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Wenn Entzücken Funken schlägt

Wenn Entzücken Funken schlägt

Was Händel und Piazzolla gemeinsam haben und warum eine tolle Akustik auch großartig gespielte Musik braucht, zeigt das Astor Trio in der Wittlicher Synagoge.

Wittlich Wenn das Publikum und die Musiker unisono ins Schwärmen geraten, dann war es ein besonderes Konzert. So geschehen am Samstagabend in der Wittlicher Synagoge beim Konzert des Astor Trios: "Eine tolle Kombination der Musikstile, das sind schon wirkliche Leckerbissen", sagt eine Dame aus Trier, und der Kölner Gitarrist Tobias Kassung freut sich über die "wunderbare Akustik" und "das tolle Publikum".
Aber der Reihe nach: Der Musikkreis der Stadt Wittlich hatte im Rahmen der Wittlicher Konzerte das ungewöhnlich besetzte Trio (neben der Gitarre noch Alexander Prushinskiy an der Violine und Stanislav Anischenko am Kontrabass) zu einem ebenso ungewöhnlichen wie spannenden Cross-Over-Konzert geladen. Virtuos schlagen sie den Bogen zwischen Barock und Moderne, von Händel über Rachmaninoff bis hin zu Gershwin und Astor Piazzolla. Mit Piazzolla fing für die drei Musiker aus dem von Kassung 2003 gegründeten Kölner Klassik-Ensemble alles an, er war Namensgeber des Trios. So sind denn auch dessen melancholische und dennoch vor Entzücken funkenschlagende Tangos "Adios Noniño" und "Nightclub 1960" der Höhepunkt des ersten Teils des 90-minütigen Konzertes. Alle Arrangements sind von Kassung selbst geschrieben, quasi maßgeschneidert auf die Instrumente. Da übernimmt dann schon mal die Gitarre den Part des Cembalos bei Händels Sonate in D-Dur. Gewagt, aber vollkommen gelungen, ja begeisternd. Von seltener Qualität und Vielfalt auch der Einsatz von Bass und Violine, die hier das Repertoire eines ganzen Orchesters bedienen, Prushinskiy und Anischenko kommen als Konzertmeister der Dortmunder Philharmoniker und Solobassist des WDR Sinfonieorchesters aus renommierten, großen Klangkörpern. Ohne große Gesten oder eine übersteigerte Attitüde spielen sie auch die schwierigsten Partien mit kreativer Leichtigkeit. In ihrer Mitte glänzt Tobias Kassung an der akustischen Gitarre, wenn Rachmaninoffs Romanzen erklingen, macht sich Gänsehaut unter den 120 Zuhörern in der wunderbar renovierten alten Synagoge breit. Und die Akustik, ja sie ist großartig, aber natürlich nur, wenn sie mit entsprechender musikalischer Qualität ausgefüllt wird. Und die liefert das Astor Trio, belohnt von großem Applaus und Bravorufen.