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Wenn zwei sich streiten, wen liebt dann der Dritte?

Wenn zwei sich streiten, wen liebt dann der Dritte?

Debüt in der Tufa: Die Trierer Tänzerin Felizia Roth stellt an diesem Wochenende ihre erste eigene Choreographie vor. Bei "1 + 1 = 3" geht es um eine Art Formel für das Liebesleben. Die spannende Frage hinter den Zahlen lautet: Ist dreisam besser als einsam?

Trier. Der Wecker klingelt. Drei verknäuelte Körper, zwei Frauen und ein Mann, wickeln sich auseinander, krabbeln aus dem Bett, lassen sich von Juan Carlos Cacéres\' munterem "Tango ne gro" in den Tag treiben. Eine "ménage à trois", unübersehbar. Da knistert erotische Spannung, selbst im ernüchternden Probenambiente des Tufa-Ballettsaals. Zumal, wenn Felizia Roth in der nächsten Szene ausprobiert, wie die Nacht womöglich begonnen hat, deren Morgen das Publikum gerade miterleben durfte.
Was Roth sucht, ist weder Bedeutungs-Overkill noch Spitzentanz-Overdrill. Es geht um das Lebensgefühl der Mittzwanziger-Generation, also ihrer eigenen. Es geht um die Suche nach der richtigen Beziehungsform, nach dem unauffindlichen Kompromiss zwischen Liebesideal und -pragmatismus. Es geht um die (manchmal gar nicht so leichte) Leichtigkeit des Seins im Leben junger Theaterleute. Irgendwo zwischen lustig und lustvoll.
Roth hat eine internationale Truppe für ihr Debüt zusammengetrommelt: den Mexikaner Reveriano Camil, mit dem sie schon viele Projekte gemeinsam gestaltet hat, die Luxemburgerin Simone Mousset, die Japanerin Kyrie Oda - die beiden letzteren ebenso wie Felizia Roth in England ausgebildet. Alle jung, alle Freelancer. Sie spielen, zumindest ein Stück weit, ihr eigenes Leben.
In Trier hat Roth ihre ersten Tanzschritte gemacht, unter anderem beim Heuschreck-Ballett, dem sie immer noch verbunden ist. Studium in Manchester und London, seither freie Künstlerin. Statt öffentlicher Subventionen hat sie das Geld für ihre Produktion bei Mäzenen eingeworben. Die Musik geht von Chopin bis Balkan Pop - "alles, was mir Spaß macht - und deshalb hoffentlich auch dem Publikum". Ein Erfolg in der Tufa, und dann, vielleicht, Gastspiele, in Luxemburg etwa: Das wäre ein Traum. DiL
"1 + 1 = 3" am Freitag, 4. April, und Samstag, 5. April, um 20 Uhr in der Tufa Trier.