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Wenn Musik Geschichte schreibt

Wenn Musik Geschichte schreibt

Es ist ein Vierteljahrhundert her, dass die Weimarer Staatskapelle wenige Tage vor dem Mauerfall ihr denkwürdiges Debüt in Trier gab. Wenn das renommierte Orchester am 10. Februar im Großen Saal des Theaters auftritt, ist auch die Geschichte mit zu Gast.

Trier/Weimar. "Es war ein legendärer Auftritt." Alt-Oberbürgermeister Helmut Schröer gerät heute noch ins Schwärmen, wenn er sich an den 26. Oktober 1989 erinnert. Immer wieder hatten die Trierer im Rahmen der Städtepartnerschaft um einen Besuch der Weimarer Staatskapelle gebeten, stets hatten die SED-Verantwortlichen gemauert. Nun, da die Montagsdemonstrationen auch in Weimar angekommen waren und es in der ganzen DDR gärte, war das auf Europa-Tour befindliche Orchester kurzerhand - ohne Erlaubnis - für ein Konzert nach Trier gereist.
Ein Konzert als Demonstration


"Keiner weiß, wie das zustande kam", erinnert sich der Weimarer Musiker Georg Bölk. Aber es habe eine "ganz besondere, unglaublich bewegende Atmosphäre" geherrscht. "Wir ahnten, dass große Veränderungen bevorstehen, aber keiner wusste, was auf uns zukommt." Die Trierer feierten das Gastspiel mit endlosen Ovationen - eine politische Demonstration in bewegten Zeiten. Zwei Wochen später fiel die Mauer.
Georg Bölk ist eine Art Veteran der Partnerschaft. Der heute 62-Jährige war schon dabei, als 1987 mit den Ilmtaler Bläsern wenigstens ein Teilensemble der Staatskapelle auf dem Trierer Weihnachtsmarkt spielen durfte - als erstes Kultur-Gastspiel nach dem Partnerschaftsvertrag bestaunt wie ein Weltwunder. Schon da entstanden zaghafte Freundschaften zwischen Weimarer und Trierer Musikern, zum Leidwesen der Stasi, deren Spitzel prompt "ideologische Aufweichungserscheinungen" notierten - vielleicht auch wegen eines feucht-fröhlichen Besuchs der Bitburger Brauerei.
Nach der Wende kamen regelmäßig Weimarer Musiker als begehrte "Aushilfen" zu den Trierer Philharmonikern. "Vor allem Geiger", sagt Georg Bölk, Tubisten wie er wurden nicht ganz so oft gebraucht. Dank der Städtepartnerschaft gelang es auch, alle paar Jahre ein Gastspiel der Staatskapelle zu organisieren - so kam das Trierer Publikum in den Genuss großer Dirigenten wie George Alexander Albrecht oder Carl St. Clair. Auch bei wichtigen Partnerschaftsjubiläen ließ sich Weimar gerne von seinem Paradeklangkörper vertreten. Die Auftritte waren über Jahre besondere Feiertage im Trierer Musikleben und dem der Region.
Seit es in Luxemburg die Philharmonie mit ihrer schier endlosen Fülle an großen Orchestern gibt, haben die Gastspiele der Staatskapelle mächtig Konkurrenz bekommen. Und doch bleibt ihnen der "Nimbus des Besonderen", den Georg Bölk beschreibt. Auch wenn er aus gesundheitlichen Gründen diesmal nicht mit dabei ist. Aber so, sagt er, "kommen auch die jüngeren Kollegen in den Genuss dieser außergewöhnlichen Erfahrung".Extra

Die Staatskapelle Weimar unter der Leitung ihres Chefs Stefan Solyom gastiert am Montag, 10. Februar, um 20 Uhr im Theater Trier. Auf dem Programm stehen Dvoráks 8. Sinfonie und die Schottische Fantasie von Brahms mit der Geigerin Viviane Hagner. Tickets: www.theater-trier.de oder an der Theaterkasse, 0651/7181818. DiL