Wenn Hollywood auf Wanderschaft geht

Region · Der eine tingelt mit dem Filmprojektor durch die Gasthöfe der kleinen Ortsgemeinden, die anderen investieren in ihren Kinos in moderne Technik und setzen auf Zusatzangebote neben der reinen Leinwandshow. Im zweiten Teil unseres regionalen Kinoüberblicks geht es um die Angebote außerhalb von Trier.

Region. Günther Sperlich betreibt eines der letzten Wanderkinos der Republik. Die bereist er, oft zusammen mit seiner Frau Jenny, von seinem Wohnort Hoppstädten-Weiersbach im Kreis Birkenfeld aus. In Gasthöfen, Turnhallen und Festsälen baut der 63-Jährige dann seinen Kinoton-Projektor auf, um 200 Mal im Jahr vor allem Unterhaltsames zu zeigen: "Komödien und Familienfilme gehen immer gut", erzählt Sperlich, der zu Ostern in einem Schwarzwälder Kursaal die Komödie "Ziemlich beste Freunde" vorgeführt hat.
Neben Projektor und mehreren Leinwänden bringt Sperlich dazu eine 1000-Watt-Soundanlage mit: "Das kracht schon ganz ordentlich, wenn ich damit etwa ,Herr der Ringe\' oder ,Avatar\' zeige - da stehen natürlich gerade die jungen Leute drauf!" Von allzu speziellen Veranstaltungen lässt er aber lieber die Finger: "Bei den ,Blues Brothers\' kommen zwar einige treue Fans - die füllen mir aber nicht den Saal, schon gar nicht mehrmals. Das passiert eher bei ,Ice Age\'."
Bei seiner Wanderschaft muss Sperlich von stationären Kinos einen Abstand von fünf Kilometern halten. "Wenn da ein Kino in der Nähe ist, spreche ich mich mit den Kollegen auch ab: Das muss ja nicht sein, dass ich einen Film zeige, den die auch gerade im Programm haben."
Ebenfalls eine Rarität stellt das Mosel-Kino in Bernkastel-Kues dar: Der 1920 gegründete Betrieb wurde in den Achtzigern in eine kommunale GmbH überführt. Mittlerweile ist die Verbandsgemeinde alleiniger Gesellschafter, der hauptamtliche Beigeordnete Leo Wächter führt seit Anfang des Jahres die Geschäfte. Der berichtet von einem zunächst schwachen Jahr 2011. Doch dann wurden für 185 000 Euro zwei der drei Kinosäle mit digitaler und 3D-fähiger Technik ausgestattet. Über "erheblich höhere Besucherzahlen" freut sich Wächter seitdem.
Die Gäste kamen aber möglicherweise nicht nur wegen der modernen Technik, sondern auch wegen des Rahmenprogramms: Das besteht etwa aus dem Dauerbrenner "Ladies Movie Night", dem "Film/Café 55plus" für das reifere Publikum oder dem "Kino Vivo" im Kloster Machern. Möglicherweise wird bald auch noch der dritte Saal digital ausgestattet. "Darüber entscheidet aber letztlich der Beirat", so Wächter.
Der Dauner Kinopalast Vulkaneifel steht im Gegensatz zum kommunalen Kino ganz im rauen Wind der Privatwirtschaft. Darum überlässt er Experimente gerne den anderen und setzt lieber auf Blockbuster. Daneben "entwickeln sich aber auch die deutschen Filme wie ,Männerherzen\' oder ,Rubbeldiekatz\' immer mehr zu Kassenschlagern", sagt Geschäftsführerin Ulrike Elsen. Und weil Popcorn-Kino so richtig Spaß macht, wenn es ordentlich kracht und blinkt, sind alle vier Dauner Säle mit insgesamt 480 Sitzplätzen längst digital ausgestattet. Auch durch die zwei 3D-fähigen Räume sieht man sich in Daun für die Zukunft gerüstet.
Ebenfalls gut gerüstet sieht Daniela Riewer ihr Eifel-Kino in Prüm, dessen Säle mit 200 und 90 Sitzen vor zwei Jahren umfänglich modernisiert wurden. Zu früh für die inzwischen eingeführten staatlichen Zuschüsse für die Modernisierung, wie Riewer bedauert: "Das finden wir natürlich schon ungerecht." Dabei sei es fraglich, ob 3D langfristig erfolgreich bleibe: "Vor allem Filme, die erst nachträglich in 3D gewandelt wurden, fallen qualitativ stark ab. Darum werden wir auch ,Titanic\' nicht zeigen."
Das Eifel-Kino versucht, etwa über Kooperationen mit Vereinen ein reichhaltiges und anspruchsvolles Programm zu bieten - aber auch in Prüm füllen Vampire und Zauberschüler ganz klar die Kassen mit harter Währung.
Ein liebevoll geführtes Haus findet der Cineast auch in der Hillesheimer Eifel-Film-Bühne: Christine und Günter Runge setzen in ihrem einzigen Saal mit 221 Plätzen (analog und digital, aber kein 3D) ganz auf Arthouse-Filme. "Wir sind das einzige Programmkino in der Region mit festem Monatsprogramm", erklärt Christine Runge stolz. Filmreihen wie "50 plus", "Ungleiche Freunde" oder "Filme gegen das Vergessen" fassen thematisch die Werke zusammen, denen jede Woche ein neuer Kurzfilm vorangestellt wird. Sonderveranstaltungen wie "Kino Vivo" oder die Teilnahme am französischen Jugendfilmfestival "Cinéfête" machen nachvollziehbar, warum das Haus vielfach ausgezeichnet wurde.
Um sich davon zu überzeugen, dass das Bitburger Skala-Kino überhaupt noch existiert, muss man schon fast persönlich hinfahren: Zwar werden in vier Sälen mit 438 Sitzen auch 3D-Filme gezeigt - eine richtige Internetseite bietet das Skala aber ebenso wenig wie weitergehende Ambitionen an Programm oder Ausstattung. Dass das überhaupt noch funktioniert, erklärt sich wohl nur über die fehlende Konkurrenz in der Bierstadt. Der Betreiber war trotz mehrfacher Versuche nicht zu sprechen.
Das Wittlicher Kino ist zwar längst Geschichte - immerhin wird es aber vom 12. bis 15. Juli wieder ein Open-Air-Kino im Stadtpark geben.

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