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Wenn Musik und Bilder verschmelzen

Wenn Musik und Bilder verschmelzen

Mit musikalischer Kunst und künstlerischer Musik hat das Collegium Musicum der Universität Trier in St. Maximin seine 400 Zuhörer überrascht. Neben Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" gab es auch eine Ausstellung mit Malerei, Collagen und Fotografien der Mitglieder von Chor und Orchester.

Trier. Der Besucher schreitet von Bild zu Bild, bleibt stehen, schaut. Es ist eine stattliche Gestalt, die die Hörner, dann die restlichen Bläser, musikalisch malen. "Promenade" hat der russische Komponist Modest Mussorgsky diese Szene in seine Suite "Bilder einer Ausstellung" genannt, die in der Orchesterbearbeitung von Maurice Ravel zu hören ist. Von Bild zu Bild können auch die 400 Zuhörer in St. Maximin vor, nach und in der Pause des Sommerkonzerts des Collegiums Musicum der Universität Trier wandeln. Denn diesmal verbindet Dirigent Mariano Chiacchiarini Gesang, Instrumentalmusik, Fotografie und Malerei miteinander. Neun Künstler, die meisten von ihnen gehören zum Ensemble, stellen aus.
So zeigen Fotos von Doris Stuke (Alt) spielende Kinder in Trier. Sie hüpfen, rennen, spielen am Wasserband, ruhen sich an den Elefanten der Elephant Parade aus. Musikalisch visualisiert von Flöten und Violinen, die gezupft im Pizzicato perlende Töne erzeugen - in Mussorgskys Stück spielen sie in den Gärten von Paris. Seinen Gnom, der sich mal ruckartig, mal schleichend bewegt - unterstrichen durch Streicher, Bläser und Schlagwerker, exakt in Szene gesetzt von Chiacchiarini - kann der Betrachter im Bild des Bettlers oder der alten Frau, die Mülltonnen durchsucht, an den Stellwänden entdecken. Und immer wieder ploppt das Thema der "Promenade" in verschiedenen Variationen zwischen den Szenen auf.
Bereits der Konzertbeginn ist stark: Französische Lieder von Francis Poulenc, Maurice Ravel und Claude Debussy mit Solist Philip Farmand verlangen den Sängern des Ensembles einiges ab. Romantisch wird es mit der "Messe brève" von Charles Gounod, die sehr harmonisch und gefühlvoll gesungen und gespielt ist.
Majestätisch hingegen der letzte Satz von Mussorgskys "Bildern", einem Stadttor mit Glockenturm. Es könnte aber auch - wie auf einigen Werken der Ausstellung - der Trierer Dom sein. Der Bass zeichnet die enorme Größe des Bauwerks. Bläser und Schlagwerker intonieren ein Glockengeläut; und immer wieder taucht das Promenade-Thema auf. Chiacchiarini dirigiert jetzt mit dem ganzen Körper, legt seine ganze Kraft in den Taktstock, treibt seine Musiker zu Höchstleistungen an. Unglaublich, dass nur 50 Instrumentalisten einen so vollen Klang erzeugen. Das Publikum belohnt dies stehend und mit lautem Beifall. mehi