Wenn Engel singen

TRIER. Wagner, Reger und Hindemith: Das 4. Sinfoniekonzert am Donnerstag ist gewiss nicht populistisch. Aber Musikdramaturg Peter Larsen hat ihm ein beziehungsreiches Motto mitgegeben. Und mit Siegfried Köhler steht ein angesehener Dirigent am Pult.

"Engelkonzert" heißt der erste Satz aus Paul Hindemiths Sinfonie "Mathis der Maler". Wilhelm Furtwängler hatte Hindemith im Juli 1933 um eine Sinfonie gebeten, und der Komponist stellte Orche-sterstücke aus seiner Oper "Mathis der Maler" zusammen. Die Uraufführung am 12. März 1934 wurde ein überwältigender Erfolg, sehr zum Missvergnügen der Nazis, die Hindemith als Repräsentanten der Weimarer Republik und ihrer Kultur verachteten - zu Unrecht übrigens, denn in "Mathis der Maler" dominiert ein konservativer Tonfall. "Engelkonzert" - Peter Larsen hat das 4. Sinfoniekonzert am kommenden Donnerstag unter dasselbe Motto gestellt. Der Musikdramaturg, der nach Studium und Promotion in Berlin über Rudol-stadt, Sondershausen und Nordhausen ans Trierer Theater kam, versteht das nicht als Titel, sondern als Anlass, nach dem Konzert weiterzudenken - über die Musik, aber auch über Kunst und Ästhetik ganz allgemein. "Engelkonzert", das heiße auch: Himmlische Wesen als Inspirationsquelle für Musik. Im verklärenden Schluss von Richard Wagners "Faust-Ouvertüre" und im stillen, in sich versunkene Tonfall der Mathis-Sinfonie klingt das jedenfalls mit. Und Max Regers Mozart-Variationen op. 132: Gewiss hat das Werk keinen religiösen Unterton. Aber die Sehnsucht nach Mozarts schwerelosen Klangbildern, die Reger Zeit seines Komponistenlebens beseelt hat, zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk. Die 1990 in Trier geborene Ye Young Hwang, seit 1999 schon zehnmal Preisträgerin bei "Jugend musiziert", wird darum vorab den ersten Satz aus Mozarts A-Dur-Klaviersonate spielen, dem Thema der Regerschen Variationen. Am Dirigierpult steht Siegfried Köhler. Freiburg, Düsseldorf, Köln, Hamburg, Hannover, die Staatstheater in Saarbrücken und Wiesbaden, die königliche Oper in Stockholm, die Opernhäuser in München, Berlin, Stuttgart - allein die zahlreichen Karrierestationen des 82-jährigen sind eindrucksvoll genug. In Trier ist Köhler als Dirigent bei den Antikenfestspielen in bester Erinnerung geblieben. "Er ist immer noch ungeheuer vital", sagt Peter Larsen. Larsen will dem Konzertprogramm in der kommenden Spielzeit eine neue Gestalt geben. Das Motto zu jedem Konzert ist dazu ein erster Schritt. Man müsse für Neuorientierungen Geduld aufbringen sagt er und lobt zugleich den Ensemblegeist am Trierer Theater. Sein nächstes großes Projekt als Dramaturg ist die Oper "Les Fées du Rhin" von Jacques Offenbach. Premiere der deutschen Erstaufführung ist am 15. April im Trierer Theater. 4. Sinfoniekonzert am Donnerstag, 4. Oktober, um 20 Uhr im Trierer Theater. Karten unter (0651) 7181818.

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