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Wenn die Theatergäste im Regen tanzen

Wenn die Theatergäste im Regen tanzen

Spannende Geschichten vermag die klassische Musik zu erzählen. Besonders, wenn die Melodien so schön sind wie in Edvard Griegs "Peer Gynt" - und wenn sie so unglaublich dramatisch vom Orchester der Stadt Trier präsentiert werden, wie beim ersten Family Classics-Konzert der neuen Spielzeit.

Regentropfen plätschern, verdichten sich zum Wolkenbruch. Donner rollen, Blitze erscheinen am dunkelblauen Firmament. Und das mitten im Theater Trier. 630 Zuhörer im ausverkauften Großen Haus schnipsen mit den Fingern, klopfen sich auf die Schenkel, stampfen mit den Füßen auf und sorgen so für heftigstes Unwetter. Dazu spielt das Philharmonische Orchester immer dramatischer und lauter - buchstäblich - mit Pauken und Trompeten zum Crescendo auf.

"Das Schiff zerschellt an der Brandung", ruft Ullmann in die anschwellende Musik. Peer Gynt jedoch rette sich an die heimatliche Küste, irre durch die Wälder, bis er an eine alte Hütte kommt. Dort höre er eine helle Stimme, sehe eine alte Frau - Solveig, seine große Liebe, die er erst als alter Mann erkennt. Zu Ullmanns Erzählungen spielt das Orchester jetzt ruhiger und zurückhaltend. Um ganz gefühlvoll, melancholisch, "Solveigs Wiegenlied" anzustimmen - ergreifend dabei die warme Stimme von Sopranistin Eva Maria Amann.

Kaum sind die letzten Harfentöne verklungen, bricht lauter Applaus los. Mehr als verdient. Hat doch das Orchester, Sprecherin und Amann ihre Zuhörer rund eine Stunde lang durch ein ganzes Leben geführt - durch das von "Peer Gynt", nach der Musik des norwegischen Komponisten Edvard Grieg. Dirigent Wouter Padberg hat daraus mit dem Text von Marko Simsa ein ganz eigenes Werk geschaffen - für Orchester, Sängerin und Sprecherin.

Padberg lässt seine Musiker mit ihren Tönen Bilder malen; man spürt die Einsamkeit der Wüste, die Ruhe des Waldes, die Unruhe des Peer. Dazu erzählt Ullmann die Geschichte des Mannes, der sich das Leben zurechtlügt und -fantasiert, Frauen liebt und fallenlässt. Der reich wird, alles verliert und geläutert nach Hause kommt. Nur eine hält zu ihm: Solveig - die Allgegenwärtige. Ist sie anfangs nur eine Randfigur, die aus dem Zuschauerraum ihr Klagen ertönen lässt - von Peer ungehört -, kommt Amann für "Solveigs Lied" auf die Bühne, behauptet sich, stellt sich in den Mittelpunkt. Wehmütig, feinfühlig ihr Gesang: Hörgenuss pur.

Ullmann verleiht jeder Figur eine eigene Stimme. Unverschämt die von Peer in der Jugend, prahlerisch als Mann und ruhig im Alter, bestimmt die der Mutter, betörend seine Geliebte, tief und rau die des Bergkönigs, vor dem Peer flieht. Und die Schauspielerin lädt die Kinder ein, mitzutanzen zum lebhaften Spiel der Musiker. "Ohne euch hätte es keinen Tanz im Palast gegeben", sagt sie, "und auch kein Unwetter."

Family Classics II, "Goldlöckchen und die drei Bären", 5. März 2017. Karten 0651/718-1818.