steht in weißen Druckbuchstaben auf den schwarzen T-Shirts von zwei Mädchen. Ob die wissen, dass das auf Kroatisch "Tod" heißt? "Smrt, das klingt, als hättest Du eine Fliege tot gemacht", sagt Kaya Yanar - sein Publikum lacht. "Ich könnte den kroatischen Sensemann nicht ernst nehmen; ich würde mich totlachen!" Nein, Kroatin dürfte Frau Yanar nicht sein, ist sich der deutsch-türkische Comedian sicher. Denn die Sprache habe keine Vokale. Und sexy sprechen soll die Frau seiner Träume, die er sucht. Schließlich sei er 38 und gehe auf die 50 zu, erklärt Yanar. Und Kinder wolle er auch haben: "Ich will Gene mischen!"Yanar erzählt viel von sich in seiner Show "All inclusive". Auch, warum er seinen Auftritt in Trier um drei Monate (geplant war der 18. November) verschieben musste. Er habe sich den Oberarm gebrochen, beim Joggen. Klar, dass er auch daraus einen Gag macht, über den sich die knapp 3000 Zuschauer köstlich amüsieren. Doch nun, genesen, macht er sich nach seinem ersten Auftritt im März 2011 in der Europahalle in der Arena erneut auf die Suche nach der Traumfrau in Trier.Suzana passt in Yanars Beuteschema: groß, blond, blauäugig. Ihr Nachteil: Sie ist Kroatin. Aber auch die Skandinavierinnen kommen nicht gut weg bei ihm: Die schwedische Sprache "macht alles kaputt". Da heiße sein Idol Batman "Läderlappen". Und in den Niederlanden wildern? "Frau Yanar könnte keine Holländerin sein, die Sprache ist zu lustig, da lache ich mich dodelijk!"Kein Umtauschrecht bei TürkinnenSeine Mutter empfehle ja seit 30 Jahren: "Heirate eine Türkin!" "Aber die kannst du nicht probieren, es gibt kein Umtauschrecht!" Und sie hätten zwei große Nachteile: Bruder und Vater. Und dann fängt Kaya Yanar an, etwas autobiografisch zu werden. "In der Türkei bin ich verdammt deutsch", gibt er zu und lästert über die Vorurteile gegenüber seinen Landsmännern. Auch über die sicherheitsfanatischen Deutschen, bevor er einen Abstecher in die USA macht. Seine Zuhörer folgen ihm, brechen immer wieder in Lachen aus.Vielleicht kommt Frau Yanar ja aus Indien? Im Süden des Landes habe er gesucht, in Tamil Nadu. Die Mädels dort sind zwar weder groß, noch blond oder blauäugig. Doch die Sprache klinge, "wie eine Murmel, die die Dachrinne runterkullert". Und dann mimt er einen Karaoke-singenden indischen Taxifahrer, der sich vergeblich im Gangsta-Rap versucht.Im Sandkasten mit alten Freunden

Mit auf die Reise gehen natürlich auch seine Freunde, der Inder Ranjid, Macho-Türke Hakan, Francesco und Kai-Uwe. Immer wieder stellt Yanar eine andere Person dar, schlüpft in unzählige Rollen, verstellt seine Stimme vom tiefsten Brummen bis zum höchsten Fisteln, rollt die Augen, ändert gleichermaßen Mimik und Gestik. Selbst Tiere wie eine wählerische Katze oder einen verfressenen Bären lässt er nicht aus. Nach zwei Stunden bester Unterhaltung darf sich das Publikum eine Zugabe aussuchen: Die "Sandkasten"-Nummer mit seinen alten Freunden macht das Rennen. Mit denen will er alt werden. Und dann kämen seine Enkel zu Besuch, denen er die gleichen Geschichten erzählen würde wie dem Publikum. Es klingelt. Der Sensemann steht vor der Tür. Yanar schlüpft erneut in eine andere Haut, grinst diabolisch: "Hallo", brummt er, "ich bin‘s - SMRT!"

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