1. Region
  2. Kultur

Wer bin ich und wie viele? - Im Theater Trier zeigt Urs Dietrich sein Tanzstück "Thalamus"

Wer bin ich und wie viele? - Im Theater Trier zeigt Urs Dietrich sein Tanzstück "Thalamus"

Er gehört zu den Großen des modernen Tanzes. Ans Trierer Theater kommt Urs Dietrich als Artist in Residence der Sparte Tanz. Mit seinem Tanzgastspiel "Thalamus" stellt sich der in Berlin lebende Choreograf und Tänzer dem Trierer Publikum vor.

Wir treffen uns im Büro von Tanztheater-Managerin Waltraut Körver, ein fast asketischer Raum. "Sie wollen bestimmt mit Blick zum Fenster sitzen", vermutet Urs Dietrich und nimmt auf der anderen Seite des leeren Schreibtisches Platz. Abwartend sitzt er da und aufmerksam.

Premierenfieber

Genauso, mit diesem stillen Blick, muss er auch nach innen und außen schauen, wenn er sich

auf die Suche nach der Identität in die vielfältigen Regionen der menschlichen Provinz ergibt. Eben das tut er in seinem Tanzstück "Thalamus", mit dem er in Trier seinen Einstand als "Artist in Residence" gibt.

Der Mensch mit seiner Innen-und Außenwelt bildet seit jeher den Mittelpunkt im Werk des als zurückhaltend bekannten Choreografen. "Für mich gibt es ein inneres und äußeres Universum", erklärt der sensible Schweizer. "Das Innere ist für mich genauso ein Kosmos, den es zu erforschen, zu betrachten und zu beherrschen gilt, wie das Äußere". Die Verschaltung der beiden Welten besorgt weithin der Thalamus als "Tor zum Bewusstsein". Im komplexen Areal der Zwischenhirnregion mit ihren vielen unterschiedlichen Kerngebieten wird sozusagen vorentschieden, was menschliches Bewusstsein und Wirklichkeit wird.

"Im Thalamus sind alle Sinneseindrücke vorhanden", erklärt Urs Dietrich. Fast selbstverständlich ergibt sich da für den Mann, der sich als Sucher und Forscher bezeichnet, die Frage: "Was nehmen wir wahr, und was werden wir dadurch?" Natürlich hat der Choreograf dabei keine naturwissenschaftliche Forschung im Sinn. Urs Dietrich geht es um existentielle Sinnsuche und gleichsam philosophische Hinterfragung. Sein Instrument wie Ausdrucksmittel ist dabei der Körper, seine Sprache die Bewegung.

Das war nicht immer so. Als Spätberufener - nach der Zeitrechnung der Tänzer - kam der 1958 geborene Ostschweizer mit über 20 Jahren zu seinem heutigen Fach. Vorher hatte er in St.Gallen Textildesign studiert. Keine schlechte Vorbildung, ist doch auch die Modelandschaft - so der Choreograf - eine riesige Theaterlandschaft. Allerdings ein flüchtige, zu flüchtig, wie der empfindsame Sinnsucher fand.

Zum Körperbewusstsein kam Dietrich schließlich über das Yoga. Eine Tanzlehrerin, die seine eigentliche Begabung erkannte, empfahl ihn schließlich ans Folkwang Institut nach Essen. Heute ist der Choreograf und Tänzer, der zu den Pionieren des modernen Tanzes zählt, einer der eigenwilligsten Vertreter seiner Kunst. Als Leiter des Bremer Tanztheaters verschaffte er gemeinsam mit seiner Partnerin Susanne Linke dem Haus Weltgeltung.

Die Herkunft aus Malerei und Textildesign hat auch das choreografische Schaffen Dietrichs geprägt. "Ästhetik ist für mich ganz wichtig", bestätigt der Choreograf. Und damit meint er nicht jenen schönen Schein, mit dem der Begriff umgangssprachlich meist gleichgesetzt wird, sondern die ausgewogene Komposition, die angemessene Form, den stimmigen Ausdruck. Derart schlüssig ist dann für ihn auch schön, was als Einzelelement hässlich sein mag, wie die grausamen Inhalte der preisgekrönten Pressefotos, die er unlängst in Berlin gesehen hat.

Überhaupt die Elemente: um die elementaren Teile der menschlichen Identität, geht es, wie gesagt, auch in Urs Dietrichs Tanzstück "Thalamus", zu dem ihn übrigens der Text des tibetanischen Autors Sogyal Rinpoche anregte. Die tänzerische Teilchenlehre ist für Dietrich nicht zuletzt eine Methode sich "über sich selbst klar zu werden." Sein nachdenkliches Resümee: "Die Suche nach dem Selbst führt dazu, dass es kein Selbst gibt".

Extra Neun Premieren an drei Wochenenden

Mit neun Premieren an drei Wochenenden und dem ersten Sinfoniekonzert beginnt das neue Theaterteam um Intendant Karl Sibelius ab Freitag, 11. September, seine erste Spielzeit in Trier.
Unter dem Motto "Premierenfieber" stellt der Trierische Volksfreund die Stücke vor. Hier eine Übersicht über die September-Premieren (gefettet ist jeweils das Stück, das im dazugehörigen Artikel vorgestellt wird):
„Alles bleibt anders“: 11. September, 18 Uhr, Großes Haus
 „UR_“: 11. September, 20.30 Uhr, Großes Haus  
„Molière“: 12. September, 20 Uhr, Großes Haus
"Mistral": 13. September, 20 Uhr, Großes Haus
 „Der Zauberberg“: 18. September, 19.30 Uhr, Walzwerk Trier
"Fidelio": 19. September, 19.30 Uhr, Großes Haus
"Thalamus": 20. September, 19 Uhr, Großes Haus

<span style="line-height: 17.4px;">&quot;Ruhr-Ort": 25. September, 19.30 Uhr, Großes Haus
1. Sinfoniekonzert: 26. September, 20 Uhr, Großes Haus
&quot;Sweeney Todd": 27. September, 19.30 Uhr, Walzwerk Trier cweb